«Das ist leider eine Realität»

Im Büschiwald in Köniz starb ein 15-Jähriger nach einer Waldparty. Laut der Polizei hatte er LSD genommen. 
Sind Drogenexperimente verbreiteter als angenommen? Hannes Hergarten von Contact-Netz Bern antwortet.

Bei der Party vor einer Woche im Büschiwald war LSD im Spiel.

Bei der Party vor einer Woche im Büschiwald war LSD im Spiel.

(Bild: Adrian Moser)

Matthias Raaflaub



Hannes Hergarten, eine Party im Büschiwald vor einer Woche 
endete für einen 15-Jährigen tödlich. Untersuchungen haben ergeben, dass dabei LSD im Spiel war.

HANNES HERGARTEN: Ich kann mich nicht zu diesem tragischen Todesfall äussern. Ob LSD wirklich einen Zusammenhang mit dem Tod des Jugendlichen hatte, ist auch noch nicht geklärt.

Ist die Droge LSD denn bei Jugendlichen angesagt?
Unsere Erfahrungen beziehen sich vor allem auf das Nachtleben. Da kann man sagen: LSD ist im Gegensatz zu Stimulantien, das heisst Substanzen mit einer aufputschenden Wirkung, tendenziell weniger verbreitet (siehe Kasten). Auf bestimmten Tanzveranstaltungen, etwa Goa-Partys, ist der Konsum von LSD angesagt, und es kann Kreise geben, wo diese Substanz beliebt ist. Es könnte sein, dass eine Erlebnis-Droge wie LSD bei den Jungen wieder attraktiver wird. Wir haben aber keine Anzeichen, damit wir einen solchen Trend bestätigen könnten.

Schon sehr kleine Dosierungen von LSD haben eine starke Wirkung. Ist es heute verbreitet, dass Minderjährige in Kontakt mit illegalen Drogen kommen?
Wir hören ab und zu von Jungen, dass sie Erfahrungen mit solchen Substanzen gemacht haben – gerade an Festivals. Es ist nicht geschickt, im jungen Alter solche Drogen auszuprobieren. Leider ist das aber eine Realität.

Ausprobiert wurde wohl immer schon. Trauen sich die Jungen heute denn an stärkere Drogen als früher?
So generell stimmt das nicht. Jungendliche sind sicher etwas offener, risikobereiter und gehen Konsumerlebnisse naiv an. Zum einen, weil zum Jugendalter Naivität gehört, und zum anderen, weil Jugendliche oftmals keine Verbindung zur Geschichte des Drogenkonsums herstellen können. Beispielsweise, weil sie Bilder wie jene vom Platzspitz oder Letten in Zürich im Gegensatz zu uns nicht im Kopf haben. Schlecht ist aber auch, dass gar nicht differenziert wird, wenn es um illegale Drogen geht. Dies nicht aus bösem Willen, sondern oftmals aus Unwissenheit oder Unbehagen dem Thema gegenüber.

Das heisst?
Wer von seinem Elternhaus hört, dass alle illegalen Drogen vom Teufel sind, wird später auch beim Konsum nicht differenzieren. Die Jungen werden früher oder später im Ausgang mit dem Thema Drogen in Berührung kommen. Dann ist es wichtig, dass sie wissen, welche Wirkungen, Risiken und Gefahren diese haben. Es kann sein, dass jemand wegen einer illegalen Droge eine berauschende Nacht erlebt, die ihm gut in Erinnerung bleibt. Aber deshalb greift er das nächste Mal vielleicht undifferenziert zu etwas anderem, etwas Neuem, etwas Unüberlegterem. Diese Tendenz, «illegal gleich scheissegal», ist verbreitet.

Wie kann man Jugendliche dann vor den Gefahren schützen?
Es ist unsere Aufgabe, zu erklären, dass bei den illegalen Drogen eben nicht alles «Hans was Heiri» ist. Es zeigt sich, dass Themen wie der Umgang mit Drogen, gleich übrigens wie etwa der gewissenhafte Umgang mit den neuen Medien, immer früher thematisiert werden müssen. Auch in diesem Fall: Dass 15- bis 17-Jährige mit LSD in Kontakt kommen, beweist, dass es sehr wichtig ist, frühzeitig aufzuklären.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt