Mentha verzichtet auf die Wiederwahl

Der Könizer Gemeindepräsident Luc Mentha (SP) hat gestern überraschend bekannt gegeben, dass er nächstes Jahr auf die praktisch sichere Wiederwahl verzichten will: Er tritt auf Ende der Legislatur zurück.

Manchmal kurzärmlig, aber nie hemdsärmlig: Luc Mentha.

Manchmal kurzärmlig, aber nie hemdsärmlig: Luc Mentha.

(Bild: Manuel Zingg)

Wie kann der Könizer Gemeindepräsident Luc Mentha (SP) sein anspruchsvolles Amt, sein Grossratsmandat, seinen neuen Job als Präsident der Stiftung Bernisches Historisches Museum und den nahenden Könizer Wahlkampf unter einen Hut bringen? Diese Interviewfrage hatte der «Bund» dem Könizer Gemeindepräsidenten vor drei Tagen unterbreitet. Aber der Vielbeschäftigte bat um etwas Zeit für deren Beantwortung. Jetzt liegt die Antwort vor: Er muss künftig gar nicht mehr alles unter einen Hut bringen. Luc Mentha tritt auf Ende 2013 als Gemeindepräsident zurück. Der Wahlkampf vom nächsten Jahr findet ohne ihn statt.

Der heute 60-jährige Mentha, der 2004 als Nachfolger von Henri Huber gewählt wurde, begründete gestern seinen Rücktritt damit, er könne auf eine Amtszeit zurückblicken, die seinen Wunschvorstellungen entsprochen habe: Der Finanzhaushalt sei stabilisiert und die Siedlungsentwicklung von Köniz gelte als vorbildlich. Er freue sich nun auf das letzte Jahr als Gemeindepräsident und hoffe für die Zeit danach auf ein Berufsleben mit etwas weniger grossem Arbeitspensum (siehe Interview).

Verzicht auf sichere Wiederwahl

Sein Schritt kommt überraschend. Weder die Öffentlichkeit noch die in Köniz aktiven politischen Parteien hatten Grund zur Annahme, dass Mentha im kommenden Herbst auf seine sichere Wiederwahl als Gemeindepräsident verzichten würde. Der Entscheid des Gemeindepräsidenten lässt nun auch den bevorstehenden Könizer Wahlkampf in einem neuen Licht erscheinen: Die Zeichen stehen jetzt auf Veränderung und ein Machtpoker ums Gemeindepräsidium scheint gewiss. Insbesondere die bürgerlichen Kräfte dürften mit Verve versuchen, der SP das Gemeindepräsidium streitig zu machen, das dieses nun schon sehr lange besetzt.

SP bedauert den Entscheid

Mit «grossem Bedauern» nahm gestern die SP Menthas Entscheid zur Kenntnis. Für sie ist nun die Ausgangslage vor den Wahlen keineswegs risikofrei. Die Partei rühmt sich zwar, über fähige Leute zu verfügen, die in Menthas Fussstapfen treten könnten. Aber ähnlich breit und über die Parteigrenzen hinaus getragen wie der heutige Gemeindepräsident kann ein antretender Neuling per se nicht sein. Laut SP-Präsident Christoph Salzmann wird die Partei jetzt die internen Abklärungen intensivieren.

Namen mag Salzmann noch keine nennen. Hingegen sagt er, an welchen Kriterien die Partei ihre potenziellen Bewerberinnen und Bewerber fürs wichtigste politische Amt in der Gemeinde messen will: «Wir erwarten langjährige politische Erfahrung und überzeugende Führungskompetenz.»

Sedlmayer hat kein Interesse

Vermutlich dürfte die SP vor allem in ihrer heutigen Parlamentsfraktion und allenfalls im Parteivorstand nach Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat und das Gemeinderatspräsidium suchen. Ein auf den ersten Blick vielleicht naheliegendes Szenario ist für die wählerstärkste Partei aber bereits vom Tisch: SP-Gemeinderätin Katrin Sedlmayer mag nicht ins Rennen ums Gemeindepräsidium steigen.

Ihre heutige Aufgabe als Planungsvorsteherin erfülle sie sehr und gebe ihr die bereichernde Möglichkeit, gemeinsam mit kompetenten Fachkräften das Gesicht der Gemeinde mitzugestalten. Nicht ausschlaggebend für ihren Verzicht auf die Option Gemeindepräsidium sei die Tatsache, dass sie bereits nach einer Legislaturperiode als Gemeindepräsidentin zurücktreten müsste: In Köniz können Mitglieder der Exekutive nach drei vollen Legislaturen nicht wieder antreten.

Studer denkt nach

Liebäugeln nun die anderen drei bisherigen Mitglieder des Gemeinderates mit dem Gedanken, Mentha politisch zu beerben? SVP-Gemeinderat Ueli Studer wollte gestern eine Kandidatur fürs Gemeindepräsidium nicht von vornherein ausschliessen. Für einen Entscheid sei es jetzt aber noch zu früh. Er sprach von einer «spannenden Situation». Zudem unterstrich Studer die Qualitäten Menthas: Dieser geniesse grosse Anerkennung und Wertschätzung innerhalb der Gemeinde und sei ein Gemeindepräsident, der breit abgestützt sei.

Oder wird jetzt Gemeinderätin Rita Haudenschild die erste grüne Könizer Gemeindepräsidentin? Dieses Etikett würde ihr zwar schmeicheln, sagte Haudenschild. Aber auch sie sei letztlich noch zu überrascht und könne noch keinen Entscheid fällen. Immerhin wolle sie die Option Gemeindepräsidium «nicht auf Anhieb ausschliessen». FDP-Gemeinderat Urs Wilk schliesslich beschied dem «Bund» ebenfalls, es sei noch zu früh, um die Frage zu beantworten, ob er Interesse aufs Gemeindepräsidium anzumelden gedenke.

Der Bund

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