«Bern-Belp funktioniert ausschliesslich aus Heimatliebe»

Sind Linienflüge, die ab Bern starten, überflüssig? Wie sich im Stadtgespräch zeigte, bedauern viele den Konkurs der Airline Skywork.

Die Skywork-Flieger rufen bei den «Bund»-Leserinnen und -Lesern gemischte Gefühle hervor (Symbolbild).

Die Skywork-Flieger rufen bei den «Bund»-Leserinnen und -Lesern gemischte Gefühle hervor (Symbolbild). Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Skywork war die fünfte Airline auf dem Flughafen Bern-Belp, die Linienflüge zu ausgewählten Destinationen anbot. Sie ist somit schon die fünfte, die den Betrieb wieder aufgeben musste, weil sich das Geschäft nicht lohnte. Dadurch verliert der Flughafen Bern-Belp stark an Bedeutung, sofern kein Nachfolger gefunden wird. Aber wird das Angebot, aus der Region Bern abfliegen zu können, auch geschätzt und genutzt? Wir wollten von Leserinnen und Lesern im «Stadtgespräch» wissen, ob Bern eigene Linienflüge brauche – und wenn ja, warum? Ist ein Flughafen in Bern überflüssig? Weshalb schafft Bern es nicht, einen regionalen Flugplatz zu unterhalten? Für die Leserin Barbara Dähler ist klar, dass Bern keinen Flugplatz benötigt: «Wir betreiben doch nur Lokalpatriotismus auf Kosten der Umwelt.»

«Riesenverlust für Bern»

«Stadtgespräch»-Teilnehmerin Monique Joye bekennt sich hingegen als Belp-Fan, sie hofft auf einen baldigen Ersatz. Viele bedauern das Grounding der Airline. Die Leserin Britta Engelhardt bezeichnet es als «Riesenverlust für Bern», sie werde Skywork und die unkomplizierte und familiäre Abreise sehr vermissen. Auch Christoph Knoch aus Gümligen nutzte die Dienste der Airline mit grosser Begeisterung, wie er in einem Kommentar schreibt. «Der Service und kurze Wege, keine Wartezeit, das spricht alles für Bern-Belp.» In vielen Beiträgen wird gefragt: Eine Hauptstadt ohne eigenen Flughafen? «Unvollstellbar», findet Peter Stucki. Damit ist er nicht allein. Auch andere, darunter Marlies Kornfeld, teilen die Meinung: «Die Bundeshauptstadt braucht einen Flugplatz.»

Zu wenig Kunden

Doch nicht alle vertreten diesen Standpunkt: Mit einer ÖV-Distanz von einer bis anderthalb Stunden zu den drei Landesflughäfen sei der Flughafen in Bern überflüssig und ausserdem nicht konkurrenzfähig, sagt der Leser Roland Näf.

Das bestätigen unter anderem Leser wie der Auslandschweizer Markus Gfeller. Er findet das Grounding der Airline zwar traurig. Er habe es aber aufgrund der oft recht leeren Flugzeuge erwartet. Ein Student namens Tim führt dies auf die mangelnde Bekanntheit der Airline zurück. Für «Stadtgespräch»-Teilnehmer Florian Wissmann ist das Fehlen der Kunden nicht in der Unwissenheit begründet, sondern in einer bewussten Entscheidung. Die Mehrheit, schreibt er in seinem Kommentar, werde sich auch künftig für die grossen Flughäfen mit ihren günstigeren Tarifangeboten entscheiden.

Ähnlich sieht es auch Andi Gross aus Biel: «Das Geschäft mit Bern-Belp funktioniert ausschliesslich aus Heimatliebe, da zahlt man gerne ein bisschen mehr.» In Bern wohnten aber nur wenige, die über ein entsprechendes Portemonnaie verfügten, sagt Gross. Doch Skywork hatte nicht nur Probleme, neue Kunden zu gewinnen. Einige Kunden, wie die Leser Beat Engel und Urs Tschanz, haben in den letzten Jahren schlicht das Vertrauen in die Fluggesellschaft verloren. Von den letzten Flügen hätten drei nicht reibungslos funktioniert, berichtet Tschanz.

Weshalb rentiert eine Linienfluggesellschaft in Bern nicht? Auf welche Weise könnte ein Angebot funktionieren? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.09.2018, 16:19 Uhr

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