Aufgetischt

«Aufgetischt»: «Bedli» an schönem Flecken Erde

Aus der Kälte ins Restaurant: Zu Gast im Gasthof Schnittweierbad in Steffisburg.

Warme Stube: Der Gasthof Schnittweierbad in Steffisburg.

Warme Stube: Der Gasthof Schnittweierbad in Steffisburg. Bild: zvg

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Nach einem Tag im Schnee und in klirrender Kälte sind wir gekommen, um ein Käsefondue zu geniessen. Schon von weitem ist das Restaurant im waldumsäumten Tälchen zu sehen: das Gasthaus Schnittweierbad abseits der Strasse von Steffisburg nach Fahrni. Der Maler Ferdinand Hodler, der einen Teil seiner Jugend in Steffisburg verbrachte, habe den «schönen Flecken Erde» und ihn später auf seinen Gemälden verewigt, berichtete der Jubiläums-Burgerspiegel der Steffisburger Burger einst. Die Weiss getünchten Gebäude mit der roten Aufschrift in Schnörkelbuchstaben haben etwas Romantisches. Draussen und drinnen ist der Gasthof liebevoll, der Saison entsprechend dekoriert.

Das Käsefondue ab zwei Personen (Fr. 23.50/Person) opferten wir beinahe dem interessanten Angebot des Jubiläumshits, einem zarten Rinds-Entrecôte mit vier verschiedenen Saucen und Pommes frites. Das 30-Jahre-Jubiläum feiert das Wirtepaar Verena und Hansueli Bieri-Krügel. Die beiden gaben sich 1982 das Jawort und pachteten noch im selben Jahr den Landgasthof, wie der Bruder der Wirtin erzählt, der an diesem Abend im schwarzen Jackett serviert und ebenfalls bereits seit 30 Jahren mitarbeitet.

Doch was passt eigentlich als Vorspeise zum Fondue? Am ehesten ein Bündner Teller (Fr. 14.50). Ein schlicht garnierter Teller mit zwei Sorten Trockenfleisch wird bald gereicht. Dazu gibt es frischen Zopf. Das Käsefondue ist cremig und würzig. Obwohl die zur Auswahl stehenden Variationen mit Pilzen, Kräutern oder anderen kreativen Kombinationen zwar reizvoll wären, ist das Einfachste in diesem Fall aber wohl immer noch das Beste. Ein Fendant aus dem Salgesch, Jahrgang 2010 (Fr. 19.-/5 dl), trägt seinen Teil zum gemütlichen Abend bei.

Ein Blick in die Menükarte verrät auch, dass das Schnittweierbad eine lange Geschichte hat. Auf der Abbildung einer historischen Postkarte steht: Bade- und Luftkurort Schnittweyer; Eisenbahnstation Thun, Steffisburg, Brenzikofen; Wagen auf Bestellung an obgenannten Bahnhöfen; Telephon: Post- und Telegraphenbureau Steffisburg. Von wann genau die Karte datiert, ist nicht ersichtlich. Sicher stammt sie aber aus der Zeit vor 1920, bis ungefähr dahin wurde das «alte Bedli» im Schnittweier geführt. Die Badewirtschaft wurde von Patienten mit Bleichsucht, Rheumatismen und Nervenleiden wegen des eisenhaltigen Wassers aufgesucht. Zu Spitzenzeiten konnten bis zu 120 Gäste beherbergt werden, die Rede ist zudem von rund 30 Badekasten.

Ursprünglich legte das Kloster Interlaken «in der Schneit, am Weg da man gan Diessbach gath» (Burgerspiegel) Mitte des 15. Jahrhunderts Weiher zur Fischzucht an. Ebenso soll in dieser Zeit dort das erste Bad für die Mönche und Nonnen entstanden sein. Später, als die Badwirtschaft von privater Hand geführt wurde, soll sie zeitweise ziemlich verrufen gewesen sein.

Gegen Ende des Besuchs im Schnittweierbad kommen wir zum Höhepunkt. Der Landgasthof ist bekannt für die hausgemachten Desserts. Leider ist die Brönnti Crème mit hausgemachten Brätzeli gerade nicht im Angebot, weil Betriebsferien anstehen. Die Meringue mit Rahm (Oberli Schangnau, Fr. 9.80) ist mit der Grösse eines mittleren Blumenkohls aber sowieso eine Familienportion. Die Meringue erinnert nicht nur an die Kemmeriboden-Meringues, sondern ist auch eine. Sie ist süss, luftig und klebt nicht. Als Nachtisch zu einem Fondue ist sie aber ganz einfach zu gross.

Erstellt: 04.02.2012, 11:39 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Traditionelle und währschafte Küche, Fleisch- und Käsespezialitäten, hausgemachte Desserts.

Preise: Preisgünstig: Vorspeisen 10 bis 15 Franken, Menüs bis 30 Franken, Desserts knapp 10 Franken.

Kundschaft: Stammgäste, Vereine, Wanderer und Gesellschaften.

Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag geschlossen. Adresse: Gasthof Schnittweierbad, Verena und Hansueli Bieri-Krügel, Schnittweierweg 33, 3612 Steffisburg, Telefon 033 437 47 56, www.schnittweier.ch.

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