Die Tage des Flughafen-Tower sind gezählt

Demnächst beginnt der Abbruch des altehrwürdigen Kontrollturms auf dem Flughafen Belp. Er weicht einer neuen Lounge-Terrasse und einer Taxi-Vorfahrt.

  • loading indicator
Adrian Müller@mueller_adrian

Während die Deutschen 1954 im WM-Final gegen Ungarn im Stadion Wankdorf das Wunder von Bern feierten, erlebte der Flughafen Bern zumindest eine technische Revolution: Im Sommer 1954 nahm die damalige Radio Schweiz AG (Vorgängerin der Luft­raum­über­wachung Skyguide) den in aller Eile erstellten, komplett aus Holz gebauten Kontrollturm auf dem Belpmoos in Betrieb. Grund für die Dringlichkeit: Die Swissair brauchte damals für ihre täglichen Direktflüge von Bern nach London und zurück mit der Douglas DC-3 dringend eine professionelle Flugsicherung mit Anflug-Leitdienst.

Die charakteristische Kanzel des alten Kontrollturms wurde übrigens erst 1978 im Zuge einer Modernisierung auf den Turm gesetzt. «Die knarrende Holztreppe aus den Anfangszeiten blieb aber bestehen», sagt Rolf Ellwanger, Buchautor und Belpmoos-Chronist. Für Flugverkehrsleiter mit einer schwachen Blase war der alte Tower trotz der guten Aussicht alles andere als ein geeigneter Arbeitsort: «Die Luftraumüberwacher mussten jeweils die lange Treppe runtersteigen und im Flughafen-Restaurant aufs stille Örtchen gehen», schildert Ellwanger.

Tower steht seit Jahren leer

Inzwischen ist nicht nur die Swissair ­Geschichte. Auch für den altehrwürdigen Tower schlägt das letzte Stündchen. Am Montag starten auf dem «Möösli» die rund zweiwöchigen Abbrucharbeiten. «Ein Stück Flughafengeschichte verschwindet. Wir konnten den Tower aber nicht verlottern lassen. Ein Abbruch hat sich aufgedrängt», sagt Flughafendirektor Mathias Häberli. Nicht zuletzt, weil der alte Kontrollturm seit Jahren leer steht. 1998 zügelten die Berner Skyguide-Flugverkehrsleiter in den markanten, 22 Meter hohen Tower südlich des Terminal.

Danach hat der Flughafen mehrere Anläufe unternommen, um dem dreistöckigen Gebäude neues Leben einzuhauchen. So konnten bis im Jahr 2010 Aviatik-Fans im Tower Café in luftiger Höhe die Aussicht auf den Flugbetrieb und das Alpenpanorama geniessen. Das Tower-Beizli erreichte aber nie Reiseflughöhe: Mehrere Pächter erlebten mit dem Tower Café eine Bruchlandung.

Denn der Ansturm der Gäste hielt sich oftmals in Grenzen: «Kaum jemand wollte die 42 Treppenstufen hochsteigen», sagt Ellwanger weiter. Daneben kämpften die Betreiber mit feuerpolizeilichen Auflagen, welche die Bewirtung in der Kanzel erschwerten.

Dass es auch anders geht, zeigt der Flughafen Zürich: Dort kann der alte Kontrollturm für Apéros und sogar Hochzeiten gemietet werden.

Kontrollturm weicht Lounge

Der Abriss des Tower macht für den Flughafen Bern den Weg frei, den Vorplatz des Passagierterminals neu zu gestalten. So wird etwa die Vorfahrt für Taxis und Busse verbessert. «Der Komfort für die Passagiere soll verbessert werden», so Häberli.

Nutzniesser ist auch die Gastrogruppe ZFV, welche die Cafébar und den Kiosk im Terminal per 1. Juni 2015 vom bisherigen Betreiber Valora übernimmt. «Wir möchten die Terrasse vor dem Eingang mit einer Lounge aufwerten», sagt Christoph Menti von ZFV. Derzeit beschränke sich die Bewilligung auf 30 Aussensitzplätze.

Für die Erweiterung der Terrasse müsse daher noch ein Baugesuch ein­gereicht werden. Weiter ersetzen die Flughafenbetreiber einen Teil des Maschendrahtzauns durch eine Glaswand. Auch innerhalb des Terminals plant ZFV ein Facelifting des Gastrobereichs. Direkt neben dem Eingang wird zudem ein Convenience-Laden eingerichtet. Wie viel der Umbau kostet, können weder ZFV noch der Flughafen beziffern.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt