Nervenflattern rund um SBB-Offerte und BLS-Pläne im Chliforst

Die mögliche gemeinsame Werkstätte von SBB und BLS gibt zu reden. Doch wo könnte diese überhaupt stehen? Ein Insider tippt auf Biel.

Hier sollte die künftige BLS-Werkstätte gebaut werden, aber es scheint wäre letzte Wort noch nicht gesprochen.

Hier sollte die künftige BLS-Werkstätte gebaut werden, aber es scheint wäre letzte Wort noch nicht gesprochen.

(Bild: Adrian Moser)

Christian Zellweger@@chzellweger

Muss die geplante BLS-Werkstätte Chliforst in Berns Westen gar nicht gebaut werden? Am Samstag hatte der «Bund» ein Angebot der SBB an die BLS bekannt gemacht, das diese Möglichkeit enthielt. Wo könnte denn überhaupt eine solche gemeinsame Werkstätte betrieben werden? Von der BLS ist mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen weiterhin nichts zu erfahren, die SBB bleiben vage: «Wo genau SBB-Anlagen im Falle einer Kooperation mit der BLS gemeinsam genutzt werden könnten, müsste mit der BLS geprüft werden», schreiben die SBB auf Anfrage.

Der aktuelle Kooperationsvorschlag ermögliche eine gemeinsame Nutzung von bestehender Instandhaltungsinfrastruktur der SBB, heisst es in der Antwort weiter.

Droht ein SBB-Monopol?

Zu diesem Vorschlag gehört, dass die BLS auf ihre Ansprüche auf den Betrieb der Linien nach Brig, Interlaken und Basel verzichtet und dafür die Interregio-Linien von Bern nach Olten, Biel und La Chaux-de-Fonds fahren würde. Kaspar Woker, Bahnexperte und Vize-Präsident von Pro Bahn Espace-Mittelland, kennt eine mögliche Erklärung für die Bedingungen der SBB: «Ich vermute, dass die SBB ihr Depot in Biel meinen», sagt er. Dort verrichten die SBB heute den leichten Unterhalt, den die BLS in der künftigen Werkstatt Chliforst für die ganze S-Bahn-Flotte ausführen will – und zwar an Zügen, die in den Jura verkehren.

«Damit wären wir einen Schritt näher am SBB-Monopol auf den Normalspur-Linien in der Schweiz.»Kaspar Woker

Das sind diejenigen Linien, die gemäss SBB-Deal von der BLS betrieben werden sollen. Das würde auch erklären, warum die SBB das Werkstätten-Angebot an das Linien-Angebot knüpfen: Nur wenn die BLS die Jura-Linien übernimmt, würden die Kapazitäten der SBB in der Werkstätte Biel für die BLS frei. In der Region Bern jedenfalls sieht Woker keine möglichen Kapazitäten bei den SBB. Falls die BLS also, wie von ihr vorgesehen, den Zuschlag für die Linien nach Brig oder Basel erhalten würde, hätten die SBB keine Standorte im Portfolio, die der BLS von Nutzen wären, sagt Woker.

Der Bahnexperte sieht im Standort Biel allerdings auch einen Nachteil: Bei allen Zufahrten von Osten her nach Bern sind die Kapazitäten knapp, die Verbindung zur Werkstätte wäre also nicht gewährleistet. «Das Angebot der SBB dürfte eine Karte im Verhandlungspoker sein», sagt Woker denn auch. Abgesehen davon: Gefährlich am vorgeschlagenen Deal finde er vor allem das geforderte Vorkaufsrecht für die BLS-Aktien. «Damit wären wir einen Schritt näher am SBB-Monopol auf den Normalspur-Linien in der Schweiz.»

Hoffnung und Ärger in der Politik

Während Woker vor einem Monopol warnt, spricht Markus Kämpfer, Gemeindepräsident von Frauenkappelen und damit Vertreter der Anrainer der geplanten Werkstätte im Chliforst, von einem «künstlichen Wettbewerb». Für ihn sei durch das Angebot der SBB faktisch bewiesen, dass es ohne diese Werkstätte gehen würde. Zu den Bedingungen, welche die SBB stellen, will sich Kämpfer nicht äussern. «Jetzt müssen Bund und Kanton die Rahmenbedingungen so setzen, dass sich die Bahnunternehmen einigen können», sagt er. Verkehrspolitik und Raumplanung dürften sich nicht in die Quere kommen.

Andere hingegen machen ihrem Ärger über die SBB Luft, etwa die BDP-Grossrätin und Fraktionschefin Anita Luginbühl: Sie hat eine Interpellation verfasst, in der sie vom Regierungsrat wissen will, ob dieser bereit sei, das «Multipaketangebot der SBB als unhaltbar zurückzuweisen». Sie störe sich an der Verknüpfung von Dingen, die nicht zusammengehörten, sagt Luginbühl auf Anfrage. Die SBB übten grossen Druck auf die «kleine» BLS aus, nach dem Motto: «Wenn ihr uns nicht ins Streckennetz pfuscht, bieten wir euch eine Werkstätte.» Der Regierungsrat hat sich zum brisanten Deal noch nicht geäussert.

Der Bund

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