«Falscher Zahnarzt» von Biel will keine Patienten getäuscht haben

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland hat am Montagmorgen den Prozess gegen den mutmasslich falschen Zahnarzt von Biel wieder aufgenommen.

Der Prozess gegen den «falschen Zahnarzt» von Biel wurde wieder aufgenommen.

Der Prozess gegen den «falschen Zahnarzt» von Biel wurde wieder aufgenommen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Angeklagte sagte am Montag vor Gericht, er habe sich gar nie als Zahnarzt ausgegeben.

Zugegeben hat der 53-Jährige bei seiner Einvernahme vor dem Regionalgericht Biel-Seeland etwa den Vorwurf, der Landeszahnärztekammer in Wien gefälschte Urkunden eingeschickt zu haben. Der Bieler Zahntechniker wollte laut Anklage damit erreichen, in die österreichische Zahnärzteliste eingetragen zu werden.

Der Beschuldigte hingegen gab vor Gericht an, er habe in Österreich lediglich eine Weiterbildung machen wollen. Der mutmasslich falsche Zahnarzt gab vor Gericht auch zu, wiederholt Medikamente abgegeben habe, zu deren Abgabe er laut Anklage nicht berechtigt war.

Wiederholt sagte der Mann aber, er habe sich gegenüber Patienten nie als Dr. med. dent. ausgegeben. Viele der vor Gericht als Kläger auftretende ehemalige Patienten hätten genau gewusst, dass er Zahntechniker sei, nicht Zahnarzt.

Zu den Vorwürfen, mit unsachgemässen Behandlungen Patienten schwer geschädigt zu haben, sagte er häufig, die eigentliche Behandlung habe nicht er ausgeführt, sondern ein Zahnarzt in seinem Betrieb. Mitunter sagte er, er habe bei diesen Behandlungen assistiert oder Vorbehandlungen ausgeführt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 53-Jährigen vor, sich während längerer Zeit als Zahnarzt ausgegeben und unerlaubterweise zahnmedizinische Behandlungen ausgeführt zu haben. Durch diese unsachgemässen Behandlungen habe der Mann mehrere Menschen schwer geschädigt.

Die Anklage lautet auf schwere Körperverletzung, eventuell als Versuch oder einfache Körperverletzung zu werten, und einfache Körperverletzung. Doch auch des Betrugs, eventuell Veruntreuung, der Urkundenfälschung und der Widerhandlungen gegen kantonale und eidgenössische Gesetze soll sich der Mann schuldig gemacht haben.

Anklageschrift erweitert

Zu der ohnehin schon recht umfangreichen Anklageschrift kam am Montag eine Ergänzung dazu: Gerichtspräsident Markus Gross gab bekannt, das Gericht habe dieser Erweiterung der Anklage zugestimmt.

Es geht - wie in der bisherigen Anklageschrift - um den Vorwurf der schweren, eventuell einfachen Körperverletzung, des Betrugs und von Widerhandlungen gegen das bernische Gesundheitsgesetz respektive das Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe.

Bekannt wurde vor Gericht auch, dass der Angeklagte eine Lehre als Zahntechniker abschloss und 2011 eine Prüfung zum Dental-Assistenten ablegte. Dies nach lediglich ein paar Tageskursen, ohne Lehre, wie der Gerichtspräsident bekanntgab.

Befragt zu seinem Werdegang und persönlichen Verhältnissen, sagte der Angeklagte am Montag, er habe zu Beginn der Nuller-Jahre in Bern ein zahnärztliches Studium aufgenommen. Dieses habe er aber nach zwei Semestern abgebrochen.

Die Aufträge an sein zahntechnisches Labor seien zurückgegangen, nachdem bekannt geworden sei, dass er Zahnmedizin studiere. Er habe das Labor, das er seit den 1980-er Jahren geleitet habe, nicht zusammenbrechen lassen wollen.

Urteil nächste Woche

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland nahm am Montagmorgen den Prozess gegen den mutmasslich falschen Zahnarzt wieder auf, nachdem der Mann im vergangenen Herbst nach dem ersten Prozesstag zu Hause verunfallt war, wie der Verteidiger des Mannes damals sagte.

An diesem ersten Prozesstag im Oktober berichteten zwei Klägerinnen zum Teil unter Tränen von Schmerzen während und nach den Behandlungen und von Folgeproblemen. Eine Frau sagte, nach einem Eingriff des Angeklagten habe sie sich 54-mal nachbehandeln lassen müssen.

Der Prozess sollte am Montagnachmittag und Dienstag mit Befragungen von Klägern und Zeugen weitergehen. Die Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger hat das Gericht für Mittwoch vorgesehen. Am Donnerstag und Freitag will das Gericht die Urteilsberatung vornehmen und das Urteil am Donnerstag kommender Woche verkünden. (mer/sda)

Erstellt: 14.03.2016, 09:54 Uhr

Artikel zum Thema

Angeklagter verunfallt, Prozess abgebrochen

Der Bieler Zahntechniker, der sich als Zahnarzt ausgegeben haben soll, konnte nicht befragt werden. Mehr...

Falscher Zahnarzt steht vor Gericht – acht Jahre nach erster Anzeige

Während Jahren soll ein Bieler Zahntechniker unerlaubterweise Patienten behandelt und teils schwer geschädigt haben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Blogs

Dummheit als Ware

KulturStattBern Anatolische Anachronismen

Die Welt in Bildern

Reif für die Insel: Die philippinische Insel Boracay ist wieder für Touristen geöffnet. Sie war wegen Umweltprobleme geschlossen worden. Viele Hotels und Geschäfte sollen ihr Abwasser samt Fäkalien jahrelang ins Meer geleitet haben. Hier ist die vulkanische Formation Williy's Rock auf der Insel zu sehen. (16. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Mark R. Cristino) Mehr...