Berner Jugendlicher wegen Sexting im Visier deutscher Behörden

Der Jugendliche hat ein zur Tatzeit 13-jähriges Mädchen in Whatsapp-Nachrichten beleidigt und genötigt.

Ein Berner Jugendlicher muss sich wegen sexueller Nötigung einer 13-Jährigen per Whatsapp verantworten.

Ein Berner Jugendlicher muss sich wegen sexueller Nötigung einer 13-Jährigen per Whatsapp verantworten. Bild: Thomas Egli

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Ein Jugendlicher aus dem Kanton Bern, der ein Mädchen im Internet zu sexuellen Handlungen aufforderte und sie beleidigte und nötigte, muss von den Behörden erneut einvernommen werden. Dies hat das Bundesstrafgericht entschieden. Sie gab damit einer Beschwerde des Jugendlichen und seiner Eltern statt.

Der fragliche Kontakt im Internet ereignete sich im November 2016, der Jugendliche war damals 16 Jahre und das Mädchen 13 Jahre alt. Der genaue Inhalt der Kommunikation via Whatsapp-Nachrichten geht aus dem Urteil nicht hervor. Der Jugendliche wurde im August 2017 alleine und ohne Rechtsbeistand einvernommen, nachdem Deutschland ein Rechtshilfegesuch gestellt hatte. Der Jugendliche hatte sich mit der Befragung einverstanden erklärt. Deutschland führt ein Strafverfahren gegen den Berner wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, Beleidigung und Nötigung.

Jugendlicher ist psychisch krank

Die bernischen Strafverfolgungsbehörden hatten zunächst davon abgesehen, den Jugendlichen direkt aus einem Pfadfinderlager, abzuholen, weil dies unverhältnismässig gewesen wäre. Für das Gericht ist klar, dass der Jugendliche nicht in der Lage war, sich angemessen zu verteidigen und seine Interessen zu wahren, obwohl an der Urteilsfähigkeit des Minderjährigen grundsätzlich keine ernsthaften Zweifel bestehen.

Aus Sicht des Bundesstrafgerichts waren die Voraussetzungen für eine notwendige Verteidigung aus verschiedenen Gründen erfüllt. Bei der Einvernahme gab der Jugendliche nämlich bereitwillig über seine psychische Erkrankung und «seine abgründigen Gedanken» Auskunft. Die Rede ist von einer zweiten Persönlichkeit. Er leide an Paranoia und habe Selbstmord- und Mordgedanken, sagte der Jugendliche. An diesem Punkt, so befand das Gericht, hätte der Beamte, die Einvernahme abbrechen sollen.

Zudem war die Polizei auch den massgeblichen formellen und materiellen Vorschriften nicht nachgekommen. Sie hatte nur via Telefon und E-Mail einen Termin vereinbart, aber keine schriftliche und offizielle Vorladung ausgestellt. Das sei nicht rechtsgenüglich, so das Gericht.

Der Jugendliche machte eine «besondere Vulnerabilität» geltend. Der Berner hatte schon verschiedentlich Selbstmordabsichten geäussert und hatte auch mehre Suizidversuche hinter sich. Er befindet sich in psychiatrischer Behandlung und nimmt Medikamente ein. Er absolviert eine Informatikerlehre.

Mögliches Strafmass unklar

Schriftstücke und Akten hatte die Schweiz bereits an das ersuchende Land gesandt, die ausländischen Behörden haben diese jedoch bereits zu einem früheren Zeitpunkt wieder zurückgeschickt. Sie können im laufenden Verfahren nicht verwendet werden. Nicht klar ist, welche Strafe der Jugendliche im Falle einer Verurteilung in Deutschland zu gewärtigen hat. Zwar ist die Rede von sexuellem Missbrauch und Nötigung, das konkret zu erwartende Strafmass lasse sich aber nicht bestimmen, heisst es im Urteil des Bundesstrafgerichts. Der Vorwurf betreffe «keine schwere oder komplizierte oder komplexe Straftat. Es gebe keine Hinweise, dass Deutschland einen unbedingten Freiheitsentzug für den Jugendlichen in Betracht ziehe.

Der behandelnde Psychiater empfahl im weiteren Verfahren die Begleitung des Beschuldigten durch Vertrauenspersonen. So könne die Gefahr paranoider Verarbeitung und unkontrollierter aggressiver Durchbrüche sowie die erhebliche Suizidgefahr vermindert werden. (Der Bund)

Erstellt: 13.03.2018, 13:32 Uhr

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