Biber in Kehrsatz brauchen Ersatzheim für 35'000 Franken

Eine Biberfamilie im Selhofenzopfen muss wegen der Renaturierung zügeln.

Für die Biberfamilie naht der Umzugstermin – ihr Bau steht einem Wasserbauprojekt im Weg.

Für die Biberfamilie naht der Umzugstermin – ihr Bau steht einem Wasserbauprojekt im Weg.

(Bild: Christof Angst/Biberfachstelle)

Simon Wälti

Im Naturschutzgebiet Selhofenzopfen bei Kehrsatz ist ein umfassendes Wasserbauprojekt geplant. Das Flussbett der Aare wird in diesem Bereich um über 200 Meter verbreitert – bei Hochwasser soll die Aare auf einer Breite von bis zu 300 Metern fliessen. Doch eine Biberfamilie mit sechs bis acht Tieren lebt an der Mündung der Gürbe in die Aare.

Ihr Bau muss dem kantonalen Projekt weichen, welches Hochwasserschutz, Renaturierung und die Sicherung der Trinkwasserfassung der Gemeinde Köniz berücksichtigt. Auf der anderen Seite bei Muri ist das Ufer kürzlich bis zur Auguetbrücke umgestaltet worden, dabei wurden zum Beispiel die Betonbuhnen oberhalb des Fährli-Beizli entfernt.

Lauf der Giesse wird verlegt

«Grundsätzlich ist die Renaturierung für die Biber positiv», sagt Peter Lakerveld von Pro Natura Bern. «Es ist aber etwas unglücklich, wenn die Biberfamilie deswegen umziehen muss.» Der Biberbau befindet sich oberhalb der Einmündung der Giesse in die Gürbe. Im Rahmen des Projekts wird der Lauf der Giesse flussaufwärts verlegt. Bevor für das Projekt des Kantons die Bagger auffahren können, müssen zuerst die Biber zügeln. «An der Gürbe werden im Abstand von zehn Metern zwei Kunstbauten als Ersatzheim erstellt», sagt der Biberfachmann. Es handelt sich um zwei Betonröhren, deren Eingang unterhalb der Wasseroberfläche zu liegen kommt. Begleitet wurde die Planung von Christof Angst von der Biberfachstelle des Bundes.

Im Innern des Gürbedamms werden zwei Wohnkessel eingerichtet und mit Erde ausgekleidet. Die Kosten für die Ersatzbauten belaufen sich auf rund 35'000 Franken. Lakerveld ist zuversichtlich, dass die Biberfamilie die künstlichen Wohnungen akzeptieren wird. In der Schweiz seien bisher bereits etwa zwanzig Kunstbauten erstellt worden. Alle seien von den Tieren angenommen worden. «Die Biber sind da sehr pragmatisch und haben nichts dagegen, wenn sie nicht selber graben müssen.»

Biberpaar mit Jungtieren

Das Revier der Biberfamilie umfasst Gürbe und Giesse beim Selhofenzopfen sowie einen rund zwei bis drei Kilometer langen Abschnitt der Aare. Zur Familie gehören ein Biberpaar und Nachwuchs von zwei Jahrgängen. «Nach zwei Jahren werden die Jungtiere von den Eltern verscheucht», sagt Lakerveld. Sie müssten sich ein neues Revier suchen.

«Das kann zu einem Spiessrutenlauf werden, bis die Jungtiere zu einem unbesetzten Gebiet kommen.» Die Biber verhalten sich sehr territorial und verteidigen ihre Reviere vehement gegen Eindringlinge. An der Aare und in der Belpau lebten zahlreiche Biber, erklärt Lakerveld. Es gebe aber vor allem an Seitenläufen noch freie Reviere.

Bund übernimmt Löwenanteil

Die Gesamtkosten für das Projekt «Hochwasserschutz und Auenrevitalisierung Aare/Gürbemündung» betragen 21,4 Millionen Franken und werden getragen von Bund (12,8 Millionen), Kanton (5,9) und den betroffenen Gemeinde Belp, Kehrsatz, Köniz und Muri (2,7). Dabei wird ein Teil des Aaredamms abgebrochen. Je nach Wasserstand wird der Selhofenzopfen in Zukunft mehr oder weniger überflutet. Ein neuer Damm schützt den Flugplatz Bern-Belp und die Trinkwasserfassung der Gemeinde Köniz vor Hochwasser. Im Bereich Giessenhof sind Massnahmen zur Ufersicherung vorgesehen. Das Projekt liegt in einem Auengebiet von nationaler Bedeutung.

Das Wasserbauprojekt hat eine lange Vorgeschichte, ausgelöst wurde es durch das Hochwasser von 1999. Eine erste Variante stiess auf breiten Widerstand, weshalb das Projekt überarbeitet wurde. Es wurde im November 2006 öffentlich aufgelegt.

Der Bund

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