Heizlüfter und Spürhunde sollen Bettwanzen den Garaus machen

Die Notunterkunft Bremgarten ist von Bettwanzen befallen. Die «Entwesung» dauert mehrere Tage.

Unangenehmer Besuch im Bett: Bettwanzen.

Unangenehmer Besuch im Bett: Bettwanzen. Bild: Colourbox (Symbolbid)

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In der unterirdischen Asylunterkunft Hochfeld in der Stadt Bern waren die Parasiten vor zwei Jahren aufgetaucht, was im Stadtrat eine Debatte über die hygienischen Zustände auslöste. Seit Dienstag wissen wir, dass die Tierchen auch die Schlafplätze einiger Rekruten in der Westschweiz in Beschlag genommen haben. Nun ist auch die Notunterkunft Bremgarten geschlossen worden, weil sich Bettwanzen in Matratzen, im Verputz oder in Textilien eingenistet haben, um sich nachts vom Blut der Schlafenden zu ernähren. 62 Asylsuchende mussten vorübergehend in anderen Unterkünften der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe im Kanton platziert werden.

Das Problem der Bettwanzen sei in letzter Zeit ein wiederkehrendes, sagt Dominik Wäfler, Bereichsleiter Kollektivunterkünfte der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe. Dies, weil die Asylsuchenden auf ihrem Weg durch Europa an vielen verschiedenen Orten übernachteten und die Parasiten so verteilten. Wichtig sei, dass man sofort reagiere. «Wir haben alle Bewohner mit neuer Unterwäsche und Socken sowie mit Spendenkleidern ausgestattet. Die Leute mussten ihre Kleider und ihr Gepäck zurücklassen, damit auch diese desinfiziert werden und die Wanzen nicht auf weitere Unterkünfte übertragen werden», sagt Wäfler. Bei der Schädlingsbekämpfungsfirma Oltex AG hat die Heilsarmee ein Abonnement gelöst.

Volle Auftragsbücher

Die bis zu 8 Millimeter grossen Parasiten bescheren Daniel Müller und seinen Kollegen seit zwei Jahren vollere Auftragsbücher. «Angefangen hat es mit den Airport Hotels im Raum Zürich, seither sind immer mehr Hotels, Privatwohnungen und Asylunterkünfte von Wanzen befallen», sagt der Geschäftsführer der Firma Oltex AG. Im Wochenrhythmus rückt Müller im Mittelland aus, um Räume von den Plagegeistern zu befreien. Ein Problem sei, dass die meisten Bettwanzenstämme, die es in der Schweiz gebe, gegen Chemikalien resistent seien. So finde die «Entwesung» mit einer thermischen Methode statt. «Wir heizen die Räume in mehreren Etappen während mindestens 24 Stunden auf 70 Grad auf», sagt Müller. Dafür seien sogenannte Hochtemperaturheizlüfter notwendig. Weil nur eine begrenzte Anzahl Öfen angeschlossen werden kann, daure der Einsatz in den rund zehn Räumen der Unterkunft in Bremgarten tagelang. Als logistische Herausforderung bezeichnet Müller auch, dass gewisse Küchengeräte wie Kühlschränke vorgängig herausmontiert werden müssen, damit sie keinen Schaden nehmen.

«Es gibt keinen aufwendigeren Parasiten als die Bettwanze», sagt Müller. Nach der Hitzebehandlung dauert es teils mehrere Tage, bis sich die Räume wieder abgekühlt haben. Ventilatoren beschleunigen den Vorgang. «In Zivilschutzanlagen staut sich wegen des vielen Betons die warme Luft.»

Nun kommen Spürhunde zum Einsatz. Mischlinge, «die gäbig unter allen Möbeln durchkriechen können», wie Müller sagt. Entdecken sie noch lebende Wanzen, braucht es eine Nachbehandlung. Die Hunde kommen derzeit besonders häufig zum Einsatz, denn auch Reisende können nach den Ferien ihr Gepäck nach Ungeziefer abschnuppern lassen. Müller selbst lässt es gar nicht so weit kommen. «Ich stelle jedes Hotelzimmer auf den Kopf, bevor ich irgendwo übernachte», sagt er und lacht.

Läuft alles nach Plan, können die Asylsuchenden Mitte Juli in ihre alte Unterkunft zurückkehren. (Der Bund)

Erstellt: 05.07.2016, 18:56 Uhr

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