Umstrittener Nutzen des Flughafen Belpmoos

Der Berner Regionalflughafen will wachsen und dafür 18 Millionen Franken investieren. Die Berner Regierung möchte ihn finanziell unterstützen. Für die Grünen ist das «völlig schräg».

Der Flughafen sei wichtig, sagen Mathias Gantenbein, Beat Brechbühl und Regierungsrat Christoph Ammann.

Der Flughafen sei wichtig, sagen Mathias Gantenbein, Beat Brechbühl und Regierungsrat Christoph Ammann. Bild: Raphael Moser

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Nach einem turbulentem Herbst inklusive Grounding der Berner Airline Skyworks, weht jetzt wieder ein etwas optimistischer Wind auf dem Belpmoos. Tatsächlich planen die Betreiber des Berner Regionalflughafens seinen Ausbau: Für insgesamt 18 Millionen Franken wollen sie Hangars bauen, ein «Business Aviation Center» erstellen und sogar Lärm reduzieren.

Unterstützt wird die Flughafen Belp AG dabei vom Berner Regierungsrat. Auch mit Steuergeldern: Die Kantonsregierung beantragt dem grossen Rat, den Ausbau der Infrastruktur mit zwei Millionen Franken zu unterstützen. Begründet wird die Subventionierung mit dem wirtschaftlichen Nutzen des Flughafens und dessen «wichtiger Funktion für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Kanton Bern», wie die Regierung mitteilt. Wie gross dieser Nutzen aber tatsächlich zu beziffern ist – da gehen die Meinungen auseinander.

Was bringt der Flughafen?

Eine erste Zahl ins Spiel bringt Brechbühl. Auf «200-300 Millionen» schätzt er den volkswirtschaftlichen Nutzen von «BRN». Dies hätten «mehrere Studien» belegt, so der Verwaltungsratspräsident auf Anfrage. Brechbühl ist überzeugt: Vom Flughafen würden viele profitieren: Zulieferer ebenso wie internationale Unternehmen, deren Mitarbeiter dank des Flughafens Zeit und Geld sparten. Zudem sei die Nähe zu einem Flughafen ein Standortvorteil.

Auch für Volkswirtschaftsdirektor Christoph Amman (SP) ist der wirtschaftliche Nutzen des Flughafens für den Kanton «unbestritten», wie er auf Anfrage mitteilt. Als Beleg verweist er auf eine 2011 verfasste Studie zur Wertschöpfung regionaler Flughäfen, verfasst vom INFRA-Institut für nachhaltige Entwicklung. Diese schätzte die gesamte Wertschöpfung des Berner Flughafens auf über 170 Millionen Franken. Die vom Kanton zitierte Studie findet sich auch auf der Internetseite von Bern Airport. Es ist die einzige zum Thema.

Erwartungsgemäss wenig Freude an einem Flughafen-Ausbau haben die Grünen. Sie waren dann auch die ersten, welche in einer Mitteilung die Subventionierung des Kantons in die Flughafeninfrastruktur scharf kritisierten. Als «völlig schräg» bezeichnet Jan Remund, Co-Präsident der Grünen Bern das Vorgehen der Kantonsregierung im Hinblick auf die Klimapolitik. Den volkswirtschaftlichen Nutzen kann Remund nicht sehen: «Es werden vor allem Charter- und Privatflüge gefördert, das bringt der Berner Volkswirtschaft nicht viel». Und auch Remund kann Studien zitieren. Seine ist von 2014 und von der UNO. Die Kernaussage: Flughäfen rentieren erst ab einer Million Passagiere. Das wären rund fünf Mal mehr als in Bern. Remunds Fazit: «Bern ist einfach zu stolz, um auf seinen Flughafen zu verzichten.»

Braucht Bern den Flughafen Belpmoos? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»:

Für Stefan Eiselin, Aviatik-Experte und Gründer des Fachmagazins «Aerotelegraph» ist es letztlich um eine politische Frage: «Will man in Bern einen Flughafen oder nein?» Falls ja, so müsse man auch dafür sorgen, dass er gut funktioniere und dazu gehören auch Investitionen in die Infrastruktur. Wenn der Flughafen in Zukunft einfacher und besser angeflogen werden könne, sei es «jedenfalls denkbar, dass dies auch der Berner Volkswirtschaft zu Gute kommt», sagt Eiselin. Für die Privat- und Charterflüge habe Bern als Bundesstadt durchaus Potenzial. Heute könnten kleinere Flugzeuge Zürich wegen Überlastung nur zu Randzeiten anfliegen. Bern könne künftig vermehrt diese Nische besetzen, sagt Eiselin. (Der Bund)

Erstellt: 23.01.2018, 06:29 Uhr

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