Nachhaltiger
 Tourismus 
geht anders

Die Stimmbürger von Grindelwald haben das Millionenprojekt V-Bahn genehmigt. Ein Ausbau in diesem Gebiet ist legitim – doch profitieren längst nicht alle.

Das Jungfraujoch soll besser für den Tourismus erschlossen werden. (Archiv)

Das Jungfraujoch soll besser für den Tourismus erschlossen werden. (Archiv) Bild: Franziska Scheidegger

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Die Jungfraubahnen haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bei den jährlichen Besucherzahlen auf dem Jungfraujoch im Jahr 2020 die Millionenmarke zu knacken. Dafür wollen sie 200 Millionen in neue Bergbahnen investieren. Aus unternehmerischer Sicht ist das nachvollziehbar. Kein anderes Schweizer Bergbahnunternehmen bearbeitet den asiatischen Markt so erfolgreich.

Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass im Berner Oberland grossflächig neue Gebiete mit Bergbahnen erschlossen werden. Deshalb besteht der einzige Spielraum darin, bestehende Tourismusgebiete zu modernisieren. So gesehen ist ein Ausbau im stark überbauten Jungfraugebiet legitim, im Gegensatz zu einer Neuerschliessung des Eigers oder des Wildstrubels – wie dies Pionieren vorschwebte.

Der Mehrheit der Grindelwalder Bevölkerung bringt das Projekt aber nichts. Denn um die längerfristige wirtschaftliche Basis eines Bergdorfes zu erhalten, braucht es einen nachhaltigen Tourismus. Die weit gereisten Touristenmassen haben nach dem Ausflug auf das Jungfraujoch keine Zeit, in Grindelwald einen Kaffee zu trinken, geschweige denn zu übernachten. Auch Souvenirs aus dem Gletscherdorf werden sie kaum nach Hause bringen – seit diesem Sommer verkauft Lindt & Sprüngli Pralinés auf 3454 Meter über Meer. Ein nachhaltiger Tourismus brächte hingegen eine breite Wertschöpfung ins Dorf.

Einen Warnruf hatte die Bergschaft Wärgistal ausgesendet, indem sie den Jungfraubahnen das Überfahrtsrecht verweigern wollte. Die Bergschaft verwaltet mit ihren seit Jahrhunderten verbrieften Rechten die Relikte aus der Agrargesellschaft – eine Gesellschaft, die gezwungen war, im Gleichgewicht mit ihrer Umgebung zu leben.

Anders als die Bergschaft hat die Gemeindeversammlung dem Projekt klar zugestimmt. Wohl auch, weil sie nicht auf den Ersatz der traditionellen Männlichenbahn, das neue Parkhaus und den neuen ÖV-Knotenpunkt verzichten will. Einen Beitrag zu einem zukunftsgerichteten Tourismus hat sie damit aber nicht geleistet. (Der Bund)

Erstellt: 25.10.2014, 10:14 Uhr

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