100 neue Plätze für Asylsuchende in Niederscherli

Der Kanton Bern ist bei seiner Suche nach Asylunterkünften in Köniz fündig geworden. Per 1. November bietet die Gemeinde eine Zivilschutzanlage an.

In der unterirdischen Zivilschutzanlage Bodengässli in Niederscherli finden ab dem 1. November Flüchtlinge vorübergehend ein Zuhause.

In der unterirdischen Zivilschutzanlage Bodengässli in Niederscherli finden ab dem 1. November Flüchtlinge vorübergehend ein Zuhause. Bild: Adrian Moser

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Bereits in knapp drei Wochen können in der Zivilschutzanlage in Niederscherli rund 100 Asylsuchende untergebracht werden. Die Anlage Bodengässli liegt – genau wie jene im Hochfeld in der Stadt Bern – unterirdisch. Dieser Umstand sowie die Nähe zum gleichnamigen Schulhaus dürfte in manchen Kreisen für heisse Köpfe sorgen. Köniz’ Engagement für Flüchtlinge ist kein Novum: Die Gemeinde beherbergt bereits 70 Asylsuchende in der oberirdischen Kollektivunterkunft Sandwürfi.

Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) sagt sogar: «Die Unterbringung von Asylsuchenden hat bei uns schon fast Tradition.» Deshalb habe man die Zivilschutzanlage Bodengässli dem Kanton aus eigener Initiative vorübergehend zur Verfügung gestellt. Studer ist überzeugt, dass sich in der gegenwärtigen Situation gerade grössere Gemeinden in Solidarität üben sollten. «Es ist unsere Aufgabe, mitzuhelfen.» Unterstützt wird die Gemeinde vom kantonalen Migrationsdienst und der Flüchtlingshilfe der Heilsarmee. Diese drei Stellen bereiten die Zivilschutzanlage gemeinsam für die Aufnahme der Flüchtlinge vor.

Dem Könizer Gemeindepräsidenten ist bewusst, dass die Unterbringung von Asylbewerbern auf einer Schulanlage ein gewisses Konfliktpotenzial birgt. «Wir werden uns bemühen, damit die Betreuung der Flüchtlinge gut funktioniert.» Neben einer möglichst guten Unterstützung der Asylbewerber durch die Betreiber der Zivilschutzanlage und freiwillige Helfer sei noch etwas anderes entscheidend: eine sinnvolle Tätigkeit. «Das Wichtigste ist, dass die Leute eine Beschäftigung haben und nicht nur herumsitzen müssen.» Es sei ja eine Lösung auf Zeit: Die Bewohner des Durchgangsheims würden in der Regel maximal sechs Monate in Niederscherli bleiben, sagt Studer.

«Möglichst gut informieren»

Falls es dennoch einmal zu einem Konflikt kommen sollte, werde man versuchen, ihn auszuräumen. «Ich mache mir keine grossen Sorgen. Das sind ja Menschen und nicht in erster Linie potenziell Kriminelle», sagt Studer. Wichtig sei, dass auch die Schulleitung dem Entscheid positiv gegenüber stehe. Am Mittwoch, dem 21. Oktober, findet ein Informationsanlass statt, an dem sich auch die Schulleitung äussern wird. Dass ein weiteres Durchgangzentrum unter dem Boden alles andere als ideal ist, weiss Ueli Studer. Er sagt aber: «Jetzt im Winter ist das für die Flüchtlinge auf jeden Fall besser, als in Zelten zu schlafen.» Die Gemeinde habe ihr Möglichstes getan, um eine «optimale Unterbringung» zu ermöglichen. Doch in so kurzer Zeit hätte man nichts anderes finden können. Ausserdem eigne sich die Zivilschutzanlage Bodengässli sehr gut, weil bei diesem Gebäude keine Investitionen nötig gewesen seien und sie deshalb in kürzester Zeit bereit gewesen sei. Unklar ist derzeit noch, ob die Anlage gleich von Beginn weg voll belegt sein wird.

Auch die Stadt sucht Lösungen

Nicht nur in den Agglomerationsgemeinden sucht der Kanton nach rasch bereitstellbaren Gebäuden, in denen Flüchtlinge untergebracht werden können, sondern auch in der Stadt Bern. Als Ergänzung zu den Durchgangszentren im Hochfeld und an der Viktoriastrasse würden derzeit diverse städtische Gebäude geprüft, sagt die Direktorin für Bildung, Soziales und Sport (BSS), Franziska Teuscher, auf Anfrage. Unter den Liegenschaften, die als Flüchtlingsheime in Betracht gezogen werden, ist auch ein leer stehendes Gebäude im Rossfeld. «Das ehemalige Schwesternheim könnte sich gut für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, sogenannte UMA, eignen», sagt Teuscher. Diese benötigten besonderen Schutz und würden mit grosser Wahrscheinlichkeit längere Zeit in unserem Land bleiben, ist Teuscher überzeugt.

Bürogebäude eignen sich nicht

Weil das Schwesternheim im Rossfeld nicht unterirdisch liegt und bereits über sanitäre Anlagen verfügt, könnte es in die engere Auswahl kommen. Der Grund: Leer stehende Bürogebäude könnten kurzfristig kaum für Wohnzwecke umgenutzt werden, sagt Teuscher. Geprüft worden seien unter anderem das Post-Gebäude Schönburg und das Swisscom-Gebäude im Galgenfeld. Beide eigneten sich aufgrund ihrer Struktur nicht als rasche Lösung: «Es müssten Duschen und Küchen eingebaut werden, was hohe Investitionen erfordern würde», sagt Teuscher.

Wie weit die Abklärungen in Sachen ehemaliges Schwesternheim fortgeschritten sind, konnte am Montag nicht eruiert werden. (Der Bund)

Erstellt: 12.10.2015, 22:17 Uhr

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