Der Mann in der eisigen Maske

Porträt

Der Berner Feuerwehrmann Bruno Boppart ist nach seinem eisig kalten Einsatz in Rüfenacht wieder aufgetaut.

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Er war am letzten Montag sprichwörtlich in seinem Element: An Schutzkleidung, Handschuhen, Visier und Helm - überall hatte sich das gefrorene Löschwasser in Form einer dicken Eisschicht an Korporal Bruno Boppart festgesetzt. Gerade mal eine halbe Stunde gegen das Grossfeuer im Rüfenachter Gasthaus Zur Sonne im Einsatz, verwandelte sich der Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr Bern in eine wandelnde Eisskulptur. Als solche hat Boppart die Zeitung erobert: «Wenn die Feuerwehr im Eis erstarrt», titelte der «Bund» am Mittwoch auf der Aufschlagseite. Zu sehen war der Korporal während seines Extremeinsatzes in Kälte und Wind. Zu erkennen war er allerdings nicht: Seine Atemschutzmaske war schlicht zu vereist.

Als das Bild geschossen wurde, habe er sich gerade angeschickt, das Atemschutzgerät auszutauschen. Dass er dabei fotografiert wurde, hat er gar nicht bemerkt. «Ich war zugegebenermassen überrascht, dass ich es auf die Frontseite einer Zeitung gebracht habe», sagt Boppart. «Das schafft sonst nur, wer etwas ganz gut oder ganz schlecht gemacht hat. Ich aber habe nur meinen Job gemacht.»

«Während des Einsatzes spürte ich die Kälte eigentlich nicht»

Allerdings war es ein Job, der ihm aufgrund der extremen Wetterbedingungen im Gedächtnis bleiben wird. Die Temperatur sank in der Nacht von Montag auf Dienstag bis auf minus 15 Grad Celsius. «Während des Einsatzes spürte ich die Kälte eigentlich nicht. Das kommt erst später.» Dann, wenn man Zeit habe, kalt zu haben - wenn das Gröbste geschafft ist und sich der Einsatz dem Ende zuneigt.

In über zehn Jahren Dienst im Korps der Berufsfeuerwehr hat der 37-Jährige schon viele Einsätze geleistet. Er war bei Personen- und Tierrettungen, Wasserschäden, Chemie- und Betriebsunfällen dabei. So viel Eis wie am letzten Montag hat er aber noch nie abbekommen. Und das will etwas heissen. Denn Boppart ist Feuerwehrmann durch und durch. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Und den Beruf zum Hobby. «Die Grenzen sind in meinem Fall fliessend.»

«Wie in einer Familie»

Während sein Vater bei der Freiwilligen Feuerwehr war und der Grossvater bei der Berufsfeuerwehr angeheuert hat, engagiert sich Bruno Boppart sowohl während seiner Arbeits- als auch in seiner Freizeit als Feuerwehrmann: als Profi in Bern, als Milizler in Kirchberg. Dann, wenn andere Menschen den Feuerwehrautos mit Blaulicht und Martinshorn nachsehen, hockt er drin.

Wenn ein Alarm ertöne, laufe vor seinem geistigen Auge quasi ein Film ab. «Sobald klar ist, wo der Einsatzort ist, versuche ich mich zu erinnern: War ich da schon einmal, wie sieht es da aus, welches Gebäude steht da.» Das helfe ihm, sich auf den Einsatz vorzubereiten. «Ich konzentriere mich jeweils darauf, was meine Aufgabe ist.» So gehe vieles einfacher – selbst dann, wenn ihm das Adrenalin ins Blut schiesse. Werde er beispielsweise zu einem Unfall gerufen, so sehe er nicht die Person, sondern seine Arbeit. Oder eben die auszutauschende Sauerstoffflasche – und nicht den Fotografen. «So hat jeder seine Methode, mit dem Druck umzugehen.»

Komme es hart auf hart, dann bespreche er einen Einsatz im Nachgang auch schon mal mit seinen Kollegen. «Wir sind ein eingespieltes Team. Der Zusammenhalt ist extrem stark - wie in einer Familie.»

24 Stunden dauert seine Schicht jeweils. Dann geht Boppart von seinem «zweiten Zuhause», der Feuerwehrkaserne, nach Hause zu seiner «richtigen» Familie. «Bei meiner Familie finde ich den Ausgleich zu meiner Arbeit.» Dann etwa, wenn er seinen Söhnen beim Eishockey zusieht oder seiner Tochter beim Eiskunstlauf. Oder aber, wenn er mit seinen Liebsten in den Urlaub fährt. Aber auch dort lassen ihn Hobby und Beruf nicht einfach los. Wenn andere im Hotel als Erstes den Swimmingpool suchen, sucht Boppart den Fluchtweg. Eine Art Berufskrankheit, wie er sagt.

Der Bund

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