Der Flughafen schrumpft, aber er wird überleben

Ausblick Regierungsrat Christoph Ammann glaubt an den Flughafen Bern-Belp. Experten sehen seine Zukunft aber eher im Business- als im Linienflugbereich.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit 183'000 Fluggästen war der Flughafen Bern 2017 der viertgrösste der Schweiz. Bleibt die Lücke, die das Grounding von Skywork reisst, dürfte Bern-Belp auf Platz sechs zurückfallen. Hinter dem Berner Airport befinden sich momentan Lugano-Agno und St. Gallen-Altenrhein. Diese drei mittleren Flughäfen haben gegenüber den grossen mit Millionen von Passagieren einen Vorteil: Die Abfertigung ist zügiger, man gelangt meist rascher und entspannter ins Flugzeug. Dafür ist die Anreise per ÖV umständlicher und das Flugangebot kleiner und teurer.

An diesem Businessmodell zweifeln im Falle Berns Experten seit längerem: «Bern ist zu klein für die Regionalfliegerei – zumindest, wenn die öffentliche Hand den Betrieb nicht subventionieren will», sagt etwa der Chefredaktor des Branchenblatts «Sky News», Hansjörg Bürgi.

Subventionen für die Linienfliegerei ab Bern wird es aber auch künftig nicht geben, wie der bernische Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) klarmacht: Dafür fehle die rechtliche Basis. Dennoch ist Ammann optimistischer als Bürgi: «Ich nehme an, dass mindestens die rentablen Verbindungen von anderen Gesellschaften übernommen werden», sagt er.

Dass Bern-Belp wieder zur Heimbasis einer Airline wird wie bei Skywork, glaubt auch Ammann nicht. Der Flughafen werde den Schlag aber selbst dann überleben, wenn alle bisherigen Skywork-Flüge auf Dauer wegfallen würden und damit ein Drittel des Ertrags der Flughafen Belp AG. Denn die Geschäftsfliegerei in Bern sei im Aufwind.

Diese Einschätzung teilt «Sky News»-Chefredaktor Bürgi. «Die Businessfliegerei ist eine lukrative Nische.» Auf den grossen Flughäfen wie Zürich oder Genf finde sie aber immer weniger Platz. In die Bresche springen könnte aus Sicht von Bürgi der Flughafen Bern: Wenn dieser wie beabsichtigt ein VIP-Gebäude erstelle, sei dies «absolut zukunftsgerichtet».

Alex Gribi, der Gründer von Skywork, sieht dies ebenso. Er sattelte nach dem Verkauf der Gesellschaft im Jahr 2008 in den Businessbereich um. Seine Firma Alpine Sky Jets erstellt derzeit in Bern-Belp ein eigenes Gebäude für Business-Jets. Zum Aus von Skywork meint Gribi: Seiner Meinung nach seien die Skywork-Tickets zu teuer gewesen: «Damit wurden preisbewusste Kunden in die Arme der Low-Cost-Anbieter in Genf oder Basel getrieben.»

Unklare Folgen für Tourismus

Die Bedeutung des Flughafens für den Kanton Bern bleibt für Volkswirtschaftsdirektor Ammann auch in redimensionierter Form ungebrochen. Von Unternehmen im Kanton Bern werde er geschätzt, und bei den Bemühungen des Kantons zur Ansiedlung neuer Firmen sei er ein «willkommenes Argument». Eine Studie aus dem Jahr 2011 habe ergeben, dass der Flughafen dem Kanton eine Wertschöpfung von 174 Millionen Franken bringe. 500 Arbeitsplätze hingen direkt oder indirekt davon ab.

Allerdings wird es bei der Wertschöpfung mit dem Skywork-Grounding Abstriche geben: Die Linienflüge brachten neben Geschäftsleuten auch Touristen nach Bern. Wegen seiner touristischen Bedeutung wurden dem Flughafen jüngst sogar Bundesgelder aus dem Topf zur Förderung von Berggebieten und des ländlichen Raums versprochen. Damit soll der Flughafen fit für die Zukunft gemacht werden.

Neue Vorschriften verlangen eine Trennung der Charter- und Linienfliegerei von der Kleinfliegerei. Der Kanton Bern, der zwei Prozent der Flughafenaktien hält, beteiligt sich ebenfalls an den Gesamtkosten von 17,7 Millionen Franken: Der Regierungsrat bewilligte die Bürgschaft für ein zinsloses Darlehen in der Höhe von zwei Millionen Franken. Zudem sprach der Grosse Rat im März zwei weitere Millionen im Rahmen des Bauprogramms. Zwischen 2004 und 2012 hat der Kanton insgesamt 16 Millionen Franken in den Flughafen investiert, unter anderem in die Verlängerung der Piste.

Ob der Ausbau nun wie geplant umgesetzt wird, konnte die Flughafen Belp AG gestern nicht sagen. Der Kanton will laut Ammann keinen Druck aufsetzen. «Nun gilt es vorerst, die Krise zu bewältigen. Danach schauen wir weiter.» (Der Bund)

Erstellt: 30.08.2018, 20:48 Uhr

Artikel zum Thema

Berner fliegen lieber ab Zürich

Leitartikel Das Grounding von Skywork ist schlimm für den Flughafen, aber nicht für Bern: Mit den drei Landesflughäfen ist die Bundesstadt auch ohne eigene kommerzielle Airline gut versorgt. Mehr...

Stille am Gate – Hektik hinter den Kulissen

Die Fluggesellschaft Skywork ist nicht die erste, die sich auf dem Belpmoos schwertut. Die Flughafenbetreiber stehen mit anderen Airlines im Kontakt und hoffen, dass diese einspringen. Mehr...

«Erste Priorität ist, eine alternative Fluggesellschaft zu finden»

Am Tag nach dem Grounding von Skywork hat der Direktor des Berner Flughafens Mathias Gantenbein bereits Gespräche mit anderen Fluggesellschaften aufgenommen. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...