Ostermundigens unsichere Zukunft ohne Tram

Die Politik befürchtet, dass der Gemeinde nun die Investoren abhandenkommen.

Ein Hochhaus auf dem Bären-Areal soll die Entwicklung Ostermunidgens vorantreiben.

Ein Hochhaus auf dem Bären-Areal soll die Entwicklung Ostermunidgens vorantreiben. Bild: Adrian Moser

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Knapp ein Monat nachdem das Tram Region Bern von der Ostermundiger Bevölkerung abgelehnt wurde, ist das Tram in der lokalen Politik noch immer das Thema schlechthin. So liess Rudolf Mahler (SP) in der Parlamentssitzung vom Donnerstagabend verlauten, dass dieses Nein bei vielen in seiner Partei «einen regelrechten Schock» ausgelöst habe. Auch Rahel Wagner von der EVP kann noch immer nicht fassen, dass «dieses gut ausgearbeitete Projekt» nicht realisiert wird. Eduard Rippstein (CVP) sprach von einer «verpassten Chance» für die Gemeinde.

Gemeinsam Lösungen suchen

Obwohl das negative Abstimmungsresultat noch längst nicht verdaut ist, wurde von verschiedener Seite betont, dass nun alle aufeinander zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen müssen. SP-Mann Mahler betonte, dass sich seine Partei dafür einsetzen werde, dass die 25 Millionen, die für das gesamte Tramprojekt ausgegeben wurden, nicht verloren sind. Und Tobias Weibel (FDP) plädierte dafür, die «positiven Aspekte» aus dem Tramprojekt zu ziehen, dabei aber nichts zu überstürzen.

Von Überstürzen kann indes keine Rede sein. Denn bevor der Gemeinderat Lösungsvorschläge präsentieren könne, müsse er zuerst eine Auslegeordnung machen, sagte die zuständige Gemeinde­rätin Regula Unteregger (SP). Und die Ausgangslage sei komplex. Mit dem Tram hätten Lösungen für die Bernstrasse, das Dreieck oder den Bahnhof bestanden, doch diese Grundlagen gälten nun nicht mehr. «Der Handlungsbedarf ist aber nach wie vor da.» Mit dem Wegfall der Bundes- und Kantonsgelder habe die Gemeinde aber nicht mehr dieselben Möglichkeiten. «Wenn wir nun etwas bestellen, dann müssen wir selber dafür aufkommen», sagte Unteregger.

Neben vielen Unsicherheiten ist für den Ostermundiger Gemeinderat aber eines ganz klar: «Wir wollen, dass das Bahnhof-Areal auch ohne Tram ein Entwicklungsschwerpunkt bleibt.»

Hochhaus ohne Tram geplant

Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass Investoren nach dem Nein zum Tram wohl kein Interesse mehr daran haben, ihr Geld in Ostermundigen zu investieren. Die Situation sei sicher nicht einfacher geworden, da ein wichtiger Multiplikator fehle, heisst es vonseiten des Gemeinderats. Doch dadurch will sich die Exekutive nicht verunsichern lassen. Sie plant gar, den ESP-Perimeter zu vergrössern. Dies, weil das geplante Bären-Hochhaus etwas ausserhalb des bestehenden Perimeters liegt. Und von der Planerin des Hochhauses, der Halter AG Entwicklungen, hat die Gemeinde positive Signale erhalten. Auch gegenüber dem «Bund» bekräftigten Planungsverantwortliche, das Hochhaus auch ohne Tram bauen zu wollen. So sei das Hochhaus unabhängig vom Tram konzipiert worden.

Erste spürbare Konsequenzen hat das Nein zum Tram für Ostermundigen bereits: Weil das Budget 2015 auf einer ­Annahme basiert, muss es überarbeitet werden und kommt daher erst später ins Parlament. (Der Bund)

Erstellt: 25.10.2014, 12:12 Uhr

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