Einer, der auf der Orgel auch jodelt

Der langjährige Burgdorfer Organist Jürg Neuenschwander, der auf der Orgel ideenreich und erfolgreich auch volkstümliche Register zieht, erhält heute den Burgdorfer Kulturpreis.

Vor dem Hohgant, um den sich seine neuste CD dreht: Der Burgdorfer Organist Jürg Neuenschwander.

Vor dem Hohgant, um den sich seine neuste CD dreht: Der Burgdorfer Organist Jürg Neuenschwander. Bild: Adrian Moser

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Jürg Neuenschwander ist seit vierzig Jahren Organist. Sonntag für Sonntag. «An fünfzig Wochenenden pro Jahr spiele ich irgendwo», sagt er, «vor allem natürlich in ‹meiner› Stadtkirche Burgdorf, aber auch in Meiringen und im Schangnau.» Dazu kommen ungezählte Hochzeits- und Trauerfeiern landauf, landab, die er auf der Kirchenorgel begleitet. Und Konzertauftritte. Bis vor wenigen Jahren war er auch Klavier- und Orgellehrer im Gymnasium Hofwil.

Mut und Flair

Allein schon für dieses langjährige Engagement als Kirchenorganist – seit 34 Jahren in Burgdorf – und als Musiklehrer hätte er eigentlich längst einen Preis verdient. Wenn die Burgergemeinde Burgdorf ihm heute den Burgdorfer Kulturpreis verleiht, ehrt und würdigt sie ihn aber vor allem auch dafür, dass er seine Passion als Organist sehr kreativ interpretiert und seit Jahren auf der Orgel auch neue, ungewohnte künstlerische Register zieht: Für seinen Mut und sein Flair, die Orgelmusik hinauszutragen aus der Kirche, sie unters Volk zu bringen – eben volkstümlich zu machen.

Neuenschwander bringt die Orgel zum Jodeln. Laut Einladung zur Preisverleihung wird er nun «als Musiker und Komponist geehrt, der sein Publikum immer wieder neu fasziniert und überrascht».

Freund von Adolf Stähli

Schon 1985 verblüffte Jürg Neuenschwander auf seiner CD «Volkslieder und Volkstänze» mit volkstümlicher Orgelmusik. In jener Zeit begann er auch, Jodellieder des grossen Jodelkomponisten Adolf Stähli für die Orgel zu bearbeitete und zur Freude der Kirchenbesucherinnen und -besucher in sein musikalisches Repertoire einzubauen – etwa «Ds Ankebälli», «E gschänkte Tag», «Am Thunersee» oder «We d Schwälbeli i Süde zieh».

2001 ehrte er seinen zwei Jahre zuvor verstorbenen Freund Stähli, den er während Jahren musikalisch beraten hatte, mit der CD «Am Thunersee». Diese Hommage an Stähli und sein Werk fand weitherum Gefallen und wurde über 10 000mal verkauft.

Sein Hang zur Volksmusik

Letztes Jahr doppelte Neuenschwander mit der CD «Vom Hohgant» nach – mit Volksmusik, die er mit Respekt und feinem Gespür arrangierte, teilweise neu komponierte und gemeinsam mit vielen Musikerinnen und Musikern, Jodlerinnen und Jodlern, Sängerinnen und Sängern aus dem Emmental produzierte – etwa mit dem Emmentaler Trachtenchor, der Solojodlerin Miriam Schafroth, dem Burgdorfer Gymelerchor oder den Jodlerclubs Oberhofen und Hohgant Schangnau. «Mozart ist mein Lieblingskomponist», sagt Neuenschwander, «und ich liebe Bach. Doch auch Adolf Stähli hat neben ihnen seinen Platz.»

Sein Hang zur Volksmusik ist kein Zufall. 1947 wurde er im Emmental, in Siehen bei Eggiwil, geboren – dort wo sein Vater Otto Jahrzehnte vorher den Jodlerclub gegründet hatte. Als «Ur-Emmentaler», sagt er, fühle er sich nach wie vor zum Emmental hingezogen.

Seine Orgel-Ausbildung hatte er am Konservatorium Bern bei Heinrich Gurtner mit dem Lehr- und Konzertdiplom abgeschlossen, in Basel bei Janka Wittenbach-Brun das Klavierdiplom erworben, und sich in Paris und Wien weitergebildet. Von 1973 bis 1978 war er Organist und Chorleiter an der Stadtkirche Frauenfeld, seither ist er Organist an der Stadtkirche Burgdorf. Er erhielt mehrere Kulturpreise. (Der Bund)

Erstellt: 19.09.2012, 15:41 Uhr

«Vom Hohgant»

Von Jürg Neuenschwander sind im Zytglogge-Verlag sechs CDs erschienen, zuletzt die CD «Vom Hohgant».

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