Auch Frauenkappelen sendet Rauchzeichen nach Bern

In Bern erhofft man sich, dass der Funke von Ostermundigen auf andere Gemeinden übergeht. Von anderen Gemeinden hat Frauenkappelen mit ebenfalls höherer Steueranlage Interesse.

Frauenkappelen sendet entsprechende Rauchzeichen nach Bern aus.

Frauenkappelen sendet entsprechende Rauchzeichen nach Bern aus. Bild: Wikipedia

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Vor vier Jahren definierte der Verein «Bern neu gründen» die Stadtregion Bern und steckte damit ab, wie Grossbern aussehen könnte: in der Mitte die Stadt Bern und dazu ein Kranz aus elf Gemeinden. Seither bewegte sich wenig. Bis letzte Woche Ostermundigen die Idee wieder mit neuem Leben füllte: Das dortige Parlament möchte, dass in den nächsten Jahren Fusionen mit Nachbargemeinden geprüft werden, explizit dazu gehört Bern. Dort gab man sich erfreut, obwohl Ostermundigen auch finanzielle Probleme in die Arme Berns treiben. Die Steueranlage liegt mit 1,69 deutlich über jener Berns (1,54).

In Bern erhofft man sich nun, dass der Funke von Ostermundigen auf andere Gemeinden überspringt. Doch von den weiteren Gemeinden hat nur eine mit ebenfalls höherer Steueranlage Interesse. Frauenkappelen (Steueranlage 1,7) sendet entsprechende Rauchzeichen aus. Gemeindepräsident Markus Kämpfer (FDP) betont jedoch, die Situation sei nicht mit jener Ostermundigens zu vergleichen. Es gebe keinen «finanziellen Notstand». «Die Gemeinde leistet sich diesen Steuerfuss freiwillig», sagt Kämpfer. Als ersten konkreten Schritt ist die Gemeinde nun dem Verein «Bern neu gründen» beigetreten – notabene als erste Gemeinde überhaupt.

Bewegung in Kehrsatz

Ebenfalls mehr Steuern als in Bern zahlen die Einwohner von Kehrsatz (Steueranlage 1,64). Dort hat die örtliche SP-Sektion einen allfälligen Zusammenschluss mit Bern thematisiert. Eine «Grossstadt Bern» habe grosses Potenzial. Auch die FDP hegt gewisse Sympathien. Bänz Müller (SP), der Gemeindepräsident Wohlens (1,54), zeigte sich in einem Beitrag des Berner «Regionaljournals» von SRF vor einigen Monaten immerhin offen: Viele Gemeinden um Bern kämpften mit denselben Herausforderungen, darum sei eine engere Zusammenarbeit zu prüfen – bis hin zu Fusionen. In Bolligen (Steueranlage 1,6) äusserte sich die Bevölkerung 2011 in einer Umfrage hingegen klar negativ zu Fusionen. Gemeindepräsidentin Katharina Zuber (FDP) bestätigte diese Grundhaltung gestern.

«Effizient und bürgernah»

Exemplarisch begründete die Zurückhaltung der meisten Gemeinden rund um Bern Ittigens Gemeindepräsident Marco Rupp (Bürgervereinigung Ittigen): Zwar sei «Grossbern» eine «reizvolle Idee». Doch momentan sehe er keinen Nutzen für Ittigens Bevölkerung: «Wir haben eine effiziente Verwaltung, die bürgernah arbeitet.» Mit einer Steueranlage von 1,34 fehlt zudem der finanzielle Anreiz. Man konzentriert sich in Ittigen darum auf den Ausbau der regionalen Zusammenarbeit.

Zollikofens Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) argumentiert ebenso. Und auch für die grösste Agglomerationsgemeinde, Köniz mit 42000 Einwohnern (Steueranlage 1,49), ist Grossbern kein Thema. Vielmehr nehme Köniz selber Zentrumsfunktionen wahr, sagt Gemeinde-präsidentin Annemarie Berlinger-Staub (SP). Muri als regionale Steueroase (Steueranlage 1,2) sieht erst recht keinen Grund, die Eigenständigkeit preiszugeben. Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) sagte bei Radio SRF: «Mit 13000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat Muri eine gesunde Grösse.»

Wenn Gemeinden Fusionen erwägen, so stehen eher Kommunen ähnlicher Prägung im Fokus. Kirchlindachs Gemeindepräsident Werner Walther (SVP) favorisiert zum Beispiel eine vertiefte Kooperation mit Meikirch und Wohlen. Schon heute arbeite man in den Bereichen Schule, Schulsozialarbeit eng zusammen, zudem gebe es eine gemeinsame AHV-Zweigstelle. Die Stadt Bern aber erscheint vielen eine Nummer zu gross für eine Fusion. (Der Bund)

Erstellt: 27.08.2018, 06:46 Uhr

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