Porträt

Die blitzgescheite «Chrampferin»

Aliki Panayides (SVP) möchte die erste Gemeindepräsidentin Ostermundigens werden. Sie gilt als zurückhaltend und überlegt, doch mit ihrer politischen Ausrichtung bekunden etliche Mühe.

Aliki Panayides auf der Bernstrasse, gegen deren Umgestaltung sie sich einst erfolgreich gewehrt hat.

Aliki Panayides auf der Bernstrasse, gegen deren Umgestaltung sie sich einst erfolgreich gewehrt hat. Bild: Adrian Moser

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Zum Termin mit dem «Bund» erscheint Aliki Panayides mit dem Auto. Zielsicher zirkelt sie ihren weissen BMW in die enge Parklücke an der Bernstrasse. Die 48-Jährige ist auf einer Mission: Nach zehn Jahren SP-Herrschaft möchte die SVP-Frau das Ostermundiger Gemeindepräsidium wieder in bürgerliche Hand holen. Und: Sie wäre die erste Frau, die der Gemeinde seit ihrer Gründung 1983 vorstehen würde. Das sei aber nicht etwa der Grund, weshalb sie kandidiere, betont Panayides. «Ich bin sicher keine Quotenfrau.» Aber nach vier Jahren im Gemeinderat und als Vize-Gemeindepräsidentin sei sie bereit, dieses Amt zu übernehmen.

Bernstrasse Symbol für Erfolg

Die Fahrt an die für Panayides drei wichtigsten Orte in der Gemeinde (siehe Kasten) beginnt vor dem Lebensmittel-Blaser an der Bernstrasse 32, dem Geschäft ihres Partei- und Gemeinderatskollegen Erich Blaser. Sie hat diesen Ort nicht ohne Grund als Startpunkt gewählt. «Die Bernstrasse symbolisiert den wohl grössten Erfolg meiner bisherigen politischen Karriere.» Vor fünf Jahren hat sie sich zusammen mit Erich Blaser gegen die Umgestaltung der Bernstrasse-West gewehrt. Mit Erfolg. Der Souverän lehnte die Pläne mit 78,5 Prozent so deutlich ab, wie es im Vorfeld niemand erwartet hatte. «Mit diesem Nein haben wir der Gemeinde viel Geld gespart.»

Auch Panayides räumt ein, dass es entlang der Bernstrasse durchaus Verbesserungspotenzial gebe. Aber es dürfe nicht sein, dass dieses Gebiet – «das eigentliche Zentrum Ostermundigens» – zu einem Museum oder einer Betonwüste verkomme. Dafür werde sie sich auch künftig einsetzen. Also zum Beispiel dann, wenn die Pläne für das Tram Region Bern dereinst konkreter werden. Sie sei eine Person, die Projekte überlegt angehe und nicht einfach «dreinschiesse». Und genau so würde sie auch als Gemeindepräsidentin politisieren. So wie sie politisiert, so äussert sie sich auch: Panayides denkt jeweils kurz nach, bevor sie auf Fragen antwortet. Ihre Sätze sind druckreif.

Umgänglich und sachbezogen

Auf der Autofahrt zum zweiten Stopp sind am Strassenrand zahlreiche Wahlplakate zu sehen, von einem lächelt SVP-Frau Aliki Panayides den Vorbeifahrenden entgegen. Es fällt auf, dass das SVP-Logo auf ihrem Poster fehlt. Verleugnet sie damit ihre eigene Partei? Panayides lacht: «Nein, ich stehe voll und ganz zu meinem politischen Hintergrund. Aber bei der Wahl für das Gemeindepräsidium spielt die Partei keine grosse Rolle. Es geht um die Person.» Und die Person Aliki Panayides wird in den höchsten Tönen gelobt: Von Parlamentsmitgliedern jeglicher politischer Couleur wird sie unter anderem als «erfahren», «blitzgescheit», «umgänglich», «anständig» oder «dossiersicher» und als «Chrampferin» beschrieben. Sie sei zurückhaltend und setze sich für die Sache ein.

Mit ihrer politischen Ausrichtung bekunden etliche allerdings Mühe. Als Geschäftsführerin der kantonalen SVP hat sie die Politik ihrer Partei verinnerlicht – auch in Sozial- und Ausländerfragen. Eduard Rippstein, Co-Präsident der Ostermundiger CVP, kritisiert ihre «sehr extreme Haltung in Bezug auf Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen». Viele irritiert insbesondere ihre strikte Haltung in Ausländerfragen. So hat sich Panayides auch schon in der «Arena» – damals noch in ihrer Funktion als stellvertretende Generalsekretärin der SVP Schweiz – gegen die «zu lasche Einwanderungspolitik» gewehrt. Ihr sei immer wieder vorgeworfen worden, dass sie kein Herz habe, sagt Panayides. «Das hat mich sehr getroffen.» Sie habe nichts gegen Ausländer, sondern setze sich in erster Linie für die Schweizer ein.

Ihre klare Haltung in der Ausländerfrage irritiert nicht zuletzt, weil ihr Vater zu Beginn der 1960er-Jahre selbst als Einwanderer in die Schweiz kam, wo er schliesslich eine Schweizerin heiratete. Und er hat getan, was sich Panayides auch von anderen Einwanderern wünscht: «Er hat sich nie beklagt und sich den hiesigen Regeln angepasst.»

Öffentliche Sicherheit behagt ihr

Zweiter Stopp auf dem Rundgang ist an der Forelstrasse, wo sich sowohl das Feuerwehrmagazin wie auch der Werkhof befinden. Diesen Standort habe sie gewählt, weil dies «gewissermassen das Zentrum für Infrastruktur und Sicherheit» der Gemeinde sei. «Die Männer, die hier arbeiten, sind tagtäglich dafür besorgt, dass die Strassen geräumt, der Abfall entsorgt und die Sicherheit auch bei Feuer und Sturm gewährleistet ist.» Auch politisch verbinde sie viel mit diesem Ort: Hier begann ihre politische Tätigkeit in Ostermundigen, als sie 2000 in die Kommission für öffentliche Sicherheit einzog. Und hierhin kehrte sie später auch als Gemeinderätin zurück: Nachdem sie während zweier Jahre das Sozialdepartement geleitet hatte, übernahm sie 2010 die öffentliche Sicherheit – «es ist ein Gebiet, das mir behagt».

Mit Herzblut für das Gewerbe

Es ist Zeit, zum dritten symbolträchtigen Ort aufzubrechen. Auf der Fahrt in die Gewerbezone Tägetli am anderen Ende der Gemeinde bleibt Zeit, auf ihre Kandidatur einzugehen. Hinter vorgehaltener Hand heisst es nämlich, dass Panayides das Gemeindepräsidium gar nicht suche und sich nur zur Verfügung gestellt habe, weil ihr Kollege Erich Blaser nicht wollte. Panayides muss lachen. Hätte man sie vor zehn Jahren für dieses Amt angefragt, hätte sie sicher abgelehnt. Jetzt sei das aber anders: Sie habe sich diese Kandidatur sehr genau überlegt und sei überzeugt, das Richtige zu tun. «Ich bin mit Herzblut dabei.»

Mit viel Herzblut will sie sich bei einer Wahl auch für eine starke Wirtschaft einsetzen. Deshalb habe sie die Gewerbezone als dritten Standort gewählt. Dabei gehe es einerseits um gute Rahmenbedingungen für die ansässigen Unternehmen. Andererseits sei es sicher ihr Ziel, neue Firmen nach Ostermundigen zu holen. Um dies zu erreichen, sei eine Senkung der Gebühren und der Steuern nötig. «Mittelfristig muss der Steuerfuss jenem Berns angepasst werden. Sonst kommt die Frage auf, warum wir nicht gleich fusionieren.»

Sollte Panayides Gemeindepräsidentin werden, möchte sie die Bürgerinnen und Bürger so behandelt wissen, wie sie es aus dem Hotel ihrer Familie kannte – «mit einer kompetenten Réception und einem eingespielten Team». (Der Bund)

Erstellt: 12.11.2012, 07:46 Uhr

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In zwei Wochen entscheidet die Ostermundiger Stimmbevölkerung, wer die Nachfolge von Christian Zahler (SP) antreten soll. Drei Personen stellen sich zur Wahl: SVP-Gemeinderätin Aliki Panayides, SP-Parlamentarier Norbert Riesen sowie Thomas Iten (parteilos), der bis im Februar für die SP im Gemeinderat sass. Der «Bund» hat die Kandidierenden einzeln auf einen Rundgang durch die Gemeinde begleitet. Dieser wurde mit dem Fortbewegungsmittel ihrer Wahl absolviert. Es wurde an drei Orten haltgemacht, die für die Kandidierenden symbolträchtig sind. Den Auftakt macht Aliki Panayides. Die studierte Archäologin sitzt seit 2008 für die SVP im Gemeinderat. Davor war sie Mitglied im Parlament, zwischen 2004 und 2008 als SVP-Fraktionschefin. Die 48-Jährige ist Geschäftsführerin der SVP Kanton Bern und wohnt seit 20 Jahren in Ostermundigen.

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