Zäher Kampf für Windräder

Im Eriz engagiert sich eine breit verankerte Interessengemeinschaft für einen Windpark auf der Honegg. 
Bisher scheiterte das Projekt am Kanton – doch nun muss dieser seine Kriterien ändern.

Honegg bei Eriz: Hier engagiert sich eine Interessengemeinschaft für einen Windpark.

Honegg bei Eriz: Hier engagiert sich eine Interessengemeinschaft für einen Windpark. Bild: Adrian Moser

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Windkraftwerke sollen einen Beitrag zur Energiewende leisten. So wollen es der Bund und auch der Kanton. Doch nicht selten stossen Projekte nicht nur auf Opposition von Landschaftsschützern, sondern auch auf Widerstand von Anwohnern. In Tramelan im Berner Jura zum Beispiel will ein lokales Komitee einen Windpark der BKW mit einer kommunalen Volksinitiative verhindern. Die Abstimmung findet am 8. März statt.

Honegg steht nicht im Richtplan

Im Eriz ist dies anders: Seit fast vier Jahren engagiert sich eine lokal gut abgestützte Interessengemeinschaft (IG) Windpark Honegg für Windkraftwerke auf dem Höhenzug zwischen dem Eriz und dem Schallenberg. Laut Daniel Jost, dem Gemeindepräsidenten von Eriz, der auch die IG präsidiert, sind 10 Gemeinden und rund 100 Einzelpersonen Mitglied der Interessengemeinschaft. «Ein Windpark auf der Honegg wird hier breit unterstützt», sagt Jost, «Opposition gibt es bis jetzt kaum.» Dies auch deswegen, weil es oben auf der Honegg keine Anwohner gibt, welche sich an der Nachbarschaft der Windräder stören könnten.

Dennoch ist das Projekt bisher kaum vorangekommen. Die Ursache dafür ist ausgerechnet der Kanton: Er hat die 
Honegg nicht in den kantonalen Windrichtplan aufgenommen – nicht einmal als «Windenergieprüfraum», der genauer auf seine Eignung hin abgeklärt werden soll. Jost hofft, dass sich dies nun ändert. Im Januar werde die IG ­Gespräche mit dem kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) führen. «Wir erwarten, dass die Honegg dann als Windprüfraum in den Richtplan kommt.» Denn dies sei die Voraussetzung dafür, dass ein möglicher Investor die Kosten für genaue Windmessungen auf sich nehme. «Erst die Resultate werden zeigen, ob und wie auf der 
Honegg die Windkraft genutzt werden kann», sagt Jost. Bisher habe der Kanton diese nötigen Messungen faktisch verunmöglicht, kritisiert er.

Kraftprobe um Kriterien

Die Zeichen stehen gut, dass das AGR nun Hand bietet, um die Honegg zumindest als Prüfraum zu klassifizieren. Denn im Kantonsparlament konnten SVP-Grossräte aus der Region im November gegen das AGR und den Regierungsrat einen Etappenerfolg für das Projekt verbuchen. Konkret ging es um die Kriterien für Windparks, letztlich aber um die grundsätzliche Frage, wie Windkraftwerke im Kanton geplant werden.

Aus der Sicht des Kantons standen die Ambitionen im Eriz quer zur Grund­idee seines Windrichtplans. Gerade weil Windkraftwerke oft auf Opposition stossen, will der Kanton sie auf wenige und gute Standorte konzentrieren. Damit soll ein Wildwuchs der Projekte verhindert werden.

Dies ist zwar eine nachvollziehbare Überlegung. Doch bezüglich der Honegg benachteiligten die Kriterien des Kantons einen Standort, der in der Region sogar ausdrücklich erwünscht ist.

Zu wenig Wind?

Konkret bewertete der Kanton zum Beispiel, wie gut der Standort mit Strassen und Stromleitungen erschlossen ist. Zudem berücksichtigte er nicht nur die Windgeschwindigkeit, sondern auch, wie gross die Fläche ist, über die ein starker Wind weht. Dies um Standorte zu bevorzugen, an denen viele Windkraftwerke gebaut werden können.

Letzteres spielte gegen den Standort Honegg. Denn laut der Windenergiekarte von Meteotest ist die Windgeschwindigkeit auf dem höchsten Punkt mit durchschnittlich 6,5 bis 7,4 Meter pro Sekunde sehr hoch – aber die Fläche mit viel Wind ist relativ klein. Für die IG ist dies kein Hinderungsgrund. Man könne die Windkraftwerke ja genau dort bauen, wo die Verhältnisse geeignet sind, heisst es. Grossrat Samuel Krähenbühl (SVP, Unterlangenegg), der im Vorstand der IG aktiv ist, forderte deshalb per Motion, dass der Kanton die Kriterien ändert, welche den Standort 
Honegg benachteiligen. Es sei nicht die Aufgabe des Kantons, die Wirtschaftlichkeit zu beurteilen, argumentierte er in der Grossratsdebatte: «Für mich ist klar, dass die Investoren die Frage beantworten müssen, ob ein Windpark rentiert, und nicht die Beamten.»

Drei bis fünf Windturbinen

Im entscheidenden Punkt unterstützten SVP, BDP und Grünliberale den Vorstoss von Krähenbühl. Die FDP, aber auch SP und Grüne lehnten ihn mehrheitlich ab. «Das hat mich erstaunt», sagt Jost. «Es ist widersprüchlich, wenn SP und Grüne den Ausbau erneuerbarer Energien fordern, um die Atomkraftwerke zu ersetzen, sich dann aber gegen ein konkretes Windprojekt aussprechen.»

Krähenbühls Erfolg im Grossen Rat dürfte nun den Weg frei machen, damit zumindest abgeklärt werden kann, ob sich die Honegg als Standort eignet. Zwei Firmen, deren Namen er noch nicht nennen könne, seien grundsätzlich als Investoren interessiert, sagt Jost. Drei bis fünf Windkraftwerke erhofft er sich auf der Honegg. «Dies würde einen grossen Teil des Stromverbrauchs hier in der Region mit erneuerbarer Energie decken.» (Der Bund)

Erstellt: 29.12.2014, 08:48 Uhr

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