Strandboden: Heimatschutz mit Beschwerde abgeblitzt

Das Verwaltungsgericht hat am Mittwoch eine Beschwerde des Heimatschutzes gegen die Sanierung des Gymnasiums Strandboden Biel abgewiesen.

Das Gymnasium am Ufer des Bielersees.

Das Gymnasium am Ufer des Bielersees.

(Bild: Adrian Moser)

Ein Baudenkmal ist nur dann ein Baudenkmal, wenn es auch im Bauinventar als solches eingetragen ist. Das hat das kantonale Verwaltungsgericht festgehalten und deshalb eine Beschwerde des Heimatschutzes gegen die Sanierung des Gymnasiums Strandboden Biel abgewiesen.

Die verwaltungsrechtliche Abteilung bestätigte damit einen Entscheid der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) von vergangenem Jahr. Diese stützte damals die vom Bieler Statthalteramt ausgesprochene Baubewilligung. Der Entscheid in der öffentlichen Sitzung fiel klar aus: Alle fünf Verwaltungsrichter bezeichneten die Beschwerde als unbegründet.

Ob nun der Kanton Bern nach vielen Jahren der Planung und des politischen Geplänkels das Seeland-Gymnasium und das Gymnase Français am Ufer des Bielersees erweitern und sanieren kann, ist aber noch nicht sicher. Das Urteil des Verwaltungsgerichts kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Und vor Bundesgericht hängig ist noch eine Beschwerde einer Privatperson gegen die finanzielle Aufteilung des Projekts in Sanierung und Erweiterung. Die Kantonsregierung legte Anfang Januar dem bernischen Grossen Rat nur den Kredit für den geplanten Erweiterungsneubau (29,8 Millionen Franken) zur Genehmigung vor.

Den Kredit für die Sanierung der Liegenschaft (53 Millionen) hatte die Regierung zuvor in eigener Kompetenz als sogenannte gebundene Ausgabe genehmigt.

Im Winter zu kalt, im Sommer ein Backofen

Der Berner und der Schweizer Heimatschutz bekämpfen das Projekt, weil sie der Meinung sind, die vom Kanton Bern vorgesehene Sanierung zerstöre den Charakter eines Baudenkmals von nationaler Bedeutung. Die BVE plant nämlich, die Fassaden vollständig zu erneuern.

Das Problem an den Gebäuden ist, dass die Temperaturen im Innern viel zu tief und im Sommer viel zu hoch sind. Die energetische Sanierung sei dringend, findet der Kanton. Er will die Gebäude auch gegen Erdbeben absichern und den Schallschutz verbessern.

Im Bieler Bauinventar sind die 1982 fertiggestellten Gebäude des Bieler Architekten Max Schlup aber weder als schützenswert noch als erhaltenswert eingetragen. Sie werden lediglich im Anhang als bemerkenswert erwähnt.

Für das Verwaltungsgericht war dieser Punkt entscheidend. Das Gesetz und seine Auslegung liessen keine andere Beurteilung zu, als dass nur die im eigentlichen Inventar eingetragenen Gebäude besonderen Schutz genössen, sagten die Richter.

Wenn das anders sein solle; wenn es quasi eine dritte Kategorie von Gebäuden im Bauinventar geben müsste, hätte das der Gesetzgeber zu regeln, lautete der Tenor, nicht ein Gericht.

So gab am Mittwoch unter den Richtern wesentlich mehr zu reden, ob der Kanton als öffentliches Gemeinwesen in diesem Fall offensichtlicher architektonischer Qualität als Bauherr nicht besondere Vorkehrungen hätte treffen müssen. Schliesslich sei der Kanton «nicht irgendein Bauherr», sagte Richter Peter Keller.

Keller fand zwar, die BVE habe in ihrem Entscheid vom vergangenen August diese erhöhte Sorfaltspflicht der öffentlichen Hand zu Unrecht verneint. Sie habe aber dennoch richtig entschieden, weil sie eine Interessenabwägung zwischen der energetischen Sanierung, den Bedürfnissen des Unterrichts und dem unveränderten Erhalt des Gebäudes vorgenommen habe.

Ein wichtiger Punkt für die Richter war in diesem Zusammenhang, dass die BVE bei der Sanierung den kantonalen Denkmalpfleger beizog und dieser Anfang 2010 das Projekt guthiess. So habe der Kanton eben gerade gezeigt, dass er nicht irgendein Bauherr sei, meinte Abteilungspräsident Thomas Müller.

Kanton will 2013 bauen

Sollte nun der Kanton auch vor Bundesgericht Recht erhalten, will er im kommenden Jahr auf dem Bieler Strandboden als erstes einen Neubau im Minergie-P-Eco-Standard erstellen. Das schrieb die BVE im letzten Herbst in einer Mitteilung. Wenn dieser gebaut ist, werden die bestehenden Gebäude für 1200 Schüler saniert.

rym/sda

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