3-D-Drucker im Klassenzimmer

Eine Klasse in Steffisburg experimentiert mit 3-D-Druckern. Diese Technologie hat Potenzial für die Schule. Denn: Die Geräte funktionieren zwar auf Knopfdruck, die Vorarbeit braucht aber Köpfchen.

Die Achtklässler Jan Peter (l.) und Luca Schöpfer beobachten gespannt, wie der 3-D-Drucker ihre Düse herstellt.

Die Achtklässler Jan Peter (l.) und Luca Schöpfer beobachten gespannt, wie der 3-D-Drucker ihre Düse herstellt.

(Bild: Valérie Chételat)

Kurt Meister unterrichtet geometrisch-technisches Zeichnen an der Oberstufe Schönau in Steffisburg. Obwohl es Freitagnachmittag ist und das Wochenende vor der Tür steht, sind die Acht- und Neuntklässler, die das Wahlfach besuchen, höchst motiviert. Denn wo frühere Generationen noch mit Lineal und Zirkel zeichneten, sorgfältig darauf bedacht, die Tinte nicht zu verschmieren, modellieren die Schüler heute dreidimensionale Figuren am Computer. Gerade arbeiten sie an der Düse für einen Springbrunnen.

Dazu setzen sie mit einem Computerprogramm Quader, Würfel und Kugeln aneinander, verbinden sie, positionieren Löcher. Was abstrakt klingt, kann man jetzt aber sogar anfassen, dem 3-D-Drucker sei dank.

Zurück zum realen Objekt

Mit den 3-D-Druckern, die, wie es der Name sagt, dreidimensionale Gegenstände herstellen, können die Schüler die Düsen nach ihrem Computermodell selbst ausdrucken. Die Geräte haben aber kaum mehr etwas mit klassischen Druckern zu tun. Der englische Begriff «Maker», also «Macher», passt da schon besser: Kunststoff wird erhitzt, ein Roboterarm legt dann die Kunststofffäden in dünnen Schichten übereinander. Surrend und quietschend bewegt er sich hin und her, dem Weg folgend, der ihm das Computerprogramm vorgibt.

Für Kurt Meister, der früher als Maschinentechniker tätig war, haben die Drucker eindeutig einen didaktischen Wert: «Sie geben den Kindern die Möglichkeit, etwas zu planen und umzusetzen. Danach können sie überprüfen, ob das Objekt wirklich ihren Vorstellungen entspricht.» Ist das also eine Rückkehr vom virtuellen Raum zum realen Objekt? «Ja, denn bei einem Bild hat man zwar das Gefühl, man würde es verstehen, aber es wird erst greifbar, wenn man es in die Hand nehmen kann», antwortet Meister. Die Schüler sind ebenfalls beeindruckt von den neuen Möglichkeiten, die sich bieten: «Der 3-D-Drucker ist etwas Neues, das hat man nicht zu Hause», sagt Vincent Eringfeld. Jan Peter beobachtet aufmerksam wie seine Düse «gedruckt» wird.

Etwas stimmt da aber nicht: Der Roboterarm fährt plötzlich über die filigranen Löcher und klebt sie mit Kunststoff zu. «Das Problem liegt meistens am Computermodell», seufzt Jan. Jennifer Stöckli ist das einzige Mädchen in der Klasse. Sie möchte gerne Hochbauzeichnerin werden, im Hinblick darauf sei dieser Kurs toll. «Es geht um mein Berufsleben, da opfere ich gerne einen Freitagnami», sagt sie.

Nicht nur ein Knopfdruck

Es ist fünf Uhr, die Lektion schon fast zu Ende, und plötzlich müssen alle Schüler gleichzeitig ihre Modelle fertigdrucken. Die beiden Drucker werden belagert. Jennifer muss noch einen Teil ihrer Düse drucken, bei Jan kommt es immer noch nicht so heraus, wie er es möchte. Es sei noch vieles ein Ausprobieren und Pröbeln bei dieser Art von Druckern, sagt Kurt Meister. Mit 2000 Franken pro Stück seien diese Geräte nicht gerade die teuersten. Gleichzeitig ist Meister klar, dass die Drucker noch genauer, einfacher und zuverlässiger funktionieren müssen, um in der Schule breite Akzeptanz zu gewinnen. Nebst dem geometrisch-technischen Zeichnen sieht er aber auch in anderen Fächern Potenzial: «Vielleicht noch nicht in allernächster Zukunft, aber in den nächsten fünf oder zehn Jahren wird der Drucker ein fester Bestandteil der Schule sein.»

Zurzeit sind 3-D-Drucker im Alltag noch kaum präsent, noch weniger an den Schulen. Ist die Oberstufe Steffisburg also ihrer Zeit voraus? «Im Modellbau und in der Technik, wird das 3-D-Drucken bereits regelmässig eingesetzt, nicht für Serienfertigung, aber um Einzelteile herzustellen», entgegnet Meister. Kritisiert wurde verschiedentlich, dass mit 3-D-Druckern jegliche Kreativität verloren gehe, weil Schüler die Vorlagen auch vom Internet herunterladen und per Knopfdruck ausdrucken könnten. Meister sieht das Problem ebenfalls. Darum besteht er darauf, dass die Schüler ihre Modelle selbst kreieren. «Spannend wird es erst, wenn man ein Modell selber herstellt», sagt er. Die Kreativität darf also auch in Meisters Zukunftsvision nicht fehlen.

Eigene Drucker für Steffisburg?Es ist schon fast halb sechs, die Lektion seit einer Viertelstunde vorbei. Aber die Schüler wollen ihre Düsen unbedingt noch fertigmachen. Nächste Woche gehen die 3-D-Drucker zurück an die Pädagogische Hochschule Bern, sie waren vom Institut für Medienbildung nur geliehen. Kurt Meister hat nun bei der Schule Steffisburg zwei eigene 3-D-Drucker beantragt. Es sei allerdings noch nicht sicher, ob die Gemeinde das Geld bewilligen wolle, die Meinungen seien geteilt, sagt Meister. Ob die Schule den Sprung in die Zukunft wagt, ist ungewiss. Das Surren des Roboterarms klingt aber jetzt schon nach Zukunftsmusik.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt