Berns erster Denkmalpfleger ist verstorben

Hermann von Fischer prägte während Jahrzehnten die Geschicke der kantonalen Denkmalpflege. Letzte Woche ist er im 89. Lebensjahr verstorben.

Die Restaurierung von Schloss Hünegg gehört zu von Fischers grössten Verdiensten.

Die Restaurierung von Schloss Hünegg gehört zu von Fischers grössten Verdiensten.

(Bild: zvg)

Marc Lettau

Die Denkmalpflege im Kanton Bern ist eng mit einem Namen verbunden – mit jenem von Hermann von Fischer. Er war zunächst Sonderexperte der kantonalen Kunstaltertümerkommission. Und als der Grosse Rat des Kantons Bern im Jahre 1959 die kantonale Denkmalpflege schuf, wurde von Fischer der erste kantonale Denkmalpfleger überhaupt. Dieses Amt hatte er bis 1991 inne. Am 26. März 2015 ist der zuletzt in Muri wohnhaft gewesene Hermann von Fischer nun gestorben, wie seine Angehörigen bestätigten.

Hermann von Fischer wurde am 26. Oktober 1926 in Wichtrach geboren. Er erlangte am Freien Gymnasium Bern das Maturitätszeugnis, studierte an der ETH Zürich Architektur und war nach seinem Abschluss Assistent Michael Stettlers, des Direktors des Bernischen Historischen Museums, bis er später mit der Restaurierung und Ausstattung von Schloss Oberhofen betraut wurde. Daraufhin folgte seine Ernennung zum kantonalen Sonderexperten und später die Wahl zum ersten bernischen Denkmalpfleger.

«Viel zu verdanken»

Als Forscher widmete sich von Fischer insbesondere dem Werk der Berner Kunsthandwerkerfamilie Funk, insbesondere des Ebenisten Mathäus Funk und dessen Bruder, dem Bildhauer und Bildschnitzer Johann Friedrich Funk (I.). Der 2001 von ihm publizierte Band über die Berner Kunsthandwerkerfamilie Funk ist zum Standardwerk geworden, seine Ausstellungen zu Intérieurs auf Schloss Jegenstorf galten als wegweisend. Für seine Verdienste im Bereich der Erforschung des bernischen Mobiliars verlieh ihm die Universität Bern 2001 den Titel eines Ehrendoktors.

Professor Bernhard Furrer, der frühere Denkmalpfleger der Stadt Bern und ehemalige Präsident der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, bezeichnete nach Bekanntwerden von Fischers Tod dessen Wirken als herausragend: «Er war ein Grandseigneur im besten Sinne des Wortes.» Er habe die Berner Denkmalpflege begründet und zur anerkannten Fachstelle aufgebaut. Von Fischers Verdienst liege auch darin, dass er stets ein Klima des gegenseitigen Verständnisses und Respekts zu schaffen in der Lage gewesen sei: «Diese Konsenshaltung verschaffte der kantonalbernischen Denkmalpflege in Politik und Bevölkerung eine breite Akzeptanz.» Zu den wesentlichen Verdiensten Hermann von Fischers zähle schliesslich die Übernahme und Restaurierung von Schloss Hünegg in Hilterfingen durch den Staat Bern. Dieser Bau gilt heute als eines der beredtesten Zeugnisse grossbürgerlichen Wohnens vor dem Ersten Weltkrieg. Furrer: «Der Kanton Bern hat Hermann von Fischer viel zu verdanken.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt