In Muri schwillt der Widerstand gegen den neuen Weg an

Die FDP fordert einen Marschhalt und Bürger bereiten eine Petition für eine andere Lösung als eine Verlegung des Spazierwegs beim Muribad vor.

In diesem Bereich musste das Ufer verstärkt werden.

In diesem Bereich musste das Ufer verstärkt werden. Bild: Franziska Rothenbühler

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Seit einigen Jahren trägt die Aare zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad das Ufer immer mehr ab. 2016 musste mit Blocksteinen nachgebessert werden. Nun plant der Kanton, den viel benutzten Weg nach hinten an den Hang zu verlegen. Doch diese Absicht kommt bei der Bevölkerung in Muri gar nicht gut an.

Jetzt formiert sich der Widerstand gegen die Pläne für eine Verlegung hinter die Gonzenbachgiesse auch politisch. «Man muss noch einmal über die Bücher, wir fordern einen Marschhalt», sagt FDP-Präsident Adrian Kauth. Die Wegverlegung ist aus der Sicht der FDP, der stärksten Partei im Ort, keine gute Lösung: Dadurch werde mehr zerstört als gerettet. «Es müsste möglich sein, dass sich der Kanton flexibel zeigt», sagt Kauth. In der Vergangenheit hätten sich die Annahmen der Wasserbauingenieure nicht immer bewahrheitet.

In der aktuellen Ausgabe der «Lokal-Nachrichten», die morgen in die Haushaltungen gelangt, schreibt die FDP: «Wird hier der unantastbare Auenschutz nur vorgeschoben, um von anderen Fehlern abzulenken?» Die präsentierte Lösung bietet für die FDP keine Garantie, dass man die Probleme mit der Ufererosion in den Griff bekommt. Die Partei befürchtet stattdessen eine teure «never ending story».

In Vorbereitung befindet sich ausserdem eine Petition, die nächste Woche lanciert werden soll. Darin wird vorgeschlagen, den Uferweg auf dem am stärksten von der Erosion betroffenen Abschnitt so rasch wie möglich auf einer Länge von rund 50 Metern mit Blocksteinen zu verstärken. Das sei eine kostengünstige und rasch realisierbare Lösung, sagt Georg von Erlach, der die Petition zusammen mit anderen Murigerinnen und Murigern entworfen hat.

Gegner sehen Spielraum

«Die vorgeschlagene Lösung mit der Wegverlegung dagegen ist völlig unverhältnismässig», sagt von Erlach. Die Kosten werden auf rund 800'000 Franken geschätzt. Seiner Ansicht nach bietet die Auenverordnung des Bundes einen gewissen Spielraum. So steht in der Verordnung: «Zum Schutzziel gehören die Erhaltung und, soweit es sinnvoll und machbar ist, die Wiederherstellung der natürlichen Dynamik des Gewässer- und Geschiebehaushalts.»

Sinnvoll sei die Wegverlegung aber in diesem Fall eben gerade nicht. Zudem sei auch die Gonzenbachgiesse geschützt: «Wo der Weg durchgeführt werden soll, brüten Wasser- und andere Vögel, es gibt Schlangen und Molche. Sie würden empfindlich gestört.» Das Biotop sei gefährdet.

Die Gegner der Wegverlegung kritisieren weiter, dass das Projekt den Parkplatz und die Trinkwasserfassung gefährde. «Das Wasser würde von der Kiesbank direkt auf das Ufer beim Parkplatz gelenkt.» Von Erlach schüttelt den Kopf über die vorgeschlagene Lösung. Erst habe man die alten Buhnen entfernt, wodurch erst die grossen Kiesablagerungen entstanden und die Erosionsprobleme stärker geworden seien, nun werde der erste Fehler mit einem zweiten Fehler «verschlimmbessert».

«Mit der Petition wollen wir die politischen Behörden in die Pflicht nehmen», sagt von Erlach. Angesprochen ist damit der Gemeinderat: In der Petition wird «nötigenfalls eine Einsprache der Gemeinde gegen das Bauprojekt» gefordert.

Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) spricht von «einer geballten Ladung» aus der Bevölkerung. Die emotionalen Reaktionen der Bevölkerung seien jedoch nachvollziehbar. Im vergangenen Herbst hat der Gemeinderat gegenüber dem Kanton die Wegverlegung an die Hangkante priorisiert, weil er eine Lösung mit Stegen als schwierig umsetzbar erachtete. «Eine Verbauung mit Blocksteinen wiederum wurde vom Kanton als nicht machbar bezeichnet.»

Der Gemeinderat wolle nun die Inputs aus der Bevölkerung entgegennehmen und anschliessend eine Auslegeordnung vornehmen. «Dann werden wir sehen, wie wir einen Ausgleich zwischen der ‹Volksseele› und den geltenden Rahmenbedingungen finden.» Den Lead beim Projekt habe jedoch der Kanton, betont Hanke.

Gemeinderat «zu wenig sensibel»

Nicht nur der Gemeinderat hat die Verlegung befürwortet, auch die Umweltschutzkommission sprach sich dafür aus. Noch nicht informiert war bisher das Parlament, der Grosse Gemeinderat. «Der Gemeinderat war wohl zu wenig sensibel in dieser Frage und hat die möglichen emotionalen Reaktionen unterschätzt», sagt Parlamentspräsident Walter Thut (Forum).

Es sei denkbar, dass sich der Grosse Gemeinderat an seiner nächsten Sitzung, am 23. Mai, mit dem Thema befassen werde. Bis jetzt seien aber dazu noch keine Vorstösse eingegangen. (Der Bund)

Erstellt: 02.05.2017, 19:28 Uhr

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