Bienensterben im Emmental: Experten stehen vor einem Rätsel

Natur

Im Emmental werden Bienenvölker getötet, weil sie krank sind. Sind illegale Pflanzenschutzmittel der Grund? Imker, Bauern und Behörden haben noch keine Beweise.

Die wenigen überlebenden Bienen haben in einer kleinen Kiste Platz: Der Imker Jakob Fankhauser aus Zäziwil.

Die wenigen überlebenden Bienen haben in einer kleinen Kiste Platz: Der Imker Jakob Fankhauser aus Zäziwil.

(Bild: Valérie Chételat)

Jakob Fankhauser ist ratlos. Der Imker aus Zäziwil hält 13 Bienenvölker. Die Kästen sollten nun voll sein, das Summen ist aber leiser als gewohnt: «Von den meisten Völkern ist nur gerade ein Fünftel übrig, das wird für sie ein harter Winter.» 172 Bienenvölker sind im Raum Zäziwil und Grosshöchstetten betroffen – aus bisher unbekannten Gründen. Davon mussten 7 vernichtet werden, um das Ausbrechen von Bienenkrankheiten zu verhindern.

Seit mehreren Wochen werden Labortests durchgeführt und Pflanzenschutzmittel der umliegenden Obstproduzenten überprüft. Die analysierten Bienen- und Pflanzenproben liefern keinen Aufschluss über zugelassene Pestizide, die den Bienen gefährlich werden könnten. «Wenn wir ein Pflanzenschutzmittel für das Bienensterben verantwortlich machen wollen, so braucht es den Nachweis auf beiden Seiten», sagt Jürg Glanzmann vom Verein der Bienenfreunde (VDRB).

Zwar habe bei einer Pflanze der Wirkstoff Imidacloprid nachgewiesen werden können, welcher zu Lähmungen und zum Tod bei Bienen führen könne – «bei sämtlichen überprüften Bienen fehlt aber dieser Nachweis», sagt der Bienengesundheitsexperte. Es sei ausserdem möglich, dass ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel zur falschen Zeit angewandt werde und zu erheblichen Schäden bei den Bienen führe.

Laut Olivier Félix, Experte für Pflanzenschutzmittel beim Bundesamt für Landwirtschaft, kommt dies zwei- bis dreimal jährlich vor. Für den VDRB-Experten Glanzmann ist dies unwahrscheinlich: «Wir untersuchen die Proben auf rund 500 Wirkstoffe. Sind diese nicht im Screening enthalten, könnte es sich um illegale Pestizide handeln.»

Jetzt wird die Sache kompliziert

In der nahen Umgebung der betroffenen Bienenvölker liegen zwei grössere Landwirtschaftsbetriebe, die bisher im Fokus der Untersuchungen standen. «Privatpersonen und Hobbygärtner können keinen solchen Schaden anrichten», sagt Félix.

Die Landwirte sehen darin aber einen Widerspruch: Beide setzen laut eigenen Angaben seit Jahren dieselben Pflanzenschutzmittel ein. Mit diesen habe man Erfahrung – illegale Pestizide kämen nicht infrage. Auch seien keine neuen Kulturen angepflanzt worden. «Bienen sind für unsere Produkte das höchste Gut – ohne sie hätten wir keine Früchte», sagt einer der Bauern auf Anfrage. Die Ernte werde dieses Jahr wohl kleiner ausfallen. «Die Lage ist wirklich nicht schön. An anderen Orten sind die Apfelbäume schon viel weiter.» Er habe grosses Interesse, dass der Fall bald aufgeklärt werde. «Wir sind auf die Imker angewiesen und umgekehrt. Es darf nicht sein, dass die Leute auf uns zeigen.» Auch Glanzmann mahnt: «Einen Graben zwischen Imkern und Bauern gilt es à tout prix zu verhindern.

Trotzdem sei es für ihn naheliegend, zuerst die Pflanzen der grossflächigen, für Bienen attraktiven Kulturen zu untersuchen. «Jetzt wird die Sache aber komplizierter, denn das gespritzte Obst ist nur eine mögliche Ursache.» Wohin die Bienen geflogen seien, um Wasser, Nektar und Pollen zu sammeln, könne nämlich nicht nachgewiesen werden. Sie bewegten sich in einem Radius von bis zu drei Kilometern. «Es werden nun weitere Landwirtschaftsbetriebe untersucht, aber auch das Saatgut könnte der Auslöser sein.» Auch dort sei der Einsatz illegaler Pestizide zu prüfen.

Honigernte fällt knapp aus

Für die betroffenen Imker entfällt durch das Bienensterben ein Grossteil der Honigernte. Laut Glanzmann gibt ein Bienenvolk jährlich etwa 15 Kilogramm Honig her. «Statt zu ernten, werden die Imker mit der Zufuhr von Zuckerwasser und weiteren Pflegearbeiten beschäftigt sein.» Wer eine neues Bienenvolk kaufen wolle, müsse ausserdem etwa 250 Franken aufwenden. «Der Schaden bleibt aber lokal begrenzt», sagt Glanzmann.

Jakob Fankhauser wartet nun auf die nächste Bienengeneration. Die älteren Bienen leiden immer noch, nächste Woche sollte der Nachwuchs schlüpfen – den geschrumpften Bestand können sie aber nicht ausgleichen. «Dann wird sich auch zeigen, ob sie gesund sind.»

Der Bund

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