Für den Blick in den Himmel will Botta tief in den Boden bauen

Das von Stararchitekt Mario Botta geplante Observatorium in Niedermuhlern kostet rund 7 Millionen Franken. Noch fehlen 4,5 Millionen Franken.

Noch fehlen 4,5 Millionen Franken, damit die Sternwarte Uecht mit dem futuristischen Neubau ergänzt werden kann.

Noch fehlen 4,5 Millionen Franken, damit die Sternwarte Uecht mit dem futuristischen Neubau ergänzt werden kann.

(Bild: zvg/Visualisierung)

Marc Lettau

Das Geheimnis ist gelüftet: Die Stiftung Sternwarte Uecht und Architekt Mario Botta legten gestern in der Universität Bern dar, wie die neue Sternwarte bei Niedermuhlern dereinst aussehen soll. Begegnet man dem vorgestellten Werk des Meisters mit maximaler Respektlosigkeit, dann ist eine Assoziation unausweichlich: Die neue Sternwarte wird ein wenig aussehen, als ob eine überdimensionierte Version der 1999 ebenfalls von Botta entworfenen PET-Valserwasser-Flasche kopfüber in den Boden geschraubt worden wäre. Von weitem wird sich der Bau als gleichmässiger, gerillter Zylinder präsentieren.

Ein Nicht-Bau in Nicht-Farbe

Aus beträchtlicher Höhe betrachtet, wird die neue Himmelsbeobachtungsstation hingegen an eine gelandete und im weichen Ackerland eingesunkene fliegende Untertasse erinnern. Botta schlägt nämlich ein kreisrundes und ganz in den Untergrund eingelassenes Bauwerk mit 500 Quadratmeter Grundfläche vor, aus dem nur ein fensterloser Turm herausragt. Auf dem Turm soll die Kuppel mit der Beobachtungstechnik ruhen. Laut Botta erträgt die ländliche Landschaft des Längenbergs letztlich nur einen Bau, der nicht als Gebäude wirkt, sondern eher als «abstrakte Skulptur», auf deren Oberfläche nichts zu sehen ist als das Spiel von Licht und Schatten. Auch auf jedes Farbenspiel will Botta verzichten. Für den «Nicht-Bau aus Beton» wählt er die «Nicht-Farbe Weiss». Er plane also «ein platonisches Werk, das aber den Blick in die Unendlichkeit öffnet».

Der Ort für existenzielle Fragen

So reduziert Botta sich die Architektur vorstellt, so potenziert sind die Visionen der Stiftung Sternwarte Uecht. Laut Thomas Schildknecht, Astronom und Stiftungsratsmitglied, wird es im Neubau «um die ganz existenziellen Fragen gehen, die sich letztlich alle stellen». Im Grunde gehe es in jeder Sternwarte ums grosse «Woher kommen wir? – Sind wir alleine? – Wohin gehen wir?». Der Neubau werde es erlauben, derart Fundamentales mit dem breiteren Publikum zu erörtern. Dieser Dialog könnte knifflig werden: Angesichts der spektakulären Bilder, die das Hubble-Teleskop zur Erde schickt, könnte das Laienpublikum enttäuscht sein, wenn es mit der Uechter Beobachtungstechnik lediglich einige milchige Flecken im nächtlichen Dunkel ausmachen kann. Thomas Schildknecht weiss das: «Wir werden die Besucher sehr vorsichtig zu den hier möglichen Highlights hinführen müssen.»

Nebst einem Ort für die Öffentlichkeit ist die neue Sternwarte ganz klar auch als hochmodern bestückte Forschungseinrichtung geplant, als Ergänzung zur heutigen Sternwarte der Universität Bern in Zimmerwald. In der neuen Sternwarte Uecht dürfte die Forschung über Asteroiden und Kometen im Vordergrund stehen sowie die Ortung von Weltraumschrott.

Auf Sponsorensuche

Woher aber kriegt die Stiftung die 7,7 Millionen Franken, die nach heutigem Stand für den Bau der neuen Sternwarte benötigt werden? Noch steht die Antwort auf diese Frage in den Sternen. Viele Gemeinden des Naturparks Gantrisch sind willens, das Vorhaben mit Zuwendungen zu unterstützen. Auch der Kanton wolle sich an den Kosten beteiligen, sagte Regierungsrat Christoph Neuhaus gestern.

Für den allergrössten Teil der benötigten Mittel wird die Stiftung aber auf Sponsoren angewiesen sein. Sie erhofft sich einige potente Geldgeber, die Beiträge in Millionenhöhe beisteuern, sowie eine Vielzahl von Institutionen, Firmen und Privatpersonen, die die Realisierung der Sternwarte im Rahmen ihrer Möglichkeiten mittragen wollen. Stiftungsratspräsident Andreas Blaser ist zuversichtlich. Noch hat er keine Ahnung, wie der Hauptsponsor dereinst heissen könnte. Gleichwohl seien bereits rund 40 Prozent der erforderlichen Mittel zugesichert worden.

Standortgebundener Bau

Die bedeutendste rechtliche Hürde hat das Projekt übrigens bereits genommen. Laut Regierungsrat Christoph Neuhaus ist das Vorhaben eine raumplanerische Herausforderung, weil der Neubau ausserhalb der Bauzone liegen wird. Im Zuge einer Bauvoranfrage sei abgeklärt worden, ob die Sternwarte überhaupt gebaut werden dürfe. Die Antwort laute: «Ja, sie darf.»

Eine Sternwarte sei definitiv standortgebunden und lasse sich in jedem Fall nur ausserhalb des Siedlungsgebiets verwirklichen. Neuhaus erhofft sich übrigens vom Botta-Bau eine ziemliche Strahlwirkung für den an architektonischen Perlen armen Kanton Bern. Strahlwirkung dürfte die neue Sternwarte zumindest für den Naturpark Gantrisch entfalten. Hans Ulrich Mani, der Präsident des Fördervereins Region Gantrisch, sagte, die neue Sternwarte passe bestens in den Naturpark. Sie erfülle die Nachhaltigkeitskriterien, denen die Parkleitung folge, «voll und ganz».

Was aber, wenn der gerillte Nicht-Bau zum enormen Publikumsmagneten wird? Die Stiftung hat die Vorkehrung gegen störenden Mehrverkehr bereits eingeplant: Ein lautloser, abgasfreier Elektroshuttlebus soll dereinst das Publikum an den Ort der himmlischen ­Erkenntnis bringen.

Der Bund

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