Showdown in Belp zwischen SP und SVP

Der Kampf ums Gemeindepräsidium entscheidet sich in einer Stichwahl.

Stefan Neuenschwander (links) und Benjamin Marti bestreiten die Stichwahl.

Stefan Neuenschwander (links) und Benjamin Marti bestreiten die Stichwahl.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Adrian Schmid@adschmid

Der neue Gemeindepräsident von Belp heisst entweder Benjamin Marti (SVP) oder Stefan Neuenschwander (SP). Sie qualifizierten sich für die Stichwahl vom 23. Oktober. Es kommt somit zu einem klassischen Links-rechts-Duell. Dies widerspiegelt auch die Verhältnisse in Belp. SVP und SP sind mit Abstand die stärksten Kräfte.

Bei den Gemeinderatswahlen steigerten beide Parteien ihre Wähleranteile. Ein Drittel der Belperinnen und Belper wählte SVP, ein Viertel SP (vgl. Text unten). Eine Stichwahl gibt es, weil im ersten Wahlgang niemand das absolute Mehr erreichte. Das Belper Reglement sieht für diesen Fall vor, dass die zwei Bestklassierten in die Entscheidungsrunde ziehen. Im ersten Durchgang holte Marti 1120 Stimmen, Neuenschwander 967. Stefan Oester (EDU) erreichte 689 Stimmen, Fabienne Bachmann (BDP) 404 und Susanne Grimm-Arnold (EVP) 152.

SVP «nicht auf Zürcher Linie»

Auf den ersten Blick ist Martis Vorsprung von 153 Stimmen gering. «Den Rückstand kann man aufholen», sagt Neuenschwander. Trotzdem bleibt Marti Favorit. Er dürfte einen Grossteil der EDU-Stimmen erhalten. Mit diesen wäre er selbst dann im Vorteil, wenn Neuenschwander die Stimmen der Kandidatinnen von BDP und EVP für sich beanspruchen könnte. Die BDP, die Wahlverliererin, liess es auf Anfrage offen, wen sie unterstützen wird. Gemäss SVP-Präsident Jan Griessen ist die Ausgangslage für Marti «sehr gut». Griessen geht nicht davon aus, dass es am Ende heissen wird: alle gegen die SVP. «Wir politisieren nicht auf der Zürcher Linie, sondern für das Dorf.»

Allerdings ist Marti in den letzten Tagen unter Druck geraten, weil er vor einigen Jahren einen Knaben geohrfeigt hatte und danach wegen mehrfach begangener Tätlichkeiten zu einer Busse verurteilt wurde. Dem Vernehmen nach will die Gegenseite dies nun in den Wahlkampf tragen.

Ein «starkes Stück» für die SP

Die Ausmarchung zwischen Marti und Neuenschwander ist auch ein Duell zweier Generationen. Marti ist 46 Jahre alt, Neuenschwander 31. Er ist der Sohn des amtierenden Gemeindepräsidenten Rudolf Neuenschwander (SP), der Ende Jahr zurücktreten wird. Gemäss SP-Präsidentin Kristin Arnold wäre es ein «starkes Stück», wenn sich Neuenschwander durchsetzte. Er wurde neu in den Gemeinderat gewählt – und übernähme gleich das Präsidium. Dass er noch keine Exekutiverfahrung mitbringt, empfindet Neuenschwander nicht als Nachteil: «Ich habe das Privileg, dass ich durch meinen Vater viel mitbekommen habe.»

Marti betont, dass er seit 2012 Gemeinderat sei und wurde in diesem Amt bestätigt. Zudem habe er als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Gürbe Führungserfahrung gesammelt. «Ich freue mich auf den 23. Oktober und werde Neuenschwander nicht unterschätzen.»

Vor zwölf Jahren hatte die SVP das Belper Gemeindepräsidium an die SP verloren. Der heutige SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus unterlag Rudolf Neuenschwander. Er trat die Nachfolge von Rudolf Joder an, der unterdessen Alt-SVP-Nationalrat ist.

Der Bund

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