Ein breiteres Bett für den Könizer Problembach

Köniz hat einiges unternommen, um den Scherlibach zu zähmen. Jetzt ist er nicht nur sicher, sondern auch forellenfreundlich.

Der Scherlibach birgt Überschwemmungsrisiko bei Hochwasser.

Der Scherlibach birgt Überschwemmungsrisiko bei Hochwasser. Bild: Manu Friederich

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Die Gemeinde Köniz eine Insel zu nennen, wäre gewiss übertrieben. Aber von viel Wasser umgeben ist sie. Im Nordosten markiert die Aare die Grenze zu Bern, im Südwesten trennt die Sense Köniz vom Kanton Freiburg, und ennet des Laufs des Schwarzwassers liegt Schwarzenburg.

Besonders gefährdet durch Überschwemmungen ist Köniz trotzdem nicht. Die drei grösseren Flüsse an der Grenze richten auch nach heftigen Regenfällen kaum je grössere Schäden an. Ein Problemgewässer allerdings gibt es: den unscheinbaren Scherlibach. Am Längenberg an der Grenze zu Oberbalm entspringend, durchfliesst er die obere Gemeinde auf rund acht Kilometern und mündet bei Thörishaus in die Sense. Dieses Bächlein hat die meisten Hochwasserschäden in Köniz verursacht.

Schrecken von Scherliau

Köniz hat in den letzten Jahren einiges getan, um den Scherlibach zu zähmen. Nun hat die Gemeinde zur Präsentation der vorläufig letzten Massnahme eingeladen – und um zu zeigen, «welche Wege eine Gemeinde beim Hochwasserschutz gehen kann», wie Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne) nicht unbescheiden sagt. Wir sind in der Scherliau, einem idyllischen Weiler hinter Oberscherli. Mehrmals hat der Scherlibach hier sein Bett verlassen. Jetzt plätschert er dahin, zwischen ein paar Wohnhäusern hindurch und vorbei an der Sägerei, die er vor fünf Jahren geflutet hat.

Naturnahen Hochwasserschutz nennt Haudenschild das, was man da sieht. «Mehr Platz» ist die Losung – und hier, weit weg vom dicht besiedelten Gebiet, konnte sie auch umgesetzt werden. Auf einer Strecke von 200 Metern ist das Flussbett des Scherlibachs verbreitert worden. War er vorher in ein eineinhalb Meter breites Korsett gezwängt, hat er nun drei Meter Platz. Das Ufer ist abgeflacht und bepflanzt, erste Wiesenhalme spriessen. Der Bach sei nun nicht nur sicherer, sondern auch ökologisch wertvoller, sagt Haudenschild.

Forellenfreundliches Bett

Ökologisch von Belang sind die 13 Schwellen aus Steinblöcken, die in das Flussbett eingelassen wurden. Sie stauen das Wasser und sorgen dafür, dass sich Kies ablagert. Das freut insbesondere Thomas Vuille, den Chef des kantonalen Fischereiinspektorats. Der Scherlibach sei eigentlich ein ideales Gewässer für Forellen, sagt er. In die Scherliau habe sich allerdings zuletzt kaum mehr ein Fisch getraut. Weil sich der Bach an dieser Stelle nirgends staute, war kein Kies mehr da. Doch Forellen sind auf den Splitt angewiesen, um ihre Eier hineinzulegen und darin Nahrung zu finden.

Die Steinblöcke sind mit einem Eisen festgerammt und miteinander verkeilt. Die Gemeinde hat aus der Vergangenheit gelernt: 2007 hatte Köniz bei der Mündung des Scherlibachs in die Sense in Thörishaus als erste Schweizer Gemeinde eine sogenannte Pendelrampe gebaut – Steinschwellen, die die Wucht des Wassers bremsen sollten. Doch kaum war das Pionierwerk fertig, war es schon wieder kaputt – die Rampe hielt den Wassermassen nach den schweren Niederschlägen im August 2007 nicht stand und musste danach aufwendig repariert werden. In der Scherliau wurden die Brocken nun von Anfang an mit Eisen verrammt. «All zu naturbelassen ist manchmal auch nicht gut», sagt Haudenschild.

Keine 30 000 Franken teuer

Teuer ist das Projekt für die Gemeinde nicht. Von den insgesamt 130 000 Franken übernehmen der Kanton und der Renaturierungsfonds den grössten Teil, Köniz muss weniger als 30 000 Franken berappen. Grössere Wasserschutzmassnahmen stünden in der Gemeinde nun vorerst nicht mehr an, sagt Rita Haudenschild. Sollten neuerlich Bäche über die Ufer treten, mache man sich von neuem ans Werk. (Der Bund)

Erstellt: 26.05.2012, 13:54 Uhr

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