«Eine weitere Grenze wurde überschritten»

Der Worber Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) soll unter allen Umständen abgewählt werden, wenn es nach SP, FDP und SVP ginge. Für ihn ist nun eine weitere Grenze überschritten.

Die Gegenseite setze mit ihrem Vorgehen das Vertrauen in den Worber Gemeinderat aufs Spiel, meint Gemeindepräsident Niklaus Gfeller.

Die Gegenseite setze mit ihrem Vorgehen das Vertrauen in den Worber Gemeinderat aufs Spiel, meint Gemeindepräsident Niklaus Gfeller. Bild: Valérie Chételat

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Herr Gfeller, hatten Sie Kenntnis davon, dass sich die Mehrheit des Gemeinderats auf die Seite von Jonathan Gimmel schlagen will?
Hanspeter Stoll hat mich am Mittwoch informiert, dass er wie auch Peter Hubacher, Jürg Kaufmann und Guy Lanfranconi sich für die Kandidatur von Jonathan Gimmel einsetzen werde.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erfahren hatten, dass sich nach den Grossparteien auch Ihre Ratskollegen hinter den Gegenkandidaten stellen?
An sich nicht viel. Im Grunde war dieser Schritt absehbar und entsprechend wenig überraschend.

Ob überraschend oder nicht: Das Vorgehen der vier Gemeinderäte muss Sie doch unglaublich verletzen: Ihre eigene Behörde verwehrt Ihnen die Unterstützung, der Rückhalt, den Sie im Gemeinderat geniessen, tendiert gegen null.
Ja, ich sehe das auch so. Mit dem Bekenntnis zu Jonathan Gimmel stimmen die Gemeinderäte eine neue Strophe an. Eine weitere Grenze wurde überschritten. Aber wichtig ist doch: Nicht die Behörde wählt mich, sondern das Volk. Man darf dem Volk die Wahl nicht vorenthalten.

Die neusten Entwicklungen ändern also nichts an Ihrer Absicht, sich im November der Wiederwahl zu stellen?
Nein. Ich habe mich im Februar entschieden, nochmals für das Amt zu kandidieren. Und ich sehe echt keinen Grund, weshalb ich jetzt die Kandidatur zurückziehen sollte. Man probiert seit Monaten Druck auf mich aufzubauen - frei nach dem Motto «Vielleicht sieht er es ja ein». Ich hingegen sage: Das Volk soll entscheiden. In unserer Demokratie ist es so, dass jeder kandidieren kann. Ich ziehe mich auf keinen Fall vorzeitig aus dem Rennen um das Amt des Gemeindepräsidenten zurück.

Kann der Gesamtgemeinderat nach dem offenen Vertrauensbruch die laufende Legislaturperiode überhaupt noch in Würde zu Ende bringen?
Das ist sicher eine nicht ganz leichte Aufgabe, aber keine unlösbare. Fakt ist, das Volk hat uns vor vier Jahren gewählt. Ich habe die Gemeinde vier Jahre lang gleich einem Boot gesteuert - bisher allen Widerwärtigkeiten zum Trotz. Falls ich auch die nächsten vier Jahre Gemeindepräsident bleiben sollte, stellt sich den betreffenden Gemeinderäten allerdings die Frage, ob sie mit mir so weiter verfahren können und wollen oder ob sie Konsequenzen ziehen müssen.

Wie, denken Sie, werden die Worber Stimmberechtigten auf die Wahlempfehlung der Gemeinderäte reagieren? Rechnen Sie sich zusätzliche Sympathiestimmen aus?
Mir persönlich käme es nicht im Traum in den Sinn, dem Volk nahezulegen, den oder den müsst ihr abwählen. Ein solches Vorgehen widerspricht aus meiner Sicht dem Kollegialitätsprinzip. Aber jeder Mensch pflegt für sich gewisse Werte. Es wird sich weisen, wie die Worber Bevölkerung auf dieses Vorgehen reagieren wird.

Welches sind Ihre Werte?
Ich halte am Grundsatz fest, dass ich mich als Teil einer Kollegialbehörde sehe, die gemeinsam als Team die Gemeinde führt. Denn was im Sport gilt, trifft auch für die Politik zu: Wenn eine Mannschaft in sich verkracht ist, hat die Gegenmannschaft den Sieg auf sicher.

Wie gedenken Sie nun das zutiefst erschütterte Vertrauen in die Gemeindeführung wiederherzustellen?
Dieser Frage muss sich die neue Crew dann gemeinsam nach den Wahlen stellen - wie auch immer der Gemeinderat im November zusammengesetzt sein wird.

Und wie steht es mit Vertrauensbildung vor den Wahlen?
Die Gegenseite will Vertrauen herstellen, indem sie mich als Mitglied einer Kollegialbehörde gezielt abschiesst. Damit setzt sie aber gerade das Vertrauen in den Gemeinderat aufs Spiel. Ich setze hinter dieses Vorgehen ein grosses Fragezeichen. (Der Bund)

Erstellt: 24.08.2012, 09:40 Uhr

Zur Person: Niklaus Gfeller

Niklaus Gfeller (EVP) steht der Gemeinde Worb seit 2009 vor. Seit zwei Jahren sieht sich der amtierende Gemeindepräsident Kritik ausgesetzt, die sich vor allem gegen seinen Führungs- und Kommunikationsstil richtet.

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