Abschied bei kühlem Sekt und wärmenden Heizpilzen

Am Uvek-Sitz in Ittigen ist der sparsame Umgang mit Energie Programm. Der Astra-Direktor machte eine Ausnahme.

Im Atrium des Uvek-Baus in Ittigen kann es beim Apéro kalt werden.

Im Atrium des Uvek-Baus in Ittigen kann es beim Apéro kalt werden.

(Bild: Valérie Chételat)

Matthias Raaflaub

Als wäre es nicht genug, dass die Affäre um ein Mitarbeiterfest mit Samba-Tänzerinnen im Jahr 2000 den früheren Vorsteher des bernischen Tiefbauamts für immer verfolgen wird: Rudolf Dieterle musste auch in seiner Zeit als Chef des Bundesamts für Strassen (Astra) einstecken. Vor allem das zu teure IT-Projekt «Mistra» prägte in seiner Astra-Amtszeit die Schlag­zeilen. Ende Monat geht diese zu Ende. Am vergangenen Mittwoch gab der scheidende Chef seinen Abschiedsapéro am Astra-Sitz, dem Uvek-Gebäude in Ittigen.

Die Gäste versammelten sich im überdachten Innenhof des grossen Bürogebäudes. Um sie zu wärmen, kamen sechs Wärmestrahler zum Einsatz. Diese Heizpilze werden wegen ihrer schlechten Energieeffizienz gescholten. Michael Aebersold, selbst Mitarbeiter des Bundesamts für Energie, regte sich auf Twitter darüber auf. «Zuerst die Heizpilze, dann die Moral», schrieb er als Kommentar zu einem Beweisfoto. «Es zeugt nicht von grosser Sensibilität, wenn man im Uvek-Gebäude solche Energiefresser einsetzt», sagt auf Nachfrage Aebersold, der im bernischen Kantonalparlament Fraktionspräsident der SP ist.

Das Fest des Astra-Direktors sei eine private Angelegenheit gewesen, sagt das Astra auf Anfrage. Dieterle bestätigte gestern dem «Bund», dass er den Abschiedsapéro aus eigener Tasche gezahlt hat. «Gerne hätten wir den Anlass ohne Heizpilze durchgeführt», schreibt Dieterle in der Wir-Form: Die Heizkörper seien denn auch nur «für eine beschränkte Dauer und unter Berücksichtigung der Auflagen der Gebäudeverantwortlichen in Betrieb genommen worden». Weil es im Innenhof des Uvek-Gebäudes, des sogenannten Atriums, sehr kalt werden könne, «haben wir nach Abwägung der positiven (Gesundheit und Wohlbefinden der Gäste) und negativen Aspekte (Energie) Heizpilze bereitgestellt.»

Bewilligungspflicht für Heizpilze

Und Dieterle bedauert in seiner Antwort, dass Aebersold seine Kritik nicht direkt an ihn gerichtet habe. Selbst Aebersolds oberster Chef, Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, sei beim Anlass anwesend gewesen und habe die Heizstrahler nicht beanstandet.

Das Problem: Im Kanton Bern sind Heizpilze im Freien nur noch in Ausnahmen erlaubt. Etwa zum leiblichen Wohlergehen von Verkäufern bei Marktständen oder «im Interesse des Gast­gewerbes». Verboten sind mit fossiler Energie betriebene Heizungen im Freien auch für private Anlässe. Soweit das Gesetz. Event-Firmen vermieten solche Heizpilze weiterhin. Wer als Privater auf sie zurückgreift, brauche zwar keine Baubewilligung, sagt ­Matthias Spack vom Rechtsamt der kantonalen Bau-, Verkehrs und Energiedirektion. Aber wer den Heizpilz anwirft, muss selbst sicherstellen, dass die rechtlichen Bestimmungen beim Betrieb eingehalten werden. «Der jeweilige Betreiber ist selber verantwortlich für die Einhaltung der Energievorschriften», so Spack. Im Freien einen privaten Anlass mit Gas-Heizpilzen zu beheizen, geht nicht.

Hat der Direktor des Bundesamts für Strassen also gegen geltende Energievorschriften verstossen? Hat der Direktors des Bundesamts für Energie dies auch noch gebilligt? Wollte man diese Behauptung aufstellen und das rechtlich auf festem Grund, so müsste man wohl das tun, was Bundesämter des öfteren tun: den Sachverhalt bis ins Detail prüfen. Weil Heizpilze im Freien verboten sind, theoretisch aber nicht im Innern, ist der Tatort entscheidend. Beim Uvek-Hof wird die Unterscheidung zwischen draussen und drinnen knifflig. Das überdachte Atrium, der Zwischenbereich zwischen den Büroräumen, kann wahrscheinlich nicht als Innenbereich gelten. Matthias Spack erklärt, dass ein Gebäude im bernischen Gesetz als «von atmosphärischen Einflüssen weitestgehend abgeschlossen» und «energietechnisch bewirtschaftet, also auch beheizt» definiert wird.

Kurz gesagt: Wer beim Cüpli in der Bude friert, muss damit rechnen, dass er laut dem Paragrafen im Freien steht. Zu empfehlen ist dann eine energie­sparende Alternative zum Heizpilz: sich warm anziehen. Vor allem, wenn tanzen sicher nicht infrage kommt.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt