Kritik an BLS-Projekt in Riedbach

Die Pläne für eine neue Werkstätte auf der grünen Wiese kommen bei der Stiftung Landschaftsschutz nicht gut an.

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Matthias Raaflaub

Das Bahnunternehmen BLS plant im Westen der Stadt Bern auf 20 Hektaren eine neue Werkstätte. Ab dem Jahr 2025 sollen in Buech bei Riedbach die Züge der BLS gewartet werden – der Baustart ist für 2020 geplant. Ein Bauernhof liegt mitten auf der geplanten 15-gleisigen Anlage. Den Eigentümern droht die Enteignung. Die bekannt gemachten Pläne verunsichern in den umliegenden Dörfern und stossen auch beim Landschaftsschutz und in der Politik auf Kritik.

Angst vor Dammbruch

Für manche in Riedbach und Oberbottigen erscheint das neue Bauprojekt offenbar wie ein Dammbruch. Heinz Brönnimann, Präsident des Oberbottigen-Leists, stellt es in eine Reihe mit der eingerichteten Zone für Wohnexperimente und der vor kurzem in Betrieb gegangenen Recyclinganlage der Resag. Der Leist werde vorerst nicht mit Kritik «reinschiessen», da das Projekt erst am Anfang stehe. Gleichwohl frage er sich, ob es nicht bessere Lösungen gebe, als den geplanten «markanten Eingriff in die Landschaft». «Man stellt fest, dass sich Industrie und Gewerbe nach Westen ausdehnen», sagt Brönnimann.

Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz, teilt die Befürchtung des Präsidenten des Oberbottigen-Leists. Im Westen Berns drohe die Trennung zwischen der Stadtgrenze und dem traditionell geprägten Landwirtschaftsgebiet durchbrochen zu werden. In Anbetracht der Raumplanung und des geforderten Schutzes von Kulturland erscheine das Projekt auf der grünen Wiese als «sehr fragwürdig» und «nicht nachvollziehbar». Würde das BLS-Projekt gebaut, so stelle sich die Frage, ob es überhaupt noch Sinn mache, sich für diesen ländlichen Gürtel im Westen der Stadt einzusetzen.

Für BLS «der ideale Standort»

Die BLS hat die betroffenen 20 Grundeigentümer vorinformiert. Die übrige Bevölkerung wird am kommenden Dienstagabend im Restaurant Bahnhöfli in Riedbach über die Pläne ins Bild gesetzt.

Angesprochen auf die vernehmbare Kritik teilt die BLS mit, dass Aspekte der Raumplanung sowie des Umwelt- und Landschaftsschutzes in den Vorprüfungen bei der Standortsuche für die neue Werkstätte sehr wohl beachtet worden seien. «Neben betrieblichen Kriterien wie der Lage, dem Areal und der Erschliessung ist auch die Umwelt eines der Kriterien», sagt auf Anfrage Helene Soltermann, Mediensprecherin der BLS. Es bleibe dabei: «Nach Abwägung aller Kriterien ist Riedbach für uns der ideale Standort.» Die BLS müsse aber auch noch zwingend eine Prüfung der Umweltverträglichkeit durchführen. «Dort werden Fragen wie Lärm, Verkehr, Landschafts- und Umweltschutz detailliert angeschaut.»

Vorteile im Verfahren

Den Bahnunternehmen sind über das Eisenbahngesetz für Projekte Vorränge gewährt, die bis zur möglichen Enteignung gegen Entschädigung gehen. Das Gesetz sieht keine Bewilligung durch den Kanton vor. Auch eine Umzonung der Landwirtschaftsfläche ist nicht erforderlich, wie die BLS bestätigt. Sie muss lediglich in einem sogenannten Plangenehmigungsverfahren die Möglichkeit für Einsprachen gewähren. Über das Vorhaben entscheidet dann das Bundesamt für Verkehr. Nach Belieben walten können die Bahnunternehmen deswegen zwar nicht. Wesentliche öffentliche Interessen – will heissen Raumplanung, Umweltschutz, Natur- und Heimatschutz – müssen respektiert werden. Dennoch ist es laut Raimund Rodewald schwierig, in diesen juristischen Verfahren Projekte zu verhindern. «Wir haben mit diesem Gesetz schon bittere Erfahrungen gemacht», sagt Rodewald. So sei es in einem vergleichbaren Fall nur mit wiederholten Rekursen gelungen, den Bau einer Werkstätte zu verhindern.

Auch die Politik reagiert auf das Bauvorhaben der BLS. Thomas Fuchs von der SVP Bümpliz kündigt an, Bauern in Riedbach und Oberbottigen beim Kampf gegen das Projekt unterstützen zu wollen. «Kommt die Werkstätte, ist es eine Frage der Zeit, bis auf den Baulandreserven der Stadt im Westen Wünsche zur Überbauung laut werden», sagt er auf Anfrage. Die linke GPB-DA will das Thema im Stadt- und Kantonsparlament auf die Traktandenliste bringen. Die BLS wolle sich «skrupellos über die Planungshoheit der Gemeinden hinwegsetzen», teilte die Partei mit. Eisenbahngesetz hin oder her.

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