«Uns interessieren Ihre Hobbys»

Vor sieben Jahren bereits ist das «Burgdorfer Tagblatt» ins journalistische Koma gefallen. Nun hat es die Medienwelt verlassen.

Die verblichene Zeitung, das «Burgdorfer Tagblatt».

Die verblichene Zeitung, das «Burgdorfer Tagblatt». Bild: zvg

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Der gestrige Mittwoch war für Burgdorf ein historischer Tag. Aber kaum jemand dürfte ihn als das wahrgenommen haben. Schliesslich war es ein ganz stiller Abschied, der vonstattenging: Der Zeitungstitel «Burgdorfer Tagblatt» hat aufgehört zu existieren.

Erwähnenswert ist das, weil das «Burgdorfer Tagblatt» eine der ältesten Zeitungen des Kantons Bern war. Gegründet worden war sie 1831 als Kampfblatt der Liberalen. Initianten waren die Brüder Schnell in Burgdorf. Zunächst erschien sie als «Berner Volksfreund», erst ab 1911 als «Burgdorfer Tagblatt». Obschon die Zeitung nie in der Hauptstadt herausgegeben wurde, «hat sie in der Zeit des Durchbruchs der Demokratie tatsächlich bernische Geschichte geschrieben»: So steht es im Buch «Sturm und Drang» des ehemaligen «Bund»-Chefredaktors Paul Schaffroth, der darin die Anfänge der stadtbernischen Presse beschrieb. «Der Volksfreund» sollte, so lautete sein Anspruch, all jenen als «Sprechsaal» dienen, «die Wahrheit suchen und Wahrheit verbreiten wollen».

Der Schriftzug als Hülle

Untergegangen ist das «Burgdorfer Tagblatt» allerdings bereits 2004. Schon damals – nach über zehn Jahren an der Herz-Lungen-Maschine der Espace Media AG, der Herausgeberin von «Berner Zeitung» und «Bund» – gab es keine Rettung mehr.

Übrig geblieben ist allein der traditionsreiche Schriftzug. Er wurde von der Burgdorfer Tagblatt AG ab 2005 an die Lokalmedien Verlag AG verpachtet. Diese gibt Gratiszeitungen heraus. Fortan sollte die «Aemme Zytig» in Burgdorf und Oberburg unter dem Titel «Burgdorfer Tagblatt» erscheinen.

Verlagsleiterin Rita Brodmann sprach davon, die Berichterstattung aus Burgdorf zu verstärken. Bereits damals habe man «schweren Herzens Abschied genommen von einer lieb gewonnenen Tradition», sagte Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch gestern auf Anfrage. Dass im Laufe der Zeit auch der Titel verschwinden würde, sei zu erwarten gewesen. Sieben Jahre lang schmückte er schliesslich eine Gratiszeitung. Anfang 2012 aber sind die drei Brodmann-Blätter «Aemme Zytig», «Grauholzpost» und «Burgdorfer Tagblatt» zu «My Zytig» zusammengefasst worden.

Die Berichterstattung hatte kein Gewicht mehr

Der traditionsreiche Schriftzug erschien seither nur noch auf einer kleinen Fläche im Zeitungskopf. «Uns interessieren Ihre Hobbys, wie Sie wohnen, wohin Sie verreisen», liess die Verlegerin die Leser in der ersten Ausgabe wissen. Nun war es nicht mehr zu übersehen: Die Berichterstattung über Burgdorf hatte kein Gewicht mehr. Das wiederum passte der Burgdorfer Tagblatt AG nicht. Die beiden Verlage haben sich deshalb geeinigt, die Zusammenarbeit aufzuheben, wie sie gemeinsam mitteilten.

Rita Brodmann hat bereits reagiert. Die «My Zytig»-Ausgabe von gestern erschien erstmals ohne den uralten Schriftzug – dieser ist somit aus der Medienwelt verschwunden. Ob er je wieder einmal belebt wird, etwa im Internet, weiss niemand. Denkbar wäre es aber schon, hiess es gestern bei der Tagblatt AG. (Der Bund)

Erstellt: 29.03.2012, 09:23 Uhr

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