Die Auto-Partei verliert ihren letzten Amtsträger

Der Sohn des Auto-Partei-Präsidenten tritt zur SVP über. Martin Scherrer will die politischen Kräfte am rechten Rand in Biel stärken.

Mit dem Austritt von Martin Scherrer wird die Auto-Partei empfindlich geschwächt.

Mit dem Austritt von Martin Scherrer wird die Auto-Partei empfindlich geschwächt. Bild: zvg

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Der Bieler Auto-Partei-Stadtrat Martin Scherrer tritt zur SVP über. Mit dem 31-Jährigen kommt die Volkspartei zu einem zweiten Sitz im Stadtparlament. Die Bieler SVP-Führung zeigte sich in einer Mitteilung von gestern über «den überraschenden Parteibeitritt Scherrers» sehr erfreut.

Der Sohn des ehemaligen Bieler Gemeinderats Jürg Scherrer werde dazu beitragen, dass die Bieler SVP ihren Kurs fortsetzen könne. Martin Scherrer selber sieht in seinem Übertritt zur SVP einen Schritt zur Bündelung der Kräfte: «Nach der Phase der Zersplitterung sollte nun eine Konsolidierung einsetzen», lässt sich Scherrer in der Mitteilung der SVP zitieren.

2010 war es in der Bieler SVP zum Hauskrach gekommen: Sämtliche Parlamentarier und der nebenamtliche Gemeinderat René Schlauri traten aus der Partei aus und gründeten die Bieler Volkspartei (BVP). Auslöser war der Entscheid der kleinen SVP-Ortssektion, den SP-Sitz des zurücktretenden Stadtpräsidenten Hans Stöckli im Gemeinderat anzugreifen.

SVP war dem Vater zu gemässigt

Martin Scherrer war schweizweit der letzte Amtsträger der Auto-Partei. Die Partei war 1985 von Michael Dreher gegründet worden und sollte ein Gegengewicht zur grünen Bewegung sein. Die Partei hatte bis in die Neunzigerjahre hinein Erfolg – unter anderem wegen Jürg Scherrer, der als Nationalrat und Parteipräsident eine wichtige Rolle spielte. Mit dem Erstarken der SVP und internen Querelen verlor sie jedoch national an Bedeutung. Auch der Namenswechsel hin zu Freiheits-Partei vermochte den Niedergang nicht zu stoppen.

Einzig in Biel hielt sich die Partei mit Scherrers Vater an der Spitze noch lange. Doch auch hier kam es zu Querelen, als sich die Basis von ihrem Übervater zu emanzipieren versuchte. Scherrer senior kritisierte damals unter anderem die Annäherung an die Bieler SVP, die ihm als zu gemässigt erschien. Als Jürg Scherrer schliesslich 2008 nach 16 Jahren als Gemeinderat nicht mehr zu den Wahlen antrat, verlor die Partei nicht nur ihren vollamtlichen Sitz in der Stadtregierung, sondern büsste auch vier der einst sieben Stadtratssitze ein.

2009 versuchte die Partei mit einem Namenswechsel zurück zu Auto-Partei wieder Fahrt aufzunehmen – was allerdings nicht gelang. Jürg Scherrer ist heute noch Parteipräsident. (sda/rw)

Erstellt: 04.05.2012, 07:20 Uhr

Neo-SVP-Stadtrat Martin Scherrer. (Bild: zvg)

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