Abgründe eines Prostituiertenmordes

In Langenthal ermordete ein junger Mann auf brutale Weise eine Escortdame. Jetzt kommt der Fall vor Gericht.

Der Fundort in Langenthal im Jahr 2012.

Der Fundort in Langenthal im Jahr 2012. Bild: Keystone

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Die Nachwuchsspieler des Handballclubs Langenthal machten an einem Samstagvormittag im März 2012 einen grausigen Fund. Im Lichtschacht der Dreifachturnhalle Hard entdeckten sie eine nackte Frauenleiche. Die 44-jährige Österreicherin, die im Kanton Schwyz gelebt und unter anderen für einen ­Escortservice gearbeitet hatte, war Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Wenige Tage darauf verhaftete die Polizei ein Brüderpaar, zwei junge Männer aus Langenthal. Die 23- und 25-jährigen Männer wurden verdächtigt, etwas mit dem Tötungsdelikt zu tun zu haben. Der Ältere legte ein Geständnis ab und befindet sich im vorzeitigen Strafantritt, der jüngere wurde unter Auflagen entlassen.

Zu den Hintergründen und dem Hergang der Tat, die national für Aufsehen gesorgt hatte, gab es bisher nur wenig gesicherte Angaben, dafür viele Spekulationen. Etwas Klarheit zum Tathergang schafft nun die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Emmental-Ober­aargau. Diese wurde veröffentlicht, weil nächste Woche der Gerichtsprozess ­gegen den jungen Langenthaler in Burgdorf stattfindet. Er ist angeklagt wegen Mord, Vergewaltigung, sexueller Nötigung sowie Störung des Totenfriedens.

Das Opfer bestellt

Laut Staatsanwaltschaft rief der beschuldigte Mann am Abend bei einer Agentur für Erotikdienstleistungen an und bestellte eine Frau nach Langenthal. Die von der Agentur beauftragte Frau traf den Mann auf seine Anweisungen hin bei einer Tankstelle, worauf er zu ihr ins Auto stieg.

Er «dirigierte sie auf den Kies­parkplatz hinter die Sportanlage Hard», heisst es in der Anklageschrift. Als sie ausgestiegen waren und die Frau Geld für ihre Dienste verlangte, schlug er mit der Faust so fest gegen ihren Kopf, dass sie zu Boden stürzte. Er würgte sie, vergewaltigte sie, führte ihr Steine und andere Gegenstände in die Körperöffnungen ein. Ob sie am starken Würgen starb oder erst später, als der Beschuldigte ihr einen Stein in den Rachen stopfte, lässt die Anklageschrift offen.

Aus dem Dokument geht jedoch hervor, dass der junge Mann vor der Tat ­Alkohol und Kokain konsumiert hatte. Auch nach der Tat erstand er Kokain mit dem Geld, das er seinem Opfer abgenommen hatte. Mit dem Auto der Frau fuhr er die ganze Nacht in der Region Langenthal umher.

Bei der Verhaftung der beiden jungen Männer beschimpften und bedrohten diese die Polizisten. Deshalb muss sich der Angeklagte vor Gericht auch wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte verantworten.

Kein Rechtsextremer

Eine solch grauenvolle Tat wirft viele Fragen auf. Wer ist der mutmassliche ­Täter? Was veranlasste ihn zu dieser Tat? Ein Erklärungsversuch war, dass der junge Mann aus der rechtsextremen Szene stamme und Ausländer hasse. Eine mit der Vorgeschichte vertraute ehemalige Amtsperson sagt auf Anfrage, dies treffe nicht zu. Zumindest sei der Angeklagte in dieser Szene nicht aktiv gewesen. Auch zur eingefleischten Szene des Eishockeyclubs SC Langenthal habe der Mann nicht gehört. Für die Brüder seien die Hockeyspiele ein ­Anlass gewesen, Alkohol zu trinken und Radau zu machen. Der ältere Bruder, des Mordes angeklagt, habe auch einmal eine Garage angezündet. «Sie hatten keinen Halt», sagt die ehemaligen Amtsperson über das familiäre Umfeld der beiden Männer. Die ­Eltern hätten sich wohl zu wenig um sie gekümmert.

Obwohl der jüngere Bruder aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und er offenbar am Verbrechen nicht beteiligt war, läuft gegen ihn noch immer ein Verfahren. «Im Zuge des bevorstehenden Gerichtsverfahrens dürfte auch dessen Rolle ein Prozessthema bilden», heisst es bei der Staatsanwaltschaft. (Der Bund)

Erstellt: 26.11.2014, 13:40 Uhr

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