Eine dankbare «Notlösung»

Das Brückenprojekt des Vereins Panorama-Rundweg Thunersee harzt. Ausgerechnet eine zerstörte Brücke in Beatenberg gibt dem Vorhaben nun etwas neuen Schub – und hilft zugleich der Gemeinde aus der Patsche.

Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus am Standort der geplanten Brücke über den Sundbach.

Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus am Standort der geplanten Brücke über den Sundbach. Bild: Adrian Moser

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Ernüchternde Bilanz nach einem Spendenaufruf für die zerstörte Brücke über dem Beatenberger Sundbach. Gerade mal ein Drittel des notwendigen Betrags kam bis Fristende zusammen. Das Ziel, bis Ende Februar 300'000 Franken zu sammeln, ist weit verfehlt.

Durch einen Murgang wurde das Teilstück des historischen Wanderwegs zwischen Sundlauenen und der Kirche Beatenberg im Januar 2012 weggeschwemmt. «Unser Gemeindebudget erlaubte keine Finanzierung eines Wiederaufbaus», sagt Beatenbergs Gemeindepräsident Christian Grossniklaus. Die Zukunft der Brücke war dadurch ungewiss.

Galt bisher nicht als Priorität

Nun besteht Aussicht auf Rettung in letzter Sekunde. «Der Verein Panorama-Rundweg Thunersee hat uns angeboten, die fehlenden Mittel für die Brücke beizusteuern», sagt Grossniklaus. Im letzten November wollte der Verein davon noch nichts wissen. Die Brücke sei nicht Bestandteil des Panorama-Rundwegs, hiess es damals. Andere Wegabschnitte hätten höhere Priorität.

Der Verein verfolgt die Vision eines zusammenhängenden Fusswegs rund um den Thunersee. Mit einem Budget von fünf Millionen Franken sind sechs Brückenprojekte angedacht – davon realisiert wurden bisher die Panoramabrücken in Sigriswil und Leissigen. Die Körperschaft beabsichtigt unlängst auch bei den Beatushöhlen ein Zeichen zu setzen – mit der Überbrückung des Chrutbachs.

So sollte das Verbindungsstück zwischen der Publikumsattraktion und dem Rundweg optimiert werden. Besagte Pläne scheiterten schliesslich an der bevorstehenden Erweiterung des angrenzenden Steinbruchs. Aufwerten wird man dort künftig lediglich den Wanderweg.

Nun also tönt es so, als hätte der Verein dafür die Einstellung zur Sundbachbrücke revidiert: «Wir erachten das Beatenberger Bauvorhaben als geeignete Alternative zur Brücke über dem Chrutbach», sagt Vizepräsident Roland Luder. Die Strecke diene als ein «idealer Zubringer» von Beatenberg zum Panorama-Rundgang.

Asiatischer Purismus als Vorbild

Das Vorprojekt über den Sundbach sieht eine 75 Meter lange Dreiseilbrücke nach nepalesischer Bauart vor. Um «erneutem Totalschaden» vorzubeugen, solle die neue Brücke rund 20 Meter höher werden als ihre Vorgängerin – demzufolge müsste ein allfälliger Neubau etwas weiter bachabwärts errichtet werden.

Um ein ähnliches Modell handelt es sich bei der Triftbrücke auf dem Grimselpass. Nichtsdestotrotz sollte die neue Beatenberger Brücke ein bescheidenes Bauwerk werden, versichert Grossniklaus. Sie solle einzig dazu dienen, den Bach sicher zu überqueren, ohne nasse Füsse zu bekommen. Mit der Panoramabrücke zwischen Sigriswil und Aeschlen – dem ebenso spektakulären wie umstrittenen 344 Meter langen Besuchermagnet – werde sie allerdings kaum vergleichbar sein.

Ob jemals wieder Passanten die beiden Widerlager über dem Sundbach überqueren, wird sich laut Luder am 3. Juni bei der Generalversammlung des Vereins Panorama-Rundweg zeigen. Die Mitglieder werden über die Brückenerneuerung abstimmen.

Mangelhafte Interessenvertretung

Dass es Beatenberg nicht geschafft hat, das Geld für die Erneuerung zusammenzubringen, ist für den Gemeindepräsidenten nur teilweise nachvollziehbar. Vor allem seitens lokaler Wirte und Hotelbetreiber habe man, so Grossniklaus, «weitreichend Unterstützung» erhalten. Eine «intakte Wegverbindung» stelle gleichzeitig eine «touristische Aufwertung des Gebiets» dar, sagt Grossniklaus. Bescheidener als erwartet seien indes die Beiträge der örtlichen Kirchgemeinden ausgefallen. Obschon der Weg zwischen Sundlauenen und der Kirche Beatenberg bei den Einheimischen seit dem frühen 20. Jahrhundert als bedeutender Kirch- und Wanderweg gilt. (Der Bund)

Erstellt: 26.05.2015, 13:26 Uhr

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