Weitere Dissonanzen in der Musikschule Köniz

Der Vorstand des Trägervereins ist gesamthaft zurückgetreten. Aufgrund von Personalausfällen droht die Musikschule Köniz finanziell in Bedrängnis zu geraten.

Nach der Sanierung darf die Musikschule die oberen zwei Stockwerke des Ritterhauses im Schloss Köniz nutzen.

Nach der Sanierung darf die Musikschule die oberen zwei Stockwerke des Ritterhauses im Schloss Köniz nutzen. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Es klingt nicht gut. Der Könizer Gemeinderat gewährt der Musikschule Köniz ein Darlehen von 200'000 Franken zum Überbrücken von «personellen Engpässen und finanziellen Schwierigkeiten». Dies teilt der Könizer Gemeinderat mit. Der Beitrag stelle Liquidität und Lohnzahlungen sicher. Mit Dritten werde eine Lösung gesucht.

Das sei grundsätzlich nichts Besonderes und habe es auch schon gegeben, sagen sowohl Verena Berger, Präsidentin des Trägervereins, als auch Ueli Studer (SVP), Gemeindepräsident im letzten Amtsjahr, und beschwichtigen zunächst. Dennoch ist das Überbrückungsdarlehen Ausdruck von Spannungen, denen die Schule ausgesetzt ist. «Das ist nicht von der Hand zu weisen», sagt Studer dazu.

Kündigung und Krankheiten

Erst vor einem Jahr kündigte die pädagogische Schulleiterin überraschend. Ihre Stelle ist seit Anfang August wieder besetzt. Ein Mann und eine Frau teilen sich neu eine 140-Prozent-Stelle. Auch der administrative Leiter arbeitet noch nicht lange in Köniz. Er kam vor einem Jahr von der Thuner Kulturabteilung an die Musikschule Köniz. Doch im Frühling wurde er krank und fiel aus. Dasselbe geschah mit seiner Mitarbeiterin. So verfügte die Musikschule im Sommer über keine Administration mehr.

Rechnungen und Mahnungen blieben liegen, bis ein externes Büro im Mandat die Administration wieder in Gang brachte. Dieses Büro machte eine Liquiditätsplanung und stellte fest, dass der Schule die Mittel fehlen, um Löhne zu zahlen.

Die Turbulenzen an der Schule sind aber nicht vorüber. Der ganze Vorstand des Trägervereins ist zurückgetreten. Was ist geschehen? «Viel», sagt Berger, die neun Jahre lang Präsidentin war. Sie spricht vom Effort, die Schule trotz den Ausfällen am Laufen zu halten, von Lehrern, die wütend seien, und vom Gemeinderat, der die Situation an der Musikschule nicht zur Kenntnis nehmen wolle und sich lieber bei andern Leuten informiere. Berger lässt durchblicken, dass der plötzliche Abgang der ehemaligen Leiterin vor einem Jahr offenbar nicht so harmonisch verlief, wie das seinerzeit kommuniziert wurde.

Gemeinde will Verein leiten

Er wolle sich nicht in interne Querelen einmischen, sagt Studer dazu. Der alte Schulleiter Lorenz Hasler habe ein Vakuum hinterlassen. Es sei vermutlich unterschätzt worden, wie schwierig es werden könne, wenn eine andere Person seine Stelle übernehme. Doch habe der Trägerverein die Krise rechtzeitig erkannt und den Gemeinderat informiert.

Am Donnerstagabend informierte Studer an der Hauptversammlung die Mitglieder des Trägervereins über die Probleme der Schule. Er ist vom Gemeinderat mit der Federführung des Geschäfts beauftragt. Darum stelle er sich als interimistischer Leiter des Trägervereins zur Verfügung, bis sich ein neuer Vorstand formiere, sagt er. Denn für die Schule müsse ein kurz-, mittel- und langfristiges Szenario entwickelt werden, sagt Studer. Bei Redaktionsschluss war noch offen, ob die Mitglieder diesem Vorschlag zustimmen werden.

«Grenzen des Milizsystems»

Als Erstes sorge ein externes Büro dafür, dass der administrative Betrieb wieder in Gang komme. Als Zweites müsse dieser von der Schule wieder selbst geleistet werden. Dazu habe der Gemeinderat der Musikschule eine zusätzliche Stelle in der Administration bewilligt. Sie ist bereits ausgeschrieben. Schliesslich müsse langfristig über die Struktur der Schule nachgedacht werden.

«Das Milizsystem ist an seine Grenzen gestossen», sagt Studer. Die Schule ist gross: 80 Lehrkräfte unterrichten rund 1500 Musikschülerinnen und -schüler an zwanzig Lokalitäten in zehn Ortschaften. Sie sei wie ein KMU. «Man muss sie auch so führen und Millionen verwalten.» (Der Bund)

Erstellt: 07.09.2017, 18:42 Uhr

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