Worb: Gfeller schafft Wiederwahl

Der harsch kritisierte Worber EVP-Gemeindepräsident lässt Herausforderer Jonathan Gimmel (SP) hinter sich.

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Allem Widerstand zum Trotz konnte sich gestern Niklaus Gfeller (EVP) erfolgreich gegen seinen Herausforderer Jonathan Gimmel (SP) durchsetzen. Mit 53,8 Prozent der Stimmen schaffte der bisherige Gemeindepräsident die Wiederwahl. Der Rüfenachter erzielte 2097 Stimmen und distanzierte Gimmel damit um 299 Stimmen. Die Stimmbeteiligung bei den Gemeinderatswahlen lag bei 51,9 Prozent.

Er danke für die «ehrenvolle Wiederwahl» und das Vertrauen, sagte der sichtlich bewegte Gfeller vor den rund 50 Worberinnen und Worbern, die sich gestern Nachmittag in der Gemeindeverwaltung eingefunden hatten, um die Wahlresultate zu erfahren. Das Worber Stimmvolk habe ihn trotz aller Vorwürfe bestätigt und damit auch den von ihm eingeschlagenen Weg. «Ich lese aus dem Wahlergebnis heraus, dass ich die Aufgaben so erfülle, wie es das Stimmvolk wünscht.»

Denkzettel für die Bisherigen

Er nehme für sich in Anspruch, dass mit dieser Wahl seine Person im Gemeinderat wieder gestärkt werde, sagte Gfeller weiter – um sogleich ungewöhnlich deutlich die Marschrichtung für die nächste Legislatur vorzugeben: Wichtig sei nun, dass der Gemeinderat wieder als Team auftrete. Ein Gemeinderat, der Streitigkeiten in der Öffentlichkeit austrage, könne sich nicht auf die politische Führung der Gemeinde konzentrieren. Jedes einzelne Gemeinderatsmitglied müsse sich jetzt – angesichts seiner Wiederwahl – klar werden, ob es ein klares Bekenntnis zur Konstellation des neuen Gemeinderats abgeben könne. «Ich erwarte von jedem Mitglied des Gemeinderats, dass es bereit ist, sich dem zu stellen und die Kollegialität zu pflegen und zu hüten.»

Gfeller sprach damit vor allem den anwesenden Gemeinderäten und den Parteileitungen von SP, FDP und SVP ins Gewissen: Vier von fünf Gemeinderäten hatten sich im Wahlkampf offen gegen die Kandidatur Gfellers gestellt und sich öffentlich für Herausforderer Jonathan Gimmel ausgesprochen. Entsprechend schlecht kam die Rede bei den Angesprochenen an. Der wiedergewählte SVP-Gemeinderat Peter Hubacher zeigte sich ob Gfellers Ansprache «befremdet», sein wiedergewählter Gemeinderatskollege Guy Lanfranconi (FDP) «irritiert». Der Gemeindepräsident habe vor allem seine Erwartungen an die übrigen Mitglieder des Gemeinderats formuliert, so Lanfranconi. Wenn es Gfeller seinerseits aber nicht schaffe, die grossen Parteien hinter sich zu haben, werde es auch mit den Erwartungen, die an Gfeller selbst gestellt würden, schwierig. SP-Co-Präsidentin Sandra Büchel war von Gfellers Worten gar «enttäuscht». «Es wäre der Moment gewesen, uns die Hand zu reichen.»

Gimmel betont Achtungserfolg

Der gescheiterte Herausforderer Gimmel will die Situation angesichts der «moralischen Ansprache» Gfellers nun analysieren. Er, der im Wahlkampf auf SP, FDP, SVP und das Worber Gwärb und damit auf eine deutlich grössere Unterstützung zählen konnte als Gfeller, konnte gestern den Grund für seine Niederlage nicht ausmachen. Das Resultat zeige aber doch, dass viele Worber unzufrieden seien und den Wandel gesucht hätten. Sonst hätten sich nicht so viele für seine «spezielle» Kandidatur ausgesprochen. Er erachte es jetzt auch als seine Aufgabe, diese Wähler zu vertreten. Wie das zu bewerkstelligen sei, werde man sehen.

Während es beim Gemeindepräsidium also zu keiner personellen Rochade kommt, wird sich der Gemeinderat neu wie folgt zusammensetzen. Neben Niklaus Gfeller – er erzielte 1385 Stimmen bei den Gemeinderatswahlen – und Jonathan Gimmel (1205 Stimmen), wurden mit Ernst Hauser, Guy Lanfranconi, Hanspeter Stoll und Peter Hubacher vier bisherige Mitglieder der Exekutive bestätigt. BDP-Vertreter Ernst Hauser vereinigte 1312 Wählerstimmen auf sich, die beiden Freisinnigen Guy Lanfranconi und Hanspeter Stoll erzielten 985 respektive 939 Stimmen, und für Peter Hubacher (SVP) legten 894 Worberinnen und Worber ein. Nicht mehr gewählt wurde hingegen Jürg Kaufmann (SP). Die Sozialdemokraten verloren aufgrund fehlender Listenverbindungen ihren zweiten Sitz im Gemeinderat an die EVP. Diese wird neu mit zwei Vertretern im Gremium Einsitz nehmen. Neu gewählt für die evangelische Volkspartei wurde Thomas Leiser (740 Stimmen).

Wahl annehmbar?

Ob es allerdings bei dieser Zusammensetzung bleibt, ist noch offen. Vor dem Hintergrund, dass die Vertreter von SP, FDP und SVP während des Wahlkampfs deutlich gemacht hatten, dass sie eine weitere Zusammenarbeit mit Gfeller an der Spitze nicht unterstützten, sagten sowohl Lanfranconi, Gimmel, Stoll und Hubacher auf Anfrage, sie müssten die Situation jetzt analysieren. (Der Bund)

Erstellt: 25.11.2012, 15:26 Uhr

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