Der Dreikampf wird zum Duell

Eine «Bund»-Analyse der Resultate der Könizer Wahlen zeigt: Trotz drei Kandidaten für den zweiten Wahlgang ums Gemeindepräsidium kommt es zum Kampf zwischen SP und FDP.

Der Dreikampf von Annemarie Berlinger (SP), Hans-Peter Kohler (FDP, links) und Thomas Brönnimann (GLP, rechts) spitzt sich zu.

Der Dreikampf von Annemarie Berlinger (SP), Hans-Peter Kohler (FDP, links) und Thomas Brönnimann (GLP, rechts) spitzt sich zu.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Rudolf Burger

Annemarie Berlinger 3511 Stimmen, Hans-Peter Kohler 2546 und Thomas Brönnimann 1659 – das war die Reihenfolge bei der Gemeindepräsidentenwahl in Köniz am 24. September. Diese drei Kandidaten treten am 22. Oktober noch einmal an. In ihren Resultaten widerspiegeln sich die Parteistärken in der Gemeinde Köniz: SP vor FDP und GLP. Weil die Wahl in den Gemeinderat aber nach dem Proporzsystem geschieht, kann unabhängig von den Parteistärken auch die Frage nach der Popularität beantwortet werden. Grundlage dafür sind die Panaschierstimmen auf 1000 Listen.

Gemäss der Tabelle, in der die besten 10 von insgesamt 39 Gemeinderatskandidaten berücksichtigt sind, belegen die effektiv gewählten Gemeinderäte die Plätze 1 bis 5. Die SP-Gemeinderatskandidatin Annemarie Berlinger führt auch diese Popularitäts-Rangliste mit 132 Panaschierstimmen auf 1000 Listen an. Sie hat ihren Spitzenplatz den vielen Stimmen von Grünen und Grünliberalen zu verdanken, GLP-Mann Thomas Brönnimann den zweiten Rang und Hansueli Pestalozzi (Grüne) den dritten den Stimmen von der SP. Die bürgerlichen Parteien waren untereinander beim Panaschieren weniger freigebig, was die schlechtere Rangierung von Hans-Peter Kohler (FDP) und Christian Burren (SVP) erklärt. An dieser Tabelle fällt weiter auf, dass Thomas Frey (BDP) und Bernhard Zaugg (EVP), deren Parteien einen Sitzgewinn im Gemeinderat bei weitem verpassten, ein sehr gutes persönliches Resultat erzielt haben.

Was bedeuten die Zahlen für die Stichwahl ums Gemeindepräsidium? Die Verteilung nach Panaschierstimmen würde vermuten lassen, dass die Stimmen der Grünen eher an Berlinger als an Brönnimann gehen werden, die Stimmen der SVP hingegen an Kohler. Zu vermuten ist, obwohl Brönnimann punkto Popularität gut abgeschnitten und sich auch die BDP für ihn ausgesprochen hat, ein Zweikampf zwischen Berlinger und Kohler – mit offenem Ausgang.

Die Popularitätsrangliste der insgesamt 228 Kandidaten, die sich um einen Sitz im 40-köpfigen Grossen Gemeinderat beworben haben, wird von zwei grünen Frauen angeführt: von Christina Aebischer mit 79 Panaschierstimmen auf 1000 Listen knapp vor Iris Widmer 78. Es folgen auf Rang 3 Bernhard Zaugg (EVP, 76 Stimmen), Markus Will (SP, 70) und Barbara Thür (GLP, 69). 11 dieser 20 sind Frauen, Kandidatinnen haben also gut abgeschnitten.

Bürgerliche schlechter platziert

Auffallend ist, dass 16 dieser 20 Spitzenkandidaten für das Gemeindeparlament sich auch für den Gemeinderat bewarben, also von zusätzlicher Werbung profitieren konnten. Auffallend ist weiter auch die schlechtere Platzierung der Kandidaten der bürgerlichen Parteien FDP und SVP: Beat Haari, der bestplatzierte der FDP, belegt mit 58 Stimmen Rang 12, Kathrin Gilgen (SVP) mit 48 Stimmen Rang 20. Die Erklärung dafür liegt vor allem darin, dass die Wähler von SVP und FDP deutlich weniger Panaschierstimmen verteilt haben als Grüne und SP, wie ein Vergleich zeigt: Von einer Liste der SVP wurden im Durchschnitt 1,3 Panaschierstimmen verteilt, von einer Liste der Grünen mit 2,5 fast doppelt so viele. Die beiden bürgerlichen Parteien SVP und FDP können sich also damit rühmen, dass ihre Anhänger disziplinierter wählen als jene von SP und Grünen.

Der Bund

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