Die stete Suche nach der Perfektion

Organist und Dirigent Jörg Ulrich Busch tritt mit seinem Chor in Ittigen auf.

Jörg Ulrich Busch stellt an seine Sängerinnen und Sänger – und an sich – stets hohe Anforderungen.

Jörg Ulrich Busch stellt an seine Sängerinnen und Sänger – und an sich – stets hohe Anforderungen. Bild: Valérie Chételat

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Nein, es sei nicht das anstehende Konzert, das im schlaflose Nächte bereite, stellt Jörg Ulrich Busch zu Beginn des Gesprächs klar. Vielmehr habe ihn der kleinere seiner beiden Buben in der Nacht zuvor auf Trab gehalten. «Er war krank», sagt er und trinkt einen Schluck Kaffee. Ein wenig nervös sei er aber allemal. «Es ist eine gesunde Nervosität», sagt der 39-Jährige und lacht. Heute und morgen tritt der gebürtige Basler mit dem Cantate-Chor Bolligen in der Steiner-Schule in Ittigen auf. Er leitet den Laien-Chor seit 2005.

Es war nicht zuletzt wegen des Bolliger Chors, dass der Organist und Chorleiter vor über vier Jahren seinen Wohnsitz nicht von Bern nach Zürich verlegte. Während neun Jahren war er als Organist und Chorleiter an der Friedenskirche Bern tätig, ehe er sich 2008 gegen 51 Bewerber aus dem In- und Ausland durchsetzte und die Stelle als Kirchenmusiker im Fraumünster in Zürich ergatterte.

Es sei dies die Erfüllung eines Traums gewesen, sagt Busch. Die Orgel im Fraumünster, die drittgrösste in der Schweiz, sei der Rolls-Royce unter den Orgeln. Der Klang sei einmalig. Der Wechsel nach Zürich bedeutete aber auch Abschied nehmen: Das Dirigat des rund vierzigköpfigen Singkreises der Friedenskirche gab er damals ab. Den Cantate-Chor und auch das Vokalensemble Belcanto Bern wollte er aber weiterhin leiten. «Diese Arbeit war mir sehr ans Herz gewachsen.»

Stets hohe Anforderungen

Für Busch, der es gewohnt ist, mit Profimusikern und -sängerinnen zusammenzuarbeiten, ist die Arbeit mit Laien stets eine grosse Herausforderung. Er dürfe nicht mit derselben Anforderungshaltung ans Werk gehen. Während er bei einem Profis genau wisse, was er erwarten dürfe, brauche er mit Laien immer eine Phase des Abtastens. Doch eines sei immer gleich: «Im Zentrum steht die Suche nach der Perfektion.»

Während der Proben mit dem Cantate-Chor Bolligen seien in ihm manchmal Zweifel aufgekommen, ob es ihm gelingen werde, diese Perfektion aus seinen Sängerinnen und Sängern herauszukitzeln. «Meine Anforderungen waren stets sehr hoch.» Das Werk «Oblivion» des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla sei regelrechter Seelenbalsam, «aber nur, wenn man alles richtig macht». Und bis dahin sei es für alle ein steiniger Weg gewesen - «auch für mich als Dirigenten». Denn damit sich die Sängerinnen und Sänger verbessern könnten, müsse man ihnen klar sagen, wo es hapere. Das könne heikel sein, schliesslich wolle er niemanden verletzen und ihm so die Freude am Singen nehmen.

Und um genau diese Freude geht es im Cantate-Chor Bolligen in erster Linie. «Bei uns gibt es keine Castings. Es dürfen alle kommen, die gerne singen.» Und das sind viele: Seit Busch den Chor übernommen hat, ist die Zahl der Mitglieder von 50 auf rund 100 angestiegen. Dennoch: Manchmal sei es schwierig, genügend Männerstimmen zu finden. Es sei dies ein Problem, das fast jeder Chor kenne. Er habe allerdings das Glück, sehr treue Sänger in seinem Chor zu haben. Auch kann sich Busch jeweils darauf verlassen, bei seinen Projekten von bekannten Musikern unterstützt zu werden. Beim Konzert in Ittigen wird der Bandoneon-Spieler Michael Zisman dabei sein, ein gebürtiger Bolliger. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2013, 15:59 Uhr

Cantate-Chor Programm

Die Konzerte des Cantate-Chors Bolligen «aufregend leidenschaftlich» finden heute um 20 Uhr und morgen um 17 Uhr in der Rudolf-Steiner-Schule in Ittigen statt. Die Abendkasse öffnet 45 Minuten vor Konzertbeginn. Auf dem Programm stehen das Requiem von John Rutter, «Oblivion» von Astor Piazzolla, «Piazzolleana III» von Michael Zisman und Misa Tango von Luis Bacalov.

Bern ist ein gutes Pflaster für Chöre: Neben dem Cantate-Chor gibt es unter anderem den Bach-Chor, den Amadeus-Chor, den Uni-Chor, den Chor im Breitsch, die Westside Singers oder den Orpheus-Chor. (lsb)

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