Tierschützer zeigen Blausee AG an

Der Berner Tierschutz ortete beim traditionellen Ausfischen am Blausee Fischquälerei und hat die Organisatoren angezeigt.

Laienfischer am Blausee geben Tierschützern ein Grund zur Klage.

Laienfischer am Blausee geben Tierschützern ein Grund zur Klage. Bild: Adrian Moser

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Die Blausee AG hat zum jährlichen Ausfischen geladen und sich dabei eine Anzeige an Land gezogen. Der Vorwurf: Inkaufnahme von Tierquälerei. Die Anzeige eingereicht hat der Dachverband Berner Tierschutzorganisationen (DBT). Rolf Frischknecht ist dessen Präsident und war am 23. Oktober beim Ausfischen vor Ort. Der freiwillige Fischereiaufseher des Kantons Bern kann auf 50 Jahre Angelerfahrung zurückblicken. Doch was er am Blausee in der Gemeinde Kandergrund beobachtete, löste beim Tierarzt Entsetzen aus. «So etwas habe ich noch nie gesehen.» Die Hälfte der anwesenden Fischer hätte ihren Fang klar gesetzeswidrig behandelt. Anstatt die Tiere sofort zu betäuben, wie es das Tierschutzgesetz vorsieht, sei an ihnen mit Zangen «herumoperiert» oder seien sie für Fotos am Haken zappelnd herumgezeigt worden. Für Frischknecht ist klar: «Wer nichts vom Fischen versteht, sollte es sein lassen.»

Fachkenntnisse gehörten tatsächlich nicht zu den Voraussetzungen, um am Ausfischen teilzunehmen. Die Organisatoren köderten die Gäste sogar damit, dass kein Fischerpatent vonnöten ist, um eine Forelle aus dem Blausee zu ziehen. Das ist laut Frischknecht erlaubt, solange die Gäste über die Tierschutzstandards informiert und ausreichend betreut werden. «Das geschah auch, aber zu inkonsequent», sagt Frischknecht. Es sei zwar ein Merkblatt abgegeben worden und zwei Aufseher seien vor Ort gewesen. Diese hätten aber bei keinem der «klaren Verstösse» eingegriffen.

Ein Video zeigt, wie versucht wird, einer Forelle ohne Betäubung den Haken herauszuziehen:

Quelle: DBT

Für Frischknecht steht mit seiner Anzeige nicht die Bestrafung der Blausee AG im Vordergrund. «Wir wollen einfach verhindern, dass so etwas jemals wieder vorkommt.» Daher strebt man, wie auch der Fischereiverband, ein Sachkundenachweis für alle Fischer an.

Seit Jahren in der Kritik

Die Laienfischerei am Blausee ist Tierschützern schon lange ein Dorn im Auge. In den 1990er-Jahren fanden dort sogenannte Familienfischen statt. Der Schweizer Tierschutz schreibt über die Anlässe in einem Bericht von 2015: «Fische wurden alles andere als tierschutzkonform behandelt. (...) Kleinkinder versuchten sich beim Totschlagen von Fischen.» Die Zoologin Sara Wehrli hat an diesem Bericht mitgearbeitet. «Anscheinend hat sich die Situation seit damals nicht gross verändert.»

Die Informations- und Aufsichtsbemühungen der Veranstalter bezeichnet sie als «blosse Alibi-Übung». Zwar will sie der Blausee AG nicht unterstellen, dass ihr der Tierschutz egal ist, doch «ihr aktuelles Verhalten lässt darauf schliessen, dass sie Tierquälerei in Kauf nimmt».

«Stellen Ausfischen infrage»

Mit den Tierschutzvorwürfen konfrontiert, gibt sich die Blausee AG pflichtbewusst. «Wir sind uns der Vorschriften des Tierschutzgesetzes voll und ganz bewusst», schreibt Verwaltungsratspräsident Stefan Linder in einer Stellungnahme. Dass es offenbar zu Zuwiderhandlungen gekommen ist, tue ihnen leid, heisst es weiter. «Offenbar ist dies anwesenden Aufsehern entgangen.»

Stefan Linder hat 2014 zusammen mit André Lüthi, CEO der Globetrotter Group, und Philipp Hildebrand, ehemaliger Nationalbank-Präsident, die Mehrheit der Blausee-Aktien übernommen. Sie seien sich der Problematik des Ausfischens bewusst und «stellen das beliebte Ausfischen, welches seit Jahrzehnten durchgeführt wird, in dieser Form grundsätzlich infrage». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2017, 16:56 Uhr

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