Gastro-Kritik

«Aufgetischt»: Burger auf lila Polstern

Im Café Goldvreneli in Gümligen, von den Stammgästen nur GV genannt, gibt es grosse Burger und Nashörner aus Gips.

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Wir sitzen auf lila Polstern, und ein Lied von Abba klingt aus den Lautsprechern. In der Mitte dieses Lokals, das seit gut 30 Jahren den Namen Goldvreneli trägt und etwas versteckt im Parterre eines schmucklosen Betonbaus untergebracht ist, wächst ein Bonsaibäumchen. Und da ist dieser Nashornkopf aus Gips, der von einer Säule hängt. Wir hätten auch auf der Terrasse Platz nehmen können, zwischen Strasse und Chupa-Chups-Automaten, doch noch weht ein kühler Wind durch Gümligen.

Auf einer Wandtafel, die mit einer Sternenleuchtkette behängt ist, stehen die Spezialitäten des Bistros: Classic-Burger, Cheeseburger, Chickenburger. Der Goldvreneli-Burger (Fr. 20.–) mit Rindfleisch, Käse, Knoblauch, Speck und Zwiebeln – der teuerste unter den Burgern – scheint unter den Stammgästen des Lokals schon längst bekannt zu sein, er wird nur noch mit den Buchstaben GV aufgeführt.

Jalapeños und Artischocken

Der Begleiter wählt die klassische Variante mit Rindfleisch, Zwiebeln, Gurken und Senf (Fr. 16.–). Für den kleinen Hunger werden frittierte Jalapeños (je Fr. 2.50), Country-Cuts (Fr. 6.50), Wienerli mit Brot und Senf (Fr. 6.–), eine Portion Bündnerfleisch oder Serrano Schinken (Fr. 8.–) sowie Sandwiches (Fr. 5.– bis 8.–) angeboten. Die Testesserin entscheidet sich für das Tagesmenü (Fr. 16.–): Heute stehen Teigwaren an einer Lachs-Rahm-Sauce und Artischocken auf der Karte.

Nur wenige Minuten vergehen, bis der Menüsalat serviert wird. Er ist nicht zu klein und nicht zu gross und mit Kürbiskernöl und Sojasprossen angerichtet. Nebenan essen «Büezer», die wenig Zeit für die Mittagspause haben, sowie Geschäftsleute oder Pärchen aus dem Quartier. Das Lokal ist gut besetzt.

Während wir warten, erfahren wir, warum das Nashorn die Bistrosäule ziert. Es hänge dort, weil er in Südafrika geboren worden sei, erklärt der Wirt Philippe Goetschi, der das Café seit zwei Jahren mit seiner Partnerin Daniela De Luca betreibt. Man habe die «Spunte» renovieren lassen, jetzt seien nebst den Stammkunden auch ein paar neue Gäste hinzugekommen. Nun wird der Hauptgang aufgetischt.

Keine Zeit fürs Dessert

Ein Steakmesser steckt im Hamburger, der mit Country-Cuts und Chilisauce serviert wird. «Gut gewürzt», findet der Begleiter, das Brot, «wie man es kennt bei Hamburgern», die Country-Cuts «knusprig». Auch die Testesserin ist ganz zufrieden mit der Wahl. Die mit Dill und Parmesansplittern angerichteten «Müscheli» sehen lecker aus, die Artischocken passen gut zu den zitronigen Lachstranchen und der Rahmsauce. Die Teller sind bald leer gegessen.

Und auch das Lokal leert sich langsam. Wir bestellen Espresso, auf der Dessertkarte steht Mövenpick-Glace. Aber die Digitaluhr an der Wand zeigt an, dass wir uns auf den Weg zurück nach Bern machen sollten. Der Bahnhof liegt nur wenige Minuten entfernt.

(Der Bund)

Erstellt: 09.06.2014, 13:17 Uhr

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Die Rechnung, bitte

Karte: gutbürgerlich, Salate, Snacks, verschiedene Hamburger, Sandwiches.

Preise: moderat, Mittagsmenü kostet Fr. 16.–.

Kundschaft: grosse Stammkundschaft, Büezer, Geschäftsleute.

Öffnungszeiten:
montags bis freitags, 7.30 bis 19.30 Uhr, samstags, bis 18 Uhr, Sonntag Ruhetag.

Adresse
: Café Goldvreneli, Füllerichstrasse 53, 3073 Gümligen, Tel. 031 951 50 79, www.cafe-goldvreneli.ch

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