Geplanter Ausbau der Bolligenstrasse stösst auf Widerstand

Die Pläne, die Bolligenstrasse zwischen Bern und Ostermundigen auszubauen, kommen bei links-grünen Parteien und Verbänden
gar nicht gut an.

Die Bolligenstrasse Richtung Ostermundigen soll aufgefrischt werden - nicht zur Freude aller (Symbolbild).

Die Bolligenstrasse Richtung Ostermundigen soll aufgefrischt werden - nicht zur Freude aller (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Lisa Stalder

Es ist stets dasselbe Bild: Auf der Bolligenstrasse zwischen Bern und Ostermundigen staut sich der Verkehr regelmässig. Kein Wunder, passieren doch an Werktagen bis zu 23 000 Fahrzeuge diesen Strassenabschnitt – und ein Ende der Zunahme ist nicht in Sicht. Um die Kapazität dem gestiegenen Verkehrsaufkommen anzupassen, plant der Kanton einen «moderaten Ausbau» dieses Abschnitts. Konkret heisst das: Die drei Kreisel Milchstrasse, Mösli Ost und Untere Zollgasse werden durch Kreuzungen mit «intelligenten Lichtsignalanlagen» ersetzt; diese können den Verkehr «bedarfsgerecht steuern». Zudem sind zusätzliche Fahrstreifen und Abbiegspuren geplant. Im Weiteren sollen Velofahrerinnen und -fahrer einen durchgehenden Velostreifen bekommen. Die alte Bolligenallee als Fuss- und Veloweg bleibt bestehen.

SP Bern: Nur Autos profitieren

Die Pläne für den Ausbau der Bolligenstrasse lagen im März zur öffentlichen Mitwirkung auf. Und während dieser Zeit wurde klar: Die Pläne kommen nicht überall gut an. So haben insbesondere links-grüne Parteien und Verbände grosse Vorbehalte gegen das Projekt. So schreibt beispielsweise die SP Stadt Bern in einer Mitteilung, dass es sich beim geplanten Projekt um eine «massive Kapazitätssteigerung auf Vorrat für den motorisierten Individualverkehr» handle. Andere Verkehrsteilnehmende würden kaum von den Verbesserungen profitieren. Auch die Grüne Partei Bern – Demokratische Alternative sieht im Projekt «ein verstecktes Ausbauprojekt zur massiven Kapazitätssteigerung» des motorisierten Verkehrs. Diese «rein wachstumsorientierten Strassenausbauten» seien abzulehnen.

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) Bern moniert, dass das Projekt auf einer Verkehrszunahme von 25 Prozent basiere. Der VCS zweifle an diesem Bedarfsnachweis. Für den VCS Bern ist zudem klar: Sollten im Raum Wankdorf weitere Arbeitsplätze angesiedelt werden, dann müsste der Mehrverkehr vollständig durch den ÖV, mit dem Velo oder zu Fuss bewältigt werden. Dafür müsste in die entsprechende Infrastruktur investiert werden. Keine Freude hat auch Fussverkehr Kanton Bern (FVBE), der Verband, der die Interessen der Fussgängerinnen und Fussgänger vertritt. Der Strassenausbau verbrauche «wertvolles Land» und generiere hohe Investitions- und Unterhaltskosten, schreibt der FVBE in einer Mitteilung. Zudem würden Fussgänger in diesem Projekt als «notwendiges Übel» betrachtet. Neben ebenerdigen Fusswegverbindungen und Haltestellenunterständen fordert der Verband, Fuss- und Velowege zu trennen.

Auch Pro Velo Bern kann mit den Plänen nur wenig anfangen: Zwar begrüsst der Verband, dass weiterhin konsequent Velostreifen angeordnet würden. Das reiche aber nicht aus: Pro Velo verlangt daher unter anderem, dass die «intelligenten Ampeln» auch den Veloverkehr erfassten und «adäquat bevorzugen», wie einer Medienmitteilung von Pro Velo zu entnehmen ist.

Ganz besonders heftig stösst vielen Mitwirkenden auf, dass die Umgestaltung der Bolligenstrasse nur ein Vorbote von dem ist, was noch folgen wird: dem Knoten Wankdorf. Bei der Kreuzung Bolligenstrasse/Schermenweg plant das Bundesamt für Strassen einen Ausbau des Autobahnanschlusses Wankdorf. Vorgesehen ist unter anderem ein Grosskreisel unter der Autobahnbrücke.

Baustart für 2018 vorgesehen

Ob auch positive Reaktionen eingegangen sind, konnte Thomas Schmid, stellvertretender Kreisoberingenieur Bern-Mittelland, letzte Woche nicht sagen. Die Mitwirkungseingaben seien noch nicht im Detail angeschaut worden. Es sei davon auszugehen, dass auch nach Ostern noch Feedbacks eingereicht würden. Die Auswertung der Mitwirkung sei nicht vor Ende April zu erwarten.

Das Ausbauprojekt soll Anfang 2018 in Angriff genommen werden. Die Gesamtkosten werden auf rund 20 Millionen Franken veranschlagt. Davon übernimmt der Kanton den grössten Teil. Voraussichtlich wird sich auch der Bund an den Kosten beteiligen.

Der Bund

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