Die Zukunft des Hangars steht auf dem Spiel

Ostermundigen will seine Jugendarbeit spielerisch neu planen.

Im Hangar haben GEnerationen ihre Jugend verbracht. Nun vermiesen Nachbarn die Party.

Im Hangar haben GEnerationen ihre Jugend verbracht. Nun vermiesen Nachbarn die Party.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Naomi Jones

Ist der Hangar noch zeitgemäss? Der 15-jährige Tiago und der 13-jährige Nidal verlassen gerade das Schulhaus. Sie kennen das Jugendzentrum nicht. Anders die beiden 13-jährigen Mädchen Janitha und Alessandra. Sie kennen es. «Wir gehen aber nicht hin.» Erst der 15-jährige Faton sagt, er besuche den Hangar regelmässig zum «Chillen». Ostermundigen will herausfinden, ob die Jugend das sanierungsbedürftige Zentrum noch braucht.

30 Jahre war der Hangar ein beliebtes Jugendzentrum am Rand von Ostermundigen. Generationen haben dort ihre Jugend verbracht. Doch seit ein paar Jahren ist die Partylaune getrübt. Rund um das Jugendzentrum sind neue Häuser und Wohnungen gebaut worden. Lärmklagen der neuen Nachbarn haben bewirkt, dass pro Jahr nur noch drei Mal bis tief in die Nacht gefeiert werden darf. Die nötige Sanierung mit Schallisolation, die Abhilfe schaffen könnte, würde die Gemeinde zwischen 500?000 und einer Million Franken kosten. «Das ist sehr viel Geld», sagt Gemeinderat Synes Ernst (CVP). Umso mehr, als sich die Bedürfnisse der Jugendlichen laufend veränderten. «Eine Generation will eine Skateranlage, die nächste erfindet das Seilspringen als Trend», sagt er. Die Skateranlage bleibe dann verwaist. Andererseits sei das Jugendzentrum Hangar in Ostermundigen ein Mythos. «Wer hier dazugehören will, muss seine grosse Party im Hangar gehabt haben.»

Ideen kneten und diskutieren

Um herauszufinden, was die Gemeinde einerseits mit dem Hangar anfangen soll, und wie sie andererseits die Jugendarbeit gestalten will, lädt das Jugendamt zum Stadtspiel ein. Rund 40 Interessierte aus Vereinen, aus der Bevölkerung und Jugendliche spielen heute gemeinsam im Hangar. Dabei sollen sie Ideen für die Zukunft der Jugendarbeit in Ostermundigen und damit für die Zukunft des in die Jahre gekommenen Jugendzentrums entwickeln. «Sie müssen ihre Ideen mit Knetmasse darstellen und gemeinsam darüber diskutieren», erklärt Ernst.

Ernst ist selbst leidenschaftlicher Spieler und Spielexperte. Er kennt den Autor des Stadtspiels und hat die Gemeinde dazu angeregt, es als eine Form von Mitwirkung in Ostermundigen anzuwenden. «Man kann keine Jugendarbeit machen, ohne die Bedürfnisse der Betroffenen zu kennen», sagt er. Allerdings müssten auch die Politiker mitreden können. Eine Moderatorin begleitet das Spiel und wird die Ergebnisse auswerten. «Die Ideen sind anschliessend die Basis, um die Jugendarbeit in Ostermundigen weiterzuentwickeln», sagt der Departementsleiter Soziales.

Doch was wünschen sich die jungen Leute von Ostermundigen? Tamara Dellsperger ist Präsidentin der Jugendmusik. Sie wird am Spiel ihren Verein vertreten. Die 24-Jährige wohnt und arbeitet in Ostermundigen. Daneben studiert sie in Freiburg. Für den Verein wünscht sie sich einen grösseren Konzertsaal in Ostermundigen. Die eigene Freizeit verbringe sie aber auch in der nahen Stadt. «Dort treffe ich Freunde, gehe ins Kino oder an Festivals wie das Buskers», sagt sie. Ostermundigen ziehe sie zum Ausgehen weniger an. «Bern ist zentral und das Angebot vielfältig.»

Janitha und Tiago hingegen gefällt es in Ostermundigen. Sie und ihre Kameraden Tina und Tim vermissen nichts. «Ausser vielleicht ein paar Kleider- und Sportartikelläden», sagt Tina. Faton fände ein Shoppingzentrum toll: «Dann müssten wir nicht mehr ins Wankdorf.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt