Worber Wahlverlierer Gimmel tritt ab

Nach seiner Niederlage im Kampf um das Gemeindepräsidium zieht sich Jonathan Gimmel (SP) aus der Gemeindepolitik zurück. An seiner Stelle übernimmt der zweite Ersatzmann das Gemeinderatsmandat.

«Mache aus meinem Herzen keine Mördergrube»: Jonathan Gimmel zieht sich nach seiner Niederlage um das Worber Gemeindepräsidium aus der Gemeindepolitik zurück.

«Mache aus meinem Herzen keine Mördergrube»: Jonathan Gimmel zieht sich nach seiner Niederlage um das Worber Gemeindepräsidium aus der Gemeindepolitik zurück. Bild: Valérie Chételat

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«Ich bin als Sportsmann angetreten und achte den Volkswillen. Aber ich stehe gleichermassen zu meinen Werten und mache aus meinem Herzen keine Mördergrube.» Mit diesen Worten gab gestern der Worber Gemeinderat Jonathan Gimmel (SP) vor den Medien bekannt, dass er seine Wiederwahl als Gemeinderat ausschlägt. Der 41-Jährige, der am 25. November gegen den bisherigen Amtsinhaber Niklaus Gfeller (EVP) bei der Kampfwahl ums Worber Gemeindepräsidium unterlegen ist, aber mit dem drittbesten Resultat in den Gemeinderat gewählt wurde, will sich nach 18 Jahren per Ende 2012 aus dem Gemeinderat und der Politik zurückziehen. Der Hauptgrund für seinen Rücktritt sei der Entschluss, neue Prioritäten in seinem Leben setzen zu wollen, sagte Gimmel. Sein politisches Engagement habe ihn in den letzten Jahren stark beansprucht. Es sei jetzt der Moment gekommen, so der zweifache Vater, mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen.

Gimmel machte allerdings keinen Hehl daraus, dass auch politische Gründe seinen Entscheid beeinflusst haben. «Ich bin für ein Worb angetreten, in welchem die ideologischen Grenzen überwunden, die Probleme gemeistert und die Zukunft gestaltet wird.» Diesem Ideal habe er sich verpflichtet, und davon sei er nach wie vor überzeugt. «Meine inhaltlichen Ziele und Prioritäten stehen damit im Widerspruch zur heutigen Situation.» Gemeinsam hätten SP, FDP und SVP mit ihm als Kandidat für das Gemeindepräsidium für mehr Transparenz, Ruhe und politisches Miteinander sorgen wollen. «Wir wollten die Grundlage schaffen für ein Worb, auf das wir alle stolz sein können.»

In den letzten Tagen hatte der wiedergewählte Gfeller gemahnt, der Gemeinderat möge sich nach ausgestandener Wahl wieder auf das Kollegialitätsprinzip besinnen. Auch ihm sei das wichtig, sagte Gimmel gestern. Aber es gehe noch um viel mehr: «Nämlich um Loyalität zur Gemeinde. Und diese lässt sich weder verordnen, formal einfordern noch herbeireden.» Loyalität lasse sich nur mit glaubwürdiger Führung, Vertrauen, vorbildlicher Leistung und einem persönlichen Tatbeweis erbringen. «Vieles davon hat in den letzten Jahren gefehlt, und ich vermisse auch in der aktuellen Debatte Weitsicht und Selbstkritik.»

Christoph Moser für Gimmel

Für den abtretenden Gimmel rückt damit der langjährige Parlamentarier Christoph Moser in die Exekutive nach. Moser, der 2011 höchster Worber war, figuriert zwar nur als zweiter Ersatzmann auf der SP-Liste, Jürg Kaufmann als erster Ersatzkandidat verzichtet indes auf den Einzug in den Gemeinderat. Er, der von Gfeller im April das Ressort Planung übernommen hatte, wurde abgewählt.

Fünf von sieben gesetzt

Zwei Seelen wohnten in seiner Brust, sagte Christoph Moser auf Anfrage. Einerseits freue er sich wahnsinnig, Exekutiverfahrung sammeln zu dürfen. Andererseits gehe sein Einzug in die Exekutive auf «widrige Umstände» zurück. Mit dem Abgang von Gimmel und Kaufmann werde dem Gemeinderat viel Wissen und Fachkompetenz fehlen. Aber es gelte jetzt, vorwärts zu schauen. Er wolle dazu beitragen, dass sich dieser wieder für die Sache, «für Worb», einsetze und die Zusammenarbeit gefördert werde.

Mit Niklaus Gfeller (EVP), Ernst Hauser (BDP), Thomas Leiser (EVP) und Christoph Moser (SP) sind damit vier Gemeinderäte gesetzt. Auch Peter Hubacher (SVP) will laut Parteipräsident Martin Wälti die Wahl annehmen. Offen bleibt, wer die beiden FDP-Sitze besetzen wird: Guy Lanfranconi und Hanspeter Stoll haben sich noch Bedenkzeit bis morgen ausbedungen, ob sie die Wahl annehmen wollen. Hubacher, Lanfranconi und Stoll waren die Gemeinderäte, die Gimmel offen unterstützt hatten. (Der Bund)

Erstellt: 08.12.2012, 09:21 Uhr

Kommentar: Mutig und konsequent

Simona Benovici

Noch vor einem Monat verspürte Jonathan Gimmel in sich das Feu sacré, wollte die Gemeinde Worb nach dem Donnerwetter der letzten Monate in ruhigere Gewässer führen. Zu diesem Zweck forderte er von sich und seinen Mitstreitern volle Hingabe. Gestern nun, gut zwei Wochen nach seiner Wahlniederlage als Gemeindepräsidentschaftskandidat, hat er bekannt gegeben, dass er sich Ende dieses Jahres aus der Politik zurückziehen will – der Familie und seiner Ideale wegen. Dass Gimmel mehr Zeit mit seiner Familie verbringen will, ist ihm nicht zu verdenken. Gleichwohl dürften sich nicht wenige der 1205 Worber Stimmberechtigten, die ihn als Gemeinderat gewählt haben, verwundert die Augen reiben. Er, der noch vor wenigen Tagen vor Tatendrang strotzte, spricht nun plötzlich von seinen Kindern und ist bereit, den Wählerwillen zu ignorieren und die Chance auszulassen, in der Exekutive mitzuwirken und für das Worb seiner Überzeugungen einzustehen. Im Spagat zwischen Volksauftrag und Prinzipien hat sich Gimmel für die eigenen Werte entschieden – wohl ahnend, dass er sich und seine Ziele im Gemeinderat unter Niklaus Gfellers Führung nicht hätte verwirklichen können. Dies ist eine mutige und konsequente Entscheidung.

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