Thomas Iten neuer Ostermundiger Gemeindepräsident

Bei der Wahl um das Ostermundiger Gemeindepräsidium geht der parteilose Thomas Iten als Sieger hervor. SVP-Kandidatin Aliki Panayides muss sich mit ihrem Gemeinderatssitz zufrieden geben.

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Erstmals in ihrer 30-jährigen Geschichte wird die Gemeinde Ostermundigen von einem Parteilosen geführt: Beim gestrigen zweiten Wahlgang setzte sich Thomas Iten knapp gegen SVP-Gemeinderätin Aliki Panayides durch. Iten erhielt 1947 Stimmen (51,4 Prozent), Panayides kamen 1840 Stimmen (48,6 Prozent) zu. Die Stimmbeteiligung war mit 39,1 Prozent höher als noch am 25. November, als nur 34,1 Prozent der Stimmberechtigten für die Wahl des Gemeindepräsidiums an die Urne gingen.

Aus dem ersten Wahlgang war Panayides noch als Siegerin hervorgegangen: Sie erhielt 1260 Stimmen, Iten 1193, SP-Kandidat Norbert Riesen landete mit 876 Stimmen abgeschlagen auf dem dritten Rang. Riesen erklärte noch am selben Abend seinen Verzicht.

SP-Austritt für Kandidatur

Die entscheidende Frage im Hinblick auf den zweiten Wahlgang war gewesen: Wie wird sich die SP-Wählerschaft verhalten? Die SVP und die offizielle FDP stellten sich wie im ersten Wahlgang hinter Panayides, die restlichen Parteien - mit Ausnahme der SP - sicherten Iten ihre Unterstützung zu. Die SP hatte Stimmfreigabe beschlossen. Dieser Entscheid erstaunte nicht, war doch ein Teil der Partei nicht mehr gut auf den ehemaligen SP-Gemeinderat Iten zu sprechen. Als dieser kurz vor Meldeschluss seine Sprengkandidatur ankündigte, teilte er auch gleich seinen sofortigen Austritt aus der SP mit. Dies, weil sich seine ehemalige Partei mit Norbert Riesen bereits für einen Kandidaten entschieden hatte.

Durch diesen Schritt wurde viel Geschirr zerschlagen, einige SP-Exponenten sagten sogar öffentlich, in der Stichwahl Panayides unterstützen zu wollen. Aufgrund des gestrigen Resultats darf davon ausgegangen werden, dass gut die Hälfte der Stimmen von Riesen an die SVP-Kandidatin gingen.

«Mehr Dynamik»

Er könne seinen Sieg noch gar nicht richtig fassen, sagte der sichtlich erfreute Thomas Iten nach der Verkündung des Resultats im Tell. Er brauche wohl noch zwei, drei Tage, bis er begreife, was er geschafft habe. Denn obwohl er als Favorit gehandelt worden sei, habe er sich bis zum Schluss nicht sicher fühlen können. Das vergleichsweise knappe Resultat bestätige sein Gefühl. Als Gemeindepräsident werde er in den nächsten vier Jahren sicher nicht alles umkrempeln. Aber er werde versuchen, «mehr Dynamik» in die Gemeinde zu bringen.

Themen, die ihn und den ganzen Gemeinderat beschäftigen würden, seien das Tram Region Bern, die Entwicklung des Bären-Areals und natürlich die Finanzen. Angesprochen auf sein ambitioniertes Wahlprogramm, sagte er, dass er sicher nicht alles «von heute auf morgen» umsetzen könne.

Iten schrieb SP einen Brief

Es sei ihm bewusst, dass es für ihn nicht nur einfach werde. Gerade vonseiten seiner ehemaligen Parteikolleginnen und -kollegen muss der 38-Jährige mit gewissem Widerstand rechnen. Um die Wogen wieder zu glätten, habe er nach dem ersten Wahlgang einen Brief an alle SP-Mitglieder geschickt. Er habe darauf viele positive Reaktionen erhalten. «Ich habe die Hand ausgestreckt, und sie ist auch angenommen worden.»

SVP-Kandidatin Aliki Panayides nahm die Niederlage sportlich. Sie sei zwar enttäuscht, dass es so knapp nicht gereicht habe. Dennoch dürfe sie mit ihrem Resultat zufrieden sein: «Es ist uns ein Achtungserfolg gelungen.» Sie bereue es nicht, kandidiert zu haben. Es sei eine spannende und intensive Zeit gewesen, in der sie viel gelernt habe. Sie werde sich weiterhin mit viel Herzblut auf ihre Arbeit im Gemeinderat konzentrieren, so wie sie das in den letzten vier Jahren bereits gemacht habe. Ob sie in vier Jahren wieder für das Gemeindepräsidium kandidieren werde, könne sie jetzt noch nicht sagen.

Thomann nicht im Gemeinderat

Weil Iten nur für das Gemeindepräsidium, nicht aber für den Gemeinderat kandidierte, war klar, dass bei seiner Wahl jemand über die Klinge springen muss. Getroffen hat es SP-Gemeinderat Andreas Thomann, der auf der Liste SP/Grüne, die das Restmandat erhielt, das schlechteste Resultat erzielte. Er sei sehr traurig und enttäuscht, dass er seine Arbeit nicht weiterführen könne. Nicht nur für ihn selber sei dies ein harter Schlag, sondern auch für seine Partei. Das Groteske an dieser Geschichte: Thomann war erst im Februar dieses Jahres in den Gemeinderat nachgerückt - für Thomas Iten, der wegen einer neuen Kaderstelle bei der BLS aus der Exekutive zurücktrat.

Der Gemeinderat, der von neun auf sieben Mitglieder verkleinert wurde, setzt sich nun aus folgenden Personen zusammen: Thomas Iten (parteilos/Gemeindepräsident), Regula Unteregger (SP), Ursula Lüthy (Grüne), Aliki Panayides (SVP), Erich Blaser (SVP), Henrik Schoop (FDP) und Synes Ernst (CVP). Wer welches Dossier übernimmt, wird am Dienstagabend entschieden. (Der Bund)

Erstellt: 16.12.2012, 15:12 Uhr

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