Mit Zylinder und E-Mail lobbyieren

Der Kaminfegermeister und SVP-Parlamentarier Heinz Nacht will die Ortsplanungsrevision vorantreiben. Da er als Parlamentspräsident nicht mitdiskutieren darf, will er den Kontakt zu den Parlamentariern informell suchen.

Kaminfeger und Könizer Parlamentspräsident Heinz Nacht zuhause auf seinem Balkon. Bild: Franziska Rothenbühler

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Bei der Wahl zum Könizer Parlamentspräsidenten gestern Abend trug Heinz Nacht (SVP) Frack und Zylinder. Den Zylinder trägt er als Kaminfegermeister oft. Zumindest für Fototermine – «zum Arbeiten ist er unpraktisch». Den Frack trage er seit seiner Hochzeit vor bald 28 Jahren zum zweiten Mal. Damit unterstreicht er die Bedeutung, die das Amt des höchsten Könizer für ihn hat.

Am Morgen vor der Wahl hatte er noch einen «Höllenbammel», wie Nacht sagt. Das Amt sei eine Herausforderung. Doch er tue gerne, was ihn herausfordere. Zum letzten Mal in diesem Jahr durfte Nacht ans Rednerpult des Parlaments treten. Danach hatte er bereits die Sitzung zu moderieren. Obwohl er als Zahlen- und Technik-Mensch kein guter Redner sei, werde es ihm schwerfallen, bei den Diskussionen im Parlament nicht mitzureden, sagt er.

Politisieren will Nacht trotzdem, wenn auch informell. Er hat sich vorgenommen, die verschiedenen Kommissionssitzungen ohne Stimmrecht zu besuchen. Es sei einfacher, das Parlament zu führen, wenn man den Hintergrund der Diskussionen kenne. Zudem bleibt Nacht so mit den Kommissionsmitgliedern in Kontakt und ist im E-Mail-Verteiler. «E-Mail ist in Köniz, was die Wandelhalle im Bundeshaus ist», sagt er.

Grosser Brocken Ortsplanung

Nach den Wahlen im letzten Herbst müssen sich Gemeinderat und Parlament neu finden. Dem will Parlamentspräsident Nacht Rechnung tragen: «Man muss ihnen Zeit und Chancen geben», sagt er. Immerhin seien vier der Gemeinderäte neu im Amt, und der fünfte stehe einer neuen Direktion vor. Dann werden die ersten vier Monate des Parlamentsbetriebs eher gemächlich verlaufen? «Nein, das geht nicht», sagt Nacht entschieden. «Es stehen ein paar grosse Brocken an.» Der grösste sei die Ortsplanungsrevision. Sie soll noch in diesem Herbst dem Volk vorgelegt werden. Denn Köniz brauche die neue Ortsplanung. «Die Frage ist bloss, ob sie am Schluss noch Zähne hat», sagt Nacht.

Im Frühling letzten Jahres haben sich die Bauern der Gemeinde mit 160 Einsprachen und 1000 Unterschriften gegen die Revision gewehrt. In der Folge hat der Gemeinderat den anfänglich geplanten Natur- und Landschaftsschutz stark gelockert. Doch die Einspracheverhandlungen mit den Bauern sind noch nicht abgeschlossen. Bevor das nicht geschehen ist, kann das Parlament die Ortsplanungsrevision nicht verabschieden.

Lieber Metro als Tramschienen

Ortsplanung liegt Nacht am Herzen, deshalb habe er das Tram bekämpft. «Ich wollte nicht, dass Schliern mit Köniz zusammenwächst.» Das würde seiner Ansicht nach aber geschehen, wenn ein Tram von Bern bis Schliern führte. Zudem mag Nacht als leidenschaftlicher Velofahrer – «wenn nötig fahre ich in 24 Stunden ans Meer» – Tramschienen überhaupt nicht. Viel lieber hätte Nacht eine Metro im Dreiminutentakt vom Bahnhof Bern nach Köniz. «Das wollen wir im Parlament alle», sagt er. Nur die Stadt und der Kanton müssten noch von der Idee überzeugt werden.

Nacht ist allerdings klar, dass er die Metro Bern–Köniz kaum mehr in seiner verbleibenden Amtszeit erleben wird. «Vielleicht erleben es erst unsere Enkel», sagt er. Nacht befindet sich in der dritten und letzten Legislatur. Vielleicht wird er diese nicht einmal beenden. «Meine Frau und ich planen eine längere Reise nach Australien.» Die beiden Kinder sind erwachsen, und der Sohn kann schon bald das Kaminfegerunternehmen in der siebten Generation übernehmen. Der Politik wird Heinz Nacht dann zumindest vorübergehend den Rücken kehren. Gerade für einen selbstständigen Unternehmer sei die Arbeit im Milizparlament aufwendig und zeitintensiv.

Vater war Stadtrat

Trotzdem sei Politik schon lange ein Thema. Nachts Vater war Berner Stadtrat. «Wir haben viel diskutiert.» Nur habe er lange keine passende Partei gefunden, sagt Nacht. Vor acht Jahren sei er von der Könizer SVP als Listenfüller angefragt und sogleich gewählt worden. Vom gleichnamigen ehemaligen Präsident der Könizer Freiheitspartei distanziert sich Heinz Nacht entschieden. (Der Bund)

Erstellt: 13.01.2018, 08:27 Uhr

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