Berns Badibeizen wegen hipper Bioprodukte in der Kritik

Baba Ghanoush statt Chicken Nuggets: Teure Bioprodukte sorgen in Berner Freibädern für Empörung. Die Juso spricht von Klassenkampf. Doch die Betreiber halten am Konzept fest.

Die zum Teil teuren Angebote auf der Speisekarte in den Berner Badis sind nicht für jeden erschwinglich.

Die zum Teil teuren Angebote auf der Speisekarte in den Berner Badis sind nicht für jeden erschwinglich. Bild: Franziska Rothenbühler

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Die Luft ist heiss, und das kühle Wasser lockt: Es ist wieder Badi-Wetter. Vor dem Beizli im Weyermannshaus haben sich zwei lange Schlangen gebildet – alles Badegäste, die etwas konsumieren wollen. Ein junger Mann, der in der Schlange steht, schaut auf die Speisekarte und fragt seine Freundin: «Was ist denn Hummus?» Ein anderer Badegast, der danebensteht, erläutert: «Ein Gericht aus Kichererbsen.» Der junge Mann zuckt mit den Schultern. «Tönt schön und gut – ich hätte aber lieber Chicken Nuggets.»

Lange Warteschlangen und hohe Preise für Bio-Essen: So lauten die Vorwürfe von Badegästen an die Gastrobetreiber Badi Beizli GmbH der Berner Freibäder im Weyermannshaus, im Wyler und in der Ka-We-De. Die «Berner Zeitung» berichtet etwa von Beschwerden, die nicht die Bioprodukte an sich kritisieren, sondern das fehlende preisgünstigere Angebot neben einem Bio-Hotdog für 9.50 Franken. Denn nicht jeder kann sich so eine Mahlzeit leisten.

Der Vorwurf, dass das Angebot in den Badibeizen Weyerli, Wyler und Ka-We-De viel zu teuer sei für einkommensschwache Leute, sei ein schwieriges Thema, findet Arci Friede von der Badi Beizli GmbH. «Wir werden keinen Hotdog für 4.50 Franken anbieten», sagt er. Für so einen Hotdog könne man kein frisches Brot, müsse Senf und Ketchup aus industrieller Produktion und Fleisch aus dem Ausland verwenden – das wollen die Betreiber aus Überzeugung nicht tun. Er verstehe zwar, wenn Familien nicht 7 Franken für eine Portion Pommes frites oder 9.50 Franken für einen Hotdog ausgeben könnten oder wollten, sagt Friede. «Aber wir können es nicht allen recht machen, auch wenn das in einem öffentlichen Bad die Erwartungshaltung ist.»

Laut Friede habe vor der Übernahme des Gastrobetriebs durch die Badi Beizli GmbH im Weyerli ein Hotdog 6.50 Franken gekostet. Für die Qualitätssteigerung findet Friede die zusätzlichen 3 Franken preislich im Rahmen. Zudem seien die Rückmeldungen an der Kasse bis jetzt sehr positiv ausgefallen. Als Unternehmen müsse man nun aber nachfragen, von wie vielen Beschwerden die Rede sei. Bei 100 Beschwerden auf 10’000 Badegäste könne nicht von einer breit abgestützten Haltung ausgegangen werden, so Friede. Es werde sich zeigen, ob das Konzept in den weiteren Saisons funktioniere. «Und sonst werden wir die Konsequenzen ziehen und das Feld bereitwillig räumen.»

Die Kritik an den langen Wartezeiten findet Friede verständlich: «Wir haben das Problem mit den Wartezeiten selbst erkannt.» Aber auf solch einen Ansturm wie am Wochenende sei man nicht vorbereitet gewesen. «Wir versuchen, das zu optimieren.»

Fast nur positive Rückmeldungen

Ein ähnliches Konzept wie die Badi Beizli GmbH haben die Betreiber der Burgunderbar Bern, die das Beizli im Lorrainebad pachten: «Wir nehmen Reklamationen wegen der höheren Preise in Kauf», sagt Micha Dietschy von der Burgunderbar Bern. Manchmal runzeln die Leute beim Anblick der Preise die Stirn, aber es habe noch keine grossen Beschwerden gegeben, sagt er. «Wir bekommen fast nur positive Rückmeldungen.»

Den Massenverzehr von Fleisch finden die Betreiber problematisch. Deshalb verwenden sie Fleisch von einem lokalen Metzger, das nun mal seinen Preis habe. So können sich die Kunden vielleicht einen Burger weniger leisten, dafür sei das Fleisch von guter Qualität, so Dietschy. «Wir verwenden nicht nur Bioprodukte, aber wir verkaufen Lebensmittel aus der Region.» Statt Hummus gibt es im Lorrainebad Baba Ghanoush – eine Auberginenpaste.

Im Freibad Weiermatt in Köniz sind Warteschlangen auch nichts Neues. Roger Schenk, der mit seiner Frau das Restaurant in der Badi betreibt, versteht die Kritik der wartenden Badegäste. Letzten Sonntag waren im Weiermatt-Freibad geschätzt 5500 Gäste, «da muss man mit Wartezeiten rechnen», sagt er. Bei ihm kostet ein Hotdog 6 Franken – das Fleisch kommt aus der Schweiz. Er wolle aber nicht auf ausgefallene Bioprodukte umsteigen. Hummus passe weniger in eine Badi, findet er. «Kinder wollen Pommes und Burger.»

Juso ist empört

Die Juso lehnt das Konzept der Badi Beizli GmbH entschieden ab. «Es kann nicht sein, dass sich nur reiche Leute Lebensmittel mit guter Qualität leisten können», sagt die Berner Stadträtin Tamara Funiciello, Präsidentin der Juso Schweiz. Indem Freibäder-beizen Bioprodukte zu horrenden Preisen verkauften, würden Menschen mit tieferem Einkommen von der Kundschaft ausgeschlossen.

Das solle nicht heissen, dass die Betreiber billiges Fleisch aus dem Ausland anbieten sollten: «Eher soll qualitatives Essen zu fairen Preisen verkauft werden, wir wollen keine Zweiklassengesellschaft», so Funiciello.

Für Badibeizbetreiber wird es jedoch schwierig, sich teure Bio- oder Regionalprodukte zu leisten und sie dann günstig verkaufen zu können. «Das sehe ich ein, das Problem liegt auch eine Stufe höher», sagt sie. Die Produktion solle nur noch nachhaltig und fair sein, Zwischenhändler sollten weniger daran verdienen. So könne man auch für die Produzentinnen und Produzenten anständige Löhne bezahlen.

Benjamin Stückelberger vom Vorstand der Juso Stadt Bern kritisiert auch die Berner Stadtregierung, die das Konzept gutheisst. In einer rot-grünen Stadt wie Bern könne man nicht für einen Lebensmittelverkauf plädieren, der einkommensschwache Personen marginalisiere, sagt er. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.06.2017, 15:47 Uhr

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