Grosse Kiste auf dem Gümligenfeld

Muri-Gümligen bekommt ein Freizeit- und Dienstleistungszentrum. Dazu gehört auch ein Multiplexkino mit zehn Sälen. Dies dürfte insbesondere den Kinokomplex im Westside in Bümpliz herausfordern. Auf der Strecke bleiben könnten auch die kleinen Landkinos.

Multiplexkinos sind im Trend. Neu entsteht im Gümligenfeld in Muri ein Zentrum mit «Erlebnisgastronomie».

Multiplexkinos sind im Trend. Neu entsteht im Gümligenfeld in Muri ein Zentrum mit «Erlebnisgastronomie».

(Bild: Visualisierung: zvg)

Markus Dütschler
Marcello Odermatt@cellmob

Paukenschlag auf dem Gümligenfeld: Auf dem Entwicklungsschwerpunkt in nächster Nachbarschaft zu Lipo und Media-Markt baut Implenia ein Freizeit- und Dienstleistungszentrum. Ein Multiplexkino mit zehn Sälen wird es enthalten, eine Bowlingbahn mit Billard, zwei Restaurants und Büros. Gemäss einer Medienmitteilung von gestern entstehen 200 neue Arbeitsplätze. Als Fussnote der Geschichte ist anzufügen, dass auch das Möbelhaus Jysk vertreten sein wird. Der Händler muss in diesen Tagen nach einer jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzung wegen planungsrechtlicher Probleme den bisherigen Verkaufs¬ort im Gebäude an der Thunstrasse direkt bei der Autobahnausfahrt verlassen.

2500 Fahrten «absolut machbar»

Das Konzept erarbeitet hat die Zollikofner Immobilienfirma Stebler. Erwin J. Stebler sagt auf Anfrage, für das Bauvorhaben liege eine gültige Baubewilligung vor. Der ganze Komplex sei vermietet. Das früher erarbeitete Fahrtenmodell, das die Zahl der Zu- und Wegfahrten auf 2500 limitiert, werde eingehalten. Mit Büronutzung tagsüber und Kinos am Abend sei dies absolut machbar, so Stebler, das sei berechnet worden.

Leicht geändert werde einzig das Nutzungskonzept. Das Änderungsgesuch werde jetzt bei der Baubehörde der Gemeinde Muri eingereicht. Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) war gestern Abend nach Bekanntwerden des Bauprojekts wegen einer Gemeinderatssitzung nicht mehr erreichbar. Hannes Meuli von der Regionalgruppe Bern des VCS, die sich in den letzten Jahren gegen die zuvor geplanten Fahrten gewehrt hatte, will die neuen Pläne «mit Interesse» anschauen. Der VCS will klären, wie stark sich die Nutzung geändert hat. Inwiefern das geplante Fahrtenkontingent plausibel ist für das neue Multiplex, will Meuli vorerst nicht beurteilen.

Was bedeuten die Pläne für den Kinomarkt in der Region Bern? Braucht es nach dem Multiplexkino im Westside eine zweite Anlage in Berns Süden? Stebler sagt, er könne nicht für die Betreiberin Kitag sprechen, «aber wenn sie nicht daran glauben würden, hätten sie sich nicht für diese Vorwärtsstrategie entschieden». Die beiden Innenstadt-Kinoketten Kitag und Quinnie hatten seinerzeit heftig gegen die Grosskonkurrenz im Westen opponiert, da sie befürchteten, dass die Kundschaft aus der Innenstadt abgezogen werde. In der Mitteilung gibt sich die Kitag indes zuversichtlich, mit dem neuen Mulitplex auf das richtige Pferd zu setzen. Man habe festgestellt, dass vor allem beim jüngeren Zielpublikum ein solches Freizeit¬angebot auf breite Zustimmung stosse. «Grosses Potenzial sehen wir insbesondere in der Kombination von Film und Erlebnisgastronomie», heisst es in der Mitteilung. Stebler konnte gestern noch nicht sagen, wer die zwei Restaurants betreiben wird. Es werde sicher ein Konzept sein, das junge Leute anspreche. Und er fügte bei: «Gastronomisch haben wir in Muri und Gümligen wahrlich kein Überangebot.»

Im benachbarten Reitzentrum befindet sich das Restaurant Sensi, das nach einem längeren Unterbruch seit knapp einem Jahr wieder offen ist.

Kinogeschäft läuft «sehr gut»

Mit dem neuen Angebot wird die Kitag wohl in erster Linie das Westside konkurrenzieren. Denn nun entsteht bereits der zweite grosse Filmtempel in Verbindung mit weiteren Freizeit- und Einkaufsaktivitäten in der Region Bern. Pathé Schweiz, die die Westside-Kinosäle betreibt, wollte auf Anfrage die neuen Pläne nicht kommentieren. Jan Halverson von Pathé sagt nur, das Kinogeschäft im Westside laufe «sehr gut».

Edna Epelbaum von Quinnie Cinema, die in der Stadt Bern fünf Kinos betreibt, kann den Entscheid, in der Peripherie ein weiteres Multiplex zu bauen, sogar nachvollziehen. Hier könnten gratis Parkplätze angeboten werden, Angebote zentralisiert und Personal konzentriert werden, sagt sie. Von der neuen Konkurrenz sieht sie sich aber nur bedingt herausgefordert. «Hier geht es in erster Linie um einen Kampf zwischen den Grossen.» Quinnie gehe weiterhin davon aus, ein anderes Publikum anzusprechen. «Wir wollen in erster Linie die Innenstadtdynamik aufrechterhalten», so Epelbaum – eine Dynamik, die aus einem Mix von Restaurants, Bars und Kinos bestehe. Den Nachteil haben könnten, so vermutet Epelbaum, die kleinen Landkinos, wie etwa jene in Worb, Belp oder Burgdorf.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt