Nach Kinderporno-Verdacht in Tagesfamilie: «Köniz schaut hin»

Die Gemeinde Köniz ergreift Massnahmen, um Kinder und Jugendliche in Kitas und Tagesfamilien besser zu schützen.

Die Gemeinde Köniz will Kinder und Jugendliche besser gegen Missbrauch schützen.

Die Gemeinde Köniz will Kinder und Jugendliche besser gegen Missbrauch schützen. Bild: Keystone

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In Köniz müssen Kita-Mitarbeiter und Tageseltern künftig alle zwei Jahre einen Strafregisterauszug vorweisen. Das hat der Trägerverein kibe beschlossen, der damit auf einen Kinderporno-Verdachtsfall in einer Könizer Tagesfamilie reagiert.

Der Fall war im März publik geworden. Beim Ehemann einer Tagesmutter hatten Ermittler im Rahmen einer Hausdurchsuchung verdächtiges Material sichergestellt. Ob es sich tatsächlich um Kinderpornografie handelt, ist noch nicht bekannt, wie Gemeinderat Thomas Brönnimann am Montag vor den Medien sagte.

Die Tagesfamilie verlor jedenfalls die Erlaubnis, fremde Kinder zu betreuen. Die Ermittlungen der Untersuchungsbehörden dauern an. Der Verein Kinderbetreuung Region Köniz (kibe) geriet seinerseits in die Kritik, weil der Ehemann bereits einschlägig vorbestraft gewesen sein soll.

Strafregisterauszug ist Pflicht

Ab diesem Sommer gilt nun in Tagesfamilien und Kindertagesstätten, was zum Beispiel in Stadtberner Kitas schon 2006 eingeführt wurde: Wer älter ist als 18 Jahre, muss einen Strafregisterauszug vorweisen. Mit dem Zweijahres-Rhythmus geht Köniz weiter als Bern. Bei Tagesfamilien sind alle Familienmitglieder betroffen, die über 18 Jahre alt sind. Ein Eintrag im Strafregister bedeutet nicht automatisch ein «Berufsverbot». Vielmehr sei es dann an den zuständigen Organen, den Einzelfall zu prüfen, sagte Brönnimann.

Ist jemand beispielsweise wegen Kinderpornografie vorbestraft, wird der Job ausser Betracht fallen. Die Verantwortlichen können aber auch zum Schluss kommen, dass ein lange zurückliegendes «sachfremdes» Delikt die Kinderbetreuung nicht verunmöglicht.

Die Kita-Mitarbeiter und Tageseltern müssen neu noch eine zweite Bedingung erfüllen: Sie müssen mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie ein Dokument mit Verhaltensregeln und Massnahmen zur Prävention sexueller Übergriffe gelesen haben.

«Köniz schaut hin»

Die Gemeinde Köniz nahm die Medienkonferenz zum Anlass, um ihr bereits 2013 lanciertes Projekt «Köniz schaut hin» vorzustellen. Das Projekt soll dieses Jahr an den Schulen und ab 2015 auch an den Musikschulen und in den Sport- und Jugendvereinen umgesetzt werden.

In einem ersten Schritt liegt der Schwerpunkt auch hier bei der Prävention von sexuellen Übergriffen. «Köniz schaut hin» stützt sich dabei im Wesentlichen auf ein entsprechendes Aktionsprogramm von Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports.

Ethische Grundsätze

Mit Hilfe von acht Massnahmen sollen sexuelle Übergriffe rechtzeitig erkannt und nach Möglichkeit verhindert werden. So wurde eine «Ethik Charta» verfasst, die ethische Grundsätze zum Wohl von Kindern und Jugendlichen festlegt. An zwei Bildungstagen im September sollen sich sämtliche Lehrer, Schulsozialarbeiter und Jugendarbeiter mit der Thematik befassen.

Vorgesehen sind auch ein Interventionskonzept sowie Merkblätter für Eltern und Kinder. Für Dritt- und Viertklässler gibt es zudem das Schulprojekt «Mein Körper gehört mir». Die Umsetzung aller Massnahmen soll bis im Sommer 2016 abgeschlossen sein. (mer/sda)

Erstellt: 12.05.2014, 12:40 Uhr

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