Hobbyforscher entdeckt alte Burg

Im frühen Mittelalter erbaute die Sippe des Alamannen Chonolf auf einem Hügel eine Holzburg – das dürfte der Anfang der Ortschaft Konolfingen gewesen sein. Gefunden wurde die Stelle von Jonas Glanzmann.

Der Emmentaler Jonas Glanzmann freut sich an Ort und Stelle des Fundes über «eine kleine geschichtliche Sensation».

Der Emmentaler Jonas Glanzmann freut sich an Ort und Stelle des Fundes über «eine kleine geschichtliche Sensation». Bild: Manu Friederich

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Dass bei Konolfingen vor über 1000 Jahren eine Burg bestand, vermutete man schon seit einiger Zeit. Es gab spärliche schriftliche Hinweise auf eine frühere Burg beim oder auf dem Hürnberg. Erste Nachforschungen im Feld führten aber zu keinem Ergebnis. Der passionierte Hobbyforscher Jonas Glanzmann studierte eifrig die Karten und landete im Februar dieses Jahres bei einer Begehung einen Volltreffer.

Auf dem Hubel, einem Ausläufer des Hürnbergs zwischen Konolfingen und Grosshöchstetten, fand Glanzmann im Wald Erdaufschüttungen und einen Burg​hügel. «Das ist eine kleine geschichtliche Sensation für das Emmental», sagte der 39-Jährige gestern bei einem Ortstermin. Es sei «fast einzigartig», dass eine neue Burgstelle entdeckt werde. Nun erhalte die Geschichte von Konolfingen «einen alten Kern der Besiedlung». Der Ort wird urkundlich erstmals 1148 als Chonolfingen erwähnt – der Name weist auf eine alamannische Gründung hin und bedeutet «bei den Leuten des Chunolf oder Chonolf». Die alamannische Besiedlung in der Schweiz erfolgte in mehreren Wellen. Dass die Stelle so lange unentdeckt blieb, führt Glanzmann auch auf den Umstand zurück, dass sie abseits von viel begangenen Wanderwegen liegt.

Burg gibt Rätsel auf

Zu sehen ist im dichten Tannenwald auf 850 Meter über Meer heute nicht mehr viel, da es sich um eine Holzburg gehandelt hat (siehe Kasten). Die Anlage ist etwa 50 Meter lang und 35 Meter breit. In Richtung eines Hofes liegt flaches Gelände, das für die Landwirtschaft genutzt worden sein könnte, auf zwei Seiten fällt der Hügel steil ab, und die vierte Seite ist von einem alten Hohlweg begrenzt, der wahrscheinlich als Zugang gedient hat.

Zwischen dem flachen Vorgelände und dem Burghügel sind die Reste eines Walls zu entdecken, dahinter folgen ein Graben und dann der eigentliche Burg­hügel. Wall und Hügel waren wohl mit Palisaden befestigt. «Es dürfte sich um eine Erdburg ohne Fundament handeln», erklärt Glanzmann. In einem hölzernen Wohnturm lebte eine Adelsfamile, dazu sind ein oder mehrere Nebengebäude anzunehmen. Vor der Burganlage könnte es eine kleine Siedlung gegeben haben, die von Mitgliedern der Sippe und ihren Mägden und Knechten bewohnt wurde. Wann die Burg aufgegeben wurde, ist nicht klar. Die spätere Besiedelung erfolgte weiter unten, im heutigen Konolfingen-Dorf.

Nicht die erste Entdeckung

Auffallend sind für Glanzmann die Sichtverbindungen zu anderen alten Burgstellen in Niederhünigen, Zäziwil und 
Signau. Zudem befand sich in Konolfingen auch ein Galgenhubel. Die Bahnlinie nach Grosshöchstetten macht um die Richtstätte eine grosse Schlaufe.

Für Glanzmann ist die Burgstelle in Konolfingen nicht der erste Fund: Auf das Konto des gebürtigen Langnauers gehen zum Beispiel auch die Entdeckung von Burgstellen in Sangernboden im Gantrischgebiet und in Langnau selber. Gefunden hat er auch ein neolithisches Steinbeil. «Rund ein bis zwei Tage pro Monat verbringe ich im Gelände», sagt Glanzmann, der beruflich im Immobiliensektor arbeitet. Daneben wendet er viel Zeit auf, um Karten und Pläne zu untersuchen. Bei seinen Prospektionen komme er ohne «gebräuchliche, moderne Hilfsmittel wie Luftbilder oder Bodenradar» aus, sagt der Emmentaler. (Der Bund)

Erstellt: 21.08.2014, 13:22 Uhr

«Ein wichtiger Mosaikstein»

Bei der neu entdeckten Burgstelle in der Gemeinde Konolfingen dürfte es sich um den Sitz eines lokalen Adligen handeln, sagt Armand Baeriswyl vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern. «Das ist ein wichtiger Mosaikstein für Konolfingen, der uns hilft, die Vergangenheit besser zu verstehen.» Die Lage auf einem Hügel ist typisch, die Burg aber nicht einzigartig. «Im ganzen Kanton gibt es Hunderte solcher Objekte aus ganz unterschiedlichen Zeiten.»

Grossflächige Anlagen wie bei Büren an der Aare seien eher prähistorischen Ursprungs, sagt Baeriswyl. Damals seien ganze Siedlungen befestigt worden. Im frühen Mittelalter setzten sich die Adeligen von ihren Untertanen ab und erbauten sich Burgen, 
mit Vorliebe an exponierten Stellen. Meist bestanden sie aus Holz. «Lange nicht alle Adeligen konnten sich Burgen aus Stein leisten», erklärt Baeriswyl. In Konolfingen wurden keine Mauerreste gefunden. Die Burgstelle ist nach einer Begehung ins Inventar aufgenommen worden. Der Archäologische Dienst plant keine Untersuchungen, da er grundsätzlich nur Notgrabungen an Fundstellen durchführt, die durch Baumassnahmen zerstört werden.

Was könnte man überhaupt finden? Vielleicht ein Hufeisen, Keramikscherben, eine Ofenkachel, Ringe von einem Kettenhemd, oder auch ein Schwert, vermutet Baeriswyl.

Dass sich Privatpersonen wie Jonas Glanzmann für die Archäologie und die Feldforschung begeistern, begrüsst Baeriswyl. «Wir haben ein Interesse an Personen, die sich lokal auskennen und uns ihre Beobachtungen weitergeben.» Bei seiner Arbeit zählt der Archäologische Dienst denn auch auf rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter wie Glanzmann. Grabungen sind aber nur den Fachpersonen des Kantons erlaubt.

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